
01.09.2010
Antworten auf den zeitgenössischen Nihilismus aus dem muslimischen Denken. Von Abu Bakr Rieger
Die innere Wüste
(iz). Wenn man sich die Frage nach Europa, dem Islam und dem Nihilismus neu stellt, dann ist dies für europäische Muslime nichts anderes als die eigene Frage als Gestalt. Dies gilt natürlich besonders für Europäer, die zum Islam konvertiert sind und heute als europäische Muslime über ihre eigenen Erfahrungen an der denkwürdigen Linie, die den Nihilismus und den Islam trennt, reflektieren. Ich erinnere mich natürlich auch noch an meine persönliche Situation, die dazu führte, den Nihilismus als meine eigene geistige Haltung zu Gunsten des Islam aufzugeben.
12.03.2010
Hintergrund: Über deutsche Muslime. Von Abu Bakr Rieger
"Zwischen den Extremen"
(iz). Mein Sohn ist 14 Jahre alt, als Sohn muslimischer Eltern in Weimar geboren, geht auf das örtliche Gymnasium und spielt in seiner Fußballmanschaft im Mittelfeld. Angesichts der aktuellen Debatte um die Islamkonferenz frage ich mich manchmal: ist mein Junge dort wirklich vertreten? Die Antwort dürfte zumindest dann positiv ausfallen, wenn das Konzept der Konferenz nicht davon ausgeht, dass ein Muslim aus dem Ausland sein muss oder per se ein Integrationsproblem darstellt.
19.02.2010
Die Geldfrage entscheidet über unser Verständnis von Freiheit und Moral. Von Abu Bakr Rieger
Noch vor einigen Jahren wurde die Forderung nach Gold und Silber als Basis unserer Währungssysteme bestenfalls als "rückwärtsgewandte Romantik" abgestempelt. Das moderne Währungssystem und seine Tempelberge aus virtuellem Papiergeld wurden als Bedingung für den "Fortschritt" und eine neue Welt mit Wohlstand für alle verklärt. Kaum jemand fiel vor der Finanzkrise auf, dass wir freie BürgerInnen eigentlich alles wählen können, außer dem Geld, das wir täglich benutzen.
19.08.2009
Der marokkanische König steht zum islamischen Profil seines Landes
Zwischen Extremismus und Esoterik
(iz). Am 23. Juli 1999 stieg ein junger Mann von 35 Jahren auf den Thron und verlieh Marokko ein neues Gesicht. Über Jahrzehnte wurde das Bild Marokkos von dessen charismatischem Vater Hassan II. geprägt. Der berühmte Monarch hatte Marokko in schwierigen Zeiten die Unabhängigkeit des Landes beschert und das Land geschickt, aber auch hart vor einem möglichen Bürgerkrieg wie in Algerien bewahrt.
05.02.2009
Guantanamo - ein Symbol der Maßlosigkeit
Die Schließung des Lagers zeigt guten Willen. Der Praxistest ist aber weiterhin die Alltäglichkeit im Irak und in Afghanistan. Von Abu Bakr Rieger, Berlin
„Jetzt stellen wir die Sache mal auf die Füße: Die Amerikaner entließen Leute aus dem Lager, die sie für unschuldig erklärt haben - nachdem sie sie gefoltert haben. Und dann kommt ein deutscher Innenminister und erklärt: Diese Opfer sind bedrohlich, ich möchte nichts mit ihnen zu tun haben. Das ist obszön. Man muss es wieder und wieder sagen: Die sind unschuldig!“ (Roger Willemsen) (iz).
02.09.2008
Das Chaos in Afghanistan
Diverse ökonomische Machtgruppen und Gier beherrschen das Land. Von Abu Bakr Rieger, Berlin
Gerade Kriegszeiten eignen sich naturgemäß besonders gut zur verkürzten Darstellung. Dies gilt im Zeitalter der Medien gerade auch hinter den Feindeslinien. Aus der antiquierten Freund-Feind-Perspektive des Krieges ist der Feind naturgemäß, wenn auch auf Zeit, das schlichte Böse. Mann kann sagen, dass sich bei allen modernen Ideologien die Überzeugung durchgesetzt hat, dass eine gute und moderne Welt nur durch die Vernichtung des Feindes wirklich werden könne. Der so genannte Krieg gegen den Terror folgt dieser Logik mit dem Ziel der Vernichtung aller Terroristen.
