Maeterlinck

Maeterlinck

Maeterlinck

Die Fülle von Meinungen, Informationen und Gerüchten, das Fernsehen, die Ferndiagnosen, alle Formen der optischen und erkenntnistheoretischen Täuschungen, denen wir immer wieder unterliegen, lassen oft die Frage nach der Eigentlichkeit der menschlichen Situation in Vergessenheit geraten. Deswegen lobe ich mir auch das gute alte Buch, das meist zur Entschleunigung zwingt, maßvoll mit uns korrespondiert und das genaue Hinhören schult.

Foto: Gerschel | gemeinfrei

Seit Jahren steht in meiner Bibliothek ein merkwürdiges Buch des belgischen Schriftstellers Maurice Maeterlinck. Ich hatte mich beim Kauf damals über den Titel des Buches – er handelt von Termiten und Ameisen – gewundert, für das der große Schriftsteller 1911 sogar den Nobelpreis für Literatur erhielt. Dann wurde das Meisterwerk zunächst achtlos weggestellt. Neulich erst habe ich es wirklich gefunden, aufgeschlagen und war sofort in dieser anderen Art der Denk- und Sehschule gefangen.

Meisterhaft beschreibt der Dichter das Leben von Termiten, Bienen und Ameisen. Ihre Organisationsformen, die uns an unsere eigenen Bemühungen um die perfekte Ordnung erinnern, kommen ganz ohne politische Ideen aus. Die Wunder der Schöpfung, die sich uns hier klar zeigen, die Rätsel, die diese Millionen Jahre alten Tiere, jenseits des Tagesgeschehens, ansprechen, dürften in jeder Zeit Menschen in den Bann des Geschehens ziehen.

Maurice Maeterlinck fragt nach der unsichtbaren Hand, die diese Gemeinwesen in Ordnung hält. Er philosophiert über das Verhältnis der Teile zum Ganzen und sinnt nach der Bedeutung dieser Lebensformen. Der Autor leitet letztlich von diesen Beobachtungen die große Frage nach dem Sinn und der Bedeutung des Schicksals für uns ab.

Er erinnert so auch an den Umstand, dass nicht nur wir zu den Anderen, sondern auch zur ganzen Schöpfung in einem inneren Zusammenhang steht.

Natürlich ist dieses Buch ein Anstoß, entsprechende Stellen im Koran, die von Bienen und Ameisen handeln, aufzuschlagen. Schließlich führt die Spur auch zur Lebensgeschichte des Propheten Sulaiman, der vom Schöpfer erst die Macht erhielt, nachdem er sich für das Wissen entschied und der auf wundersame Weise mit den Sprachen der Tiere im Kontakt stand.

Weder ist Maurice Maeterlinck von den großen Fragen des Menschseins geflüchtet, noch tun wir es, wenn wir uns manchmal von dem Getöse dieser Zeit abwenden und – auf welche Weise auch immer – wieder nach dem eigentlichen Sinn unseres Seins fragen. Was wirklich geschieht, offenbart sich nur, wenn wir die Wendungen des Schicksals in uns und in anderen zu erkennen versuchen.

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