
28.08.2010
"Gegen den Islam" - einer neuer Typus des Populisten
"Skandalös sind aber weniger seine Thesen. Viel skandalöser ist die Aufnahme, die sie erfahren. Wieso muss so ein Machwerk über Spiegel und Bild verbreitet und in Talk-Shows wie Beckmann oder "Hart aber fair" popularisiert werden? Wieso erfährt ein derart krauser Kopf die Ehre, auf zwei Zeit-Seiten interviewt zu werden?" ( Robert Misk; taz online) Zu den wenigen Gewissheiten des politischen Europas dieser Tage hat die Finanzkrise verholfen; das quasi-religiöse System ewigen, immer währenden Wachstums steht vor seinem Ende und Europa vor einem finanzpolitischen Scherbenhaufen.
18.08.2010
Kelantan-Debatte
Es erinnert ein bisschen an die alten Asterix Hefte... ganz Gallien ist besetzt, aber ein kleines Dorf leistet noch Widerstand. So oder so ähnlich fühlt es sich wohl im Moment für das kleine malaysische Bundesland Kelantan an. Die Ankündigung, Dinar und Dirham als neue Barter-Währung des Landes einzuführen, hat jedenfalls für weltweites Aufsehen gesorgt. Während Europa noch einigermaßen gelähmt nach einem Ausweg aus dem irrationalen Finanzdilemma dieser Tage sucht, handelt das kleine Bundesland bereits.
08.08.2010
Schlechtes Geld
„Ich traue überhaupt keiner Papierwährung“ - so lautet das trockene Urteil eines Investmentprofis, der gleichzeitig kein Lobbyist der Finanzindustrie ist. "Die nächste Krise kommt", da ist sich Marc Faber im Interview mit dem Handelsblatt sicher und verweist auf die absehbare Rolle der Notenbanken.
01.08.2010
Rheingold
Seit Jahren beteiligt sich die Islamische Zeitung schon an der Debatte um mögliche Währungsalternativen und eine andere, alternative Ökonomie. Zunächst wurden diese Thesen belächelt, heute aber sind diese Themen längst im Mainstream angekommen. Die IZ beteiligt sich natürlich aktiv im Dialog mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen über die Lehren aus der aktuellen Finanzkrise. Aus Sicht der IZ sind regionale Alternativwährungen im Zusammenspiel mit Gold und Silber die notwendigen neuen Lösungsansätze.
08.07.2010
Islam und Nihilismus
Wenn man sich die Frage nach Europa, dem Islam und dem Nihilismus neu stellt, dann ist dies für uns nichts anderes als die eigene Frage als Gestalt. Wir sprechen hier heute als europäische Muslime über unsere eigenen Erfahrungen an der denkwürdigen Linie, die den Nihilismus und den Islam trennt. Das Thema dieses kurzen Vortrags ist die Berührung des Islam mit dem Nihilismus. Ich hoffe wir sehen, warum man sagen kann, dass der Islam eine Einladung ist - ohne die Verneinung des Denkens und des Intellekts - aus der Zone des Nihilismus herauszutreten.
05.07.2010
Nachfragemacht
"O die ihr glaubt, zehrt nicht euren Besitz untereinander auf nichtige Weise auf, es sei denn, daß es sich um einen Handel in gegenseitigem Einvernehmen handelt. Und tötet euch nicht selbst (gegenseitig). Allah ist gewiß Barmherzig gegen euch." (4:29) Es ist in dieser Zeit spannend zu beobachten, dass die islamischen Grundsätze in der Ökonomie immer mehr öffentliche Beachtung finden. Leider gibt es nicht sehr viele muslimische Gelehrte in Deutschland, die über diese relevanten Bedeutungszusammenhänge sprechen könnten.
22.06.2010
Goldene Zeiten?
Kommen wieder goldene Zeiten? Zweifellos versuchen immer mehr Bürger beinahe instinktiv, ihren Wohlstand mit echten Werten abzusichern. Aber auch ganze Staaten denken wieder an Goldbestände, vor allem dann, wenn sie in der glücklichen Lage sind, keine Staatsverschuldung zu kennen. Saudi-Arabien hat zum Beispiel mehr als doppelt so viel Gold gebunkert als gedacht. Das zeigen Daten der Industrievereinigung World Gold Council. Demnach hat die saudi-arabische Zentralbank Sama Goldreserven von 322,9 Tonnen - mehr als zwei Mal so viel wie die bisher offengelegten 143 Tonnen.
14.06.2010
Denkblockade
"The operational phase of the mission began on 30 November 2005. The Rafah Crossing Point was last opened with the presence of EUBAM monitors on 9 June 2007. A total of nearly 450 000 passengers used the crossing before that date, with an average of about 1 500 people a day. Since then, the mission has remained on standby, awaiting a political solution and ready to re-engage at very short notice." (Offizielle EU-Webseite: eubam-rafah.