20.03.2008
Üben für den Konfliktfall
Der Innennminister sorgt sich um die komplexe Struktur der Sicherheit. Von Abu Bakr Rieger
(iz). Der 11. September gilt in diesem Jahrhundert praktisch als der "Konfliktfall" schlechthin. Der asymmetrische Terror hat eine stürmische Debatte ausgelöst, wie weit der vom Terror bedrohte Rechtsstaat im Extremfall gehen kann und darf.
12.06.2007
G8 oder wer hat die Macht?
Gedanken von Abu Bakr Rieger über Macht und Politik in Zeiten der Globalisierung
(iz). Nur wenige Tage vor dem Gipfel der G8 in Heiligendamm verschärft sich die Debatte um die Möglichkeiten einer politischen Ausgestaltung der Globalisierung. Die Politik und die globalisierungskritische Bewegung scheinen sich dabei gleichermaßen vorzugaukeln, dass sich in Heiligendamm eine Art verschwörerische Weltregierung und ihre Gegner treffen. Die eigentlichen Fragen, die sich stellen, sind aber subtiler.
01.08.2006
Debatte: Terror, Terror?
Die Regierung sagt euch: "Dieses Stück hat soviel gegolten; nun, von jetzt an gilt es soviel...". Das ist vorgekommen, das kann wieder vorkommen. Da ist Farinet anständiger als die Regierungen, ihm zahlt man das, was an dem Geld dran ist, ihnen zahlt man, was draufsteht..." (Ramuz, Farinet oder das falsche Geld) (iz)In der Schweiz gibt es nicht nur die größten Banken der Welt, sondern mit Jean Ziegler auch einen harten Kritiker moderner Kosmokraten.
14.11.2005
Islam und moderne Politik
Die politischen Folgen des Terrorismus sind für die islamische Gemeinschaft, aber auch für Nicht-Muslime verheerend - Von Abu Bakr Rieger, Berlin
(iz)Keine Frage, der Massenmord des 11. September stellte eine Zeitenwende im politischen Diskurs dar. Nach dem Fall des Kommunismus konnte sich - zumindest aus westlicher Sicht - eigentlich nur noch die demokratische Kultur und ihr großer Bruder, der Kapitalismus, auf dem ganzen Planeten entfalten. Dem politischen Wettbewerb im Weltmaßstab waren seine Konkurrenten, der politischen Dialektik die Gegner ausgegangen. Die demokratische Kultur, per Definition alternativlos, ist nun in ihrer eigenen Totalität angekommen. Der Siegeszug der Demokratie schien also zu Beginn des 21.
02.09.2005
Was man in Bosnien lernen kann
Vortrag an der Islamischen Fakultät in Sarajevo
Meine verehrten Damen und Herren, ich freue mich sehr, heute hier sprechen zu dürfen, in dieser ehrwürdigen und geschichtsträchtigen Stadt. Ich erinnere mich noch, als ich als fünfzehnjähriger auf einer Urlaubsreise durch das damalige Jugoslawien zum ersten Mal mit meinem Vater eine Moschee betrat. Der freundliche Imam nahm mich damals auf das Minarett hinauf und rief zu meinem Erstaunen den Gebetsruf. Natürlich ahnte ich damals nicht, wie nahe mir der Islam und Bosnien kommen sollte, so wenig wie die Stadt damals ahnte, welche schwierige Zeit vor ihr liegen sollte.
06.04.2005
Potsdam: Islam und das aktuelle europäische Denken
Vortrag am 03.04.2005 in Potsdam gehalten
(iz)Die letzten Jahren sind von einer engagierten Debatte über oder besser gegen den Islam geprägt. Oft genug wird hierbei, bewusst und unbewusst, dass, was Muslime tun, vermischt mit dem, was der Islam ist und lehrt. De facto ist die zeitlose Essenz der Lehre des Islam aber nicht wirklich betroffen. Die Lehre und die klassischen Lehrer des Islam verkörpern einen zeitlosen Kern, über den es dem 96jährigen Mevlevi-Schaikh Sefin Can in einer türkischen Tageszeitung wunderbar zu reflektieren gelingt.
20.03.2005
Ausflug nach Globalia
Auf der Kölner LitColgne eröffnet Jean Christophe Rufin eine überfällige Debatte
Ein Handy im Saal klingelt mit Vogelmusik. Jean Christophe Rufin lächelt über diesen Auftakt in die Welt „Globalias“. Der 53jährige Rufin, Vorsitzender der „Aktion gegen den Hunger“ hat einen Roman über eine künftige Welt geschrieben. Es könnte eines Tages unsere sein. Während die LitCologne (eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung) ihn in Köln vor allem als Literaten und Schöngeist präsentieren will, ihn zum Lesen der, so Rufin, beschreibenden Passagen auffordert, will Rufin lieber über die politischen Thesen seines Buches sprechen.
20.02.2005
Der Kanzler und die Religion
Die islamische Welt verhilft dem Regierungschef zum ökonomischen Vorteil
So wahr mir Gott helfe - auf diese religiöse Formel warteten die Zuhörer im Bundestag bei der Vereidigung Schröders am 27. September 1998 vergeblich. Mit den Stimmen einer Mehrheit aus SPD und Bündnis ‘90/Die Grünen wird Gerhard Schröder am 27. Oktober 1998 im Bundestag zum 7. deutschen Bundeskanzler gewählt. Der neue Bundeskanzler hat eine distanzierte Haltung zur Religion und verzichtet an diesem Tag bewusst auf ein religiöses Zeugnis. Religion und Politik, so scheint es zunächst an diesem denkwürdigen Tag, werden in der Politik des deutschen Kanzlers dauerhaft getrennte Realitäten bleiben.
28.12.2004
Beitrag: Die Suche nach den guten Muslimen
Stiftungen, unabhängige Lehre und politische Interessenvertretung. Von Abu Bakr Rieger
Wer ist Ansprechpartner der über drei Millionen Muslime in Deutschland? An dieser Frage scheiden sich die Geister, und ihre Beantwortung wird zunehmend selbst zur Glaubensfrage. Die Berliner Politik ist sich bis heute nicht ganz so sicher über die Millionen Muslime im Lande. Wer sind die Bösen, wer die Guten? Einigermaßen beruhigt nimmt man allerdings in Fachkreisen zur Kenntnis, dass praktisch keine der anerkannten, größeren muslimischen Organisation in Deutschland den Terror unterstützt oder gar beheimatet.
02.11.2004
Welche Paralellgesellschaft?
Über den Mythos neuer Parallelgesellschaften in Europa
„Ein trüber Wintertag auf dem Wochenmarkt am Wilhelmsburger Bahnhof. Menschen drängen um die Marktstände. Heute gibt es Polyesterpullover für drei Euro, Steppjacken für zehn und eine große Auswahl an Winterstiefeln für 15 Euro das Paar. In Wilhelmsburg ist das ganze Jahr Schnäppchenzeit. In einem Stadtteil, wo es wenig Arbeit und viele Ausländer gibt, rechnen die Menschen mit jedem Cent. Es ist Mittag. Im Schatten zehnstöckiger Hochhäuser warten Gruppen von Schüler auf den Bus. Auch sie sind überwiegend ausländischer Herkunft.
25.06.2004
Beitrag: Unsere Moscheen in Europa
Warum die innerislamische Debatte neue Impulse braucht - Von Abu Bakr Rieger, Berlin
(iz)Spricht man heute über die Organisation des Islam in Deutschland, dann spricht man zumeist über die alten, leicht antiquierten politischen Interessenvertretungen und Verbände der Muslime, oder aber über die neue „Community“. Politische Interessenvertretungen wollen zumeist die islamischen Gemeinden repräsentieren, die Community wiederum steht für die lose und ungebundene virtuelle Vernetzung von Muslimen. Beide Organisationsformen stehen heute der Krise der muslimischen Gemeinschaft vor Ort gegenüber, der es zunehmend schwer fällt, authentisches muslimisches Gemeindeleben zu stiften.
30.04.2004
Essay: Der Weltstaat und seine Lager
Das moderne Phänomen der Vernichtung und die Sorge der Muslime
Anlässlich des Todes des ehemaligen bosnischen Präsidenten Izetbegovic erinnert man sich wieder einmal an die unterschiedlichen Erfahrungshorizonte, in denen Muslime und Nicht-Muslime heute in Europa leben. Für die europäischen Muslime gehört der Bosnienkrieg zweifellos zu den traumatischen Erfahrungen der neueren europäischen Geschichte. Weitere Tragödien, an denen Muslime beteiligt sind - sei es Tschetschenien, Ostturkestan oder Palästina - haben die Skepsis der Muslime an der praktischen Relevanz der Menschenrechtsphilosophie des Westens eher verstärkt.