08.06.2010
Der freie Imam und seine Gemeinschaft
Ich glaube, es ist nur eine kleine Sensation: natürlich gibt es viele muslimische Jugendliche in Deutschland, die nur unzulänglich wissen, was der Islam überhaupt ist, ihn nur halbherzig praktizieren, kulturelle Gepflogenheiten mit islamischen Gesetzlichkeiten verwechseln, sich schlicht schlecht benehmen und wohl auch von einer verzweifelten Identitätssuche getrieben sind.
24.05.2010
TINA
"Wir werden von TINA regiert, nicht von Angela" kommentierte neulich der politische Kopf der Sueddeutschen Zeitung, Heribert Prantl, treffend. Das Kürzel "There Is No Alternative" ist tatsächlich zu dem wichtigsten Rechtfertigungsgrund für hektisches Regierungshandeln geworden. Ein Ende ist nicht absehbar, handelt es sich doch bei der Griechendlandkrise noch nicht um das absehbare Großfeuer, sondern eher noch um ein kleines Feuerchen. Immerhin war die Griechenlandkrise groß genug, eine Grundsatzdebatte auszulösen.
16.05.2010
Gute Wahl
Da man ja grundsätzlich positiv denken soll, muss man vermelden, dass jene Entscheidung, die zwei Verbände "Zentralrat der Marrokaner" und "Islamische Gemeinschaft der Bosniaken" neu zur Islamkonferenz einzuladen, tatsächlich eine positive Horizonterweiterung des Gremiums darstellen könnte. Es geht dabei nicht um die genannten Verbände selbst, sondern um zwei wichtige inhaltliche Aspekte: Die Beschäftigung mit der marrokkanischen Lehre könnte einen Mittelweg andeuten, der den Islam nicht seiner Fundamente beraubt (Gemeinschaft, Zakat usw.
13.05.2010
Integration und Markierung
Die Islamkonferenz als Mittel der Integration wird zu Beginn der 2. Runde des Spektakels am Montag wohl wieder in aller Munde sein. Um den Vorgang in seiner politischen Dimension zu verstehen, muss man sich - im Angesicht einer gewaltigen und gewalttätigen Finanzkrise - kurz die weiteren Rahmenbedingungen dieser Konferenz vergegenwärtigen. Wir erleben in diesen Tagen ja endlich eine Debatte über den eigentlichen globalen Integrationsvorgang der letzten Jahre: die Integrationskraft der Finanztechnik.
08.05.2010
Zusammenhang
"Die Philharmoniker-Münzen gehören neben Krügerrand (Gold) und Maple Leaf mittlerweile zu den gefragtesten Anlagemünzen. Und schon 2008 arbeiten die Maschinen der Münze Österreich auf Hochtouren. „Ende 2008 war die Münze Österreich die einzige Prägestätte, die noch Bestellungen entgegen nahm. Wir führten einen 3-Schichtbetrieb, um die Produktion zu maximieren“ (goldseiten.de) Das Erstaunliche an politischen Charakteren ist ihre immanente "Wandlungsfähigkeit".
29.04.2010
Verfassungskrise?
"Die Politik muss ihr Primat über die Finanzmärkte zurückgewinnen. Sie hat den Interessen der Finanzmarktakteure zu viel Raum ohne Regeln überlassen. Das war ein Grund dafür, dass die Finanzkrise überhaupt entstehen konnte. Und es hat dazu geführt, dass der Staat in der Finanzkrise erpressbar war - und es bis heute ist." (Horst Köhler, Bundespräsident) Die aktuelle Finanzkrise lehrt uns neben den Aufregungen des Tagesgeschäftes das fundamentale Problem moderner Verfassungen: Es geht um das Verhältnis von Politik und Ökonomie. Es geht um das Verhältnis von Macht und Geld.
20.04.2010
Ein flüchtendes Kamel
"Wer nicht für uns ist, ist gegen uns" - dieses Credo erscheint neuerdings in vielen Facetten. Bei Anne Wills Klatschrunde über den umstrittenen Afghanistaneinsatz am letzten Sonntag lernte man eine aktuelle Variante kennen: Wer nicht für die bedingungslose Fortsetzung des Afghanistaneinsatzes ist, ist gegen die deutschen Soldaten! Noch schlimmer: weil man dann ja die gleiche Meinung hat wie Gysi, ist man dann per Assoziationsschluß entweder "Kommunist" oder, wie es die Grünen-Strategin Müller in der Sendung Roger Willemsen vorwarf, "ein verkappter Talibanförderer".
12.04.2010
Doppeldeutigkeit
"Kierkegaard lebte genau in der Zeit, die Habermas so preist: Cafés und Zeitungen waren in ganz Europa auf dem Vormarsch, eine neue demokratische Öffentlichkeit bildete sich heraus. Kierkegaard aber machte es zunehmend Sorgen, dass immer mehr Meinungen im Umlauf waren, dass es allzu leicht war, Menschen für beliebige Anliegen zusammen zu trommeln, dass niemand sich irgendeiner Sache tief verpflichtet fühlte." ( aus "Das Unbehagen an der digitalen Macht" Faz.
03.04.2010
"Ein Helmut kommt, ein Helmut geht"
"Ein Helmut kommt, ein Helmut geht", so kommentierte Ernst Jünger in seinen Tagebüchern lakonisch den Eintritt Helmut Kohls ins Kanzleramt. Zweifellos kann man an der ungewöhnlichen Karriere des Pfälzer Machtmenschen das Wesen des Politischen selbst studieren. Kohl, über Jahrzehnte unterschätzt und das große Feindbild der Linken der 80er Jahre, organisierte zielstrebig seinen Aufstieg, organisierte Netzwerke und schaltete Gegner aus.
27.03.2010
"Sprung in den Papierkorb"
Einer der Mächtigen aus dem Medienfeld hat einmal gesagt, dass Medien nicht Nachrichten erfinden, wohl aber Tatsachen verstärken könnten. Medienmacht zeigt sich sicher auch darin passende "Helden" zu schaffen, oder eben ganze Debatten zu lenken, zu verstärken oder - ganz wichtig - auch zu beenden. Gute zu beobachten war dies bei der Berichterstattung über die Islamkonferenz.
21.03.2010
Spektakel um die Islamkonferenz
Islam ist längst ein Politikum in Deutschland. Das lernt man spätestens bei der Berichterstattung über die Islamkonferenz und die Debatte über den "politischen" Islam. Schaut man sich bei google.de die "published opinion" einmal näher an, dann fällt auf, dass es dutzende Artikel gibt, dass aber eine inhaltliche Auseinandersetzung über die Argumente, die sich mit der Teilnahme an der Konferenz selbst beschäftigen, in den Medien nicht (mehr) vorkommt.
17.03.2010
Lachen oder weinen?
"Das ist kein Dialog mehr, sondern ein Diktat" (Navid Kermani auf FR-Online über die Islamkonferenz) "Im Augenblick erleben wir doch eine Schwarz-Weiß-Malerei: Auf der einen Seite die Lichtgestalten der Aufklärung, auf der anderen die dunklen Kräfte der Religion. Das ist in der Islamkonferenz der Fall. Und natürlich in den Medien. Dort gibt es richtige Hetzer, die zum Teil noch nie eine Moschee von innen gesehen haben. Hier geht es um den sozialen Frieden, auch wenn das ein spießiges Wort ist." (Feridun Zaimoglu auf taz.
11.03.2010
Deutsche Muslime
Mein Sohn ist 14 Jahre alt, als Sohn muslimischer Eltern in Weimar geboren, geht auf das örtliche Gymnasium und spielt in seiner Fußballmanschaft im Mittelfeld. Angesichts der aktuellen Debatte um die Islamkonferenz frage ich mich manchmal: ist mein Junge dort wirklich vertreten? Die Antwort dürfte zumindest dann positiv ausfallen, wenn das Konzept der Konferenz nicht davon ausgeht, dass ein Muslim aus dem Ausland sein muss oder per se ein Integrationsproblem darstellt.
06.03.2010
'Umra
Und (gedenkt,) als Ibrāhīm die Grundmauern des Hauses errichtete, zusammen mit Ismāʿīl, (da beteten sie): „Unser Herr, nimm (es) von uns an. Du bist ja der Allhörende und Allwissende. (2:127) Eine 'Umra, eine Reise nach Mekka und Medina, ist immer wieder ein Ereignis. Hier am "Haus Allahs", im harmonischen Zusammensein mit tausenden anderen Muslimen, versteht man wohl die Gesetzlichkeiten der Schöpfung und die "condition humaine" am Besten.
25.02.2010
Traditionen des Ibn Ashir
"Der Fortschritt ist ein Standpunkt und sieht wie eine Bewegung aus" (Karl Kraus) Das Faszinierende am Islam ist eigentlich, dass diese Lebenspraxis den Intellekt nicht nur nicht ablehnt, sondern bestätigt und inspiriert. Das islamische Denken folgt dabei nicht nur berechenbaren Denkregeln, sondern das islamische Recht schützt auch den Islam vor der Eroberung durch politische Minderheiten oder maßlose Extremisten.
19.02.2010
"Experiment Papiergeld?"
Noch vor einigen Jahren wurde die Forderung nach Gold und Silber als Basis unserer Währungssysteme bestenfalls als "rückwärtsgewandte Romantik" abgestempelt. Das moderne Währungssystem und seine Tempelberge aus virtuellem Papiergeld wurden als Bedingung für den "Fortschritt" und eine neue Welt mit Wohlstand für alle verklärt. Kaum jemand fiel vor der Finanzkrise auf, dass wir freie BürgerInnen eigentlich alles wählen können, außer dem Geld, das wir täglich benutzen.
14.02.2010
Systematik?
Gibt es in Deutschland eine "Systematik" gegen den Islam? Natürlich ist die Bundesrepublik ein Rechtsstaat, mit einem funktionierenden Minderheitenschutz, mit einer freien Presse und mit allen Möglichkeiten der freien Meinungsbildung. Um den realen Zustand einer Gesellschaft zu verstehen, muss