11.03.2004
Granada: Die rechtliche Situation der Muslime in Europa
Überblick über die Probleme und Herausforderungen islamischer Anwesenheit in Europa
Die Ausgangslage: Zweifellos gibt es in ganz Europa einen dramatischen Stimmungswandel gegenüber der Präsenz von 16 Millionen Muslimen. Nicht ganz ohne Grund stellt sich daher die Frage, ob das künftige Europa in letzter Konsequenz zu einem laizistischen System mutieren könnte. Gerade das generelle politische Klima in Europa ist für die künftige rechtliche Situation von Muslimen sehr bedeutsam. Ohne ein positives Klima gegenüber dem Islam und den Muslimen drohen innenpolitische Konflikte und die Benachteiligung einer der größten Minderheiten Europas. Die Gefahren liegen dabei auf der Hand.
12.07.2003
Vortrag: Islam und Andalusien
Vortrag am 26. Juni 2003 in der Böll Stiftung Berlin
Ich freue mich sehr über die Einladung hier über die möglichen Vorbilder des Islam in Europa sprechen zu dürfen, gerade auch als europäischer Muslim. Hin und wieder führt der Umstand, dass man ein originärer, europäischer und praktizierender Muslim ist ja sogar eher zum Ausschluss aus der Debatte. So kommt es gelegentlich schon einmal vor, dass man als europäischer Muslim ausgeladen wird, da man ganz offen lieber „ausländische“ Muslime in die Debatte einführt. Gelegentlich beginnt eine solche Ausladung mit dem überraschten Ausspruch des Organisators „ach, Sie sind Deutscher?“.
11.05.2003
Das störende Recht
Wie das Recht bei der Verfolgung von Zielen heute im Weg stehen kann.
„Eine ungewöhnliche Zeit erfordert ungewöhnliche Maßnahmen“ so oder so ähnlich wird in der heutigen Zeit Maßnahmen außerhalb des Rechts zur Bekämpfung des globalen Terrorismus begründet. Nach den furchtbaren Attentaten in New York schien der Afghanistanfeldzug den alten Gesetzen der „Rache“ zu gehorchen – weniger aber den Grundsätzen des internationalen Völkerrechts. Es klingt wie Hohn, wenn heute Usama bin Ladin angeblich wieder über den Rundfunk spricht. Immerhin hat seine strafrechtliche Verfolgung tausende Unschuldige das Leben , vermutlich auch hunderten Afghanen die Freiheit gekostet.
28.08.2002
Islamismus - dem Untergang geweiht?
Über das allgemeine Scheitern politischer Ideologien - Von Abu Bakr Rieger, Potsdam
(iz)Niemals zuvor in der neueren Zeit ist der Islam in der Weltöffentlichkeit und der Wissenschaft so breit und intensiv ein Thema geworden wie nach den schrecklichen Attentaten am 11. September 2001 in New York und Washington. Einschätzungen und Bewertungen sind dabei äußerst unterschiedlich. Vieles ist richtig, ist es aber wahr? Schnell hat sich auch eine durchweg fragwürdige Terminologie um den Islam etabliert. Dies zeigt sich schon mit der bezeichnenden Anrede als „Moslems“ (Schimpfwort aus der guten alten Zeit der Kolonialherren) oder der wenig durchsichtigen Logik des „lslamismus“.
25.05.2002
"Kein Zwang im Kapitalismus?" - Über eine inhaltliche Debatte mit dem Islam
Nach der Stigmatisierung der deutschen Linken hat die Nation ein neues Feindbild: den Islam. Der Terrorist Bin Ladin hat als geistiger Urheber der Attentate in den USA Millionen von Muslimen aus ihrem zumeist einfachen Erwerbsleben aufgeschreckt. Wenngleich die absolute Mehrheit der Muslime sich schnell mit Abscheu von dem Treiben des saudischen Millionärs distanziert hat, sind die Muslime dennoch schnell unter Generalverdacht geraten. Ein Verdacht, dem einige Muslime mit nicht nachvollziehbaren Verschwörungstheorien über die Hintergründe des Attentats in New York leider noch Antrieb gaben.
04.11.2001
Nationaler Gottesstaat?
Politikverdrossenheit aus der Sicht europäischer Muslime
Es ist heute ein weit verbreitetes Voruteil, dass die Intelligenz der muslimischen Welt ihre Vision künftiger politischer Ordnung im Modell eines antiquierten Gottestaates sieht. Afghanistan und das orthodoxe Talibanregime mögen den Eindruck noch verstärkt haben, die Mehrheit der Muslime pflege etwa eine derartige weltfremde und rückwärtsgewandte Romantik. In Zeiten der archaischen Kriegsführung eines Usama bin Ladin ist es nicht einfach, den Standpunkt der Muslime im Westen differenzierter und positiver darzustellen.
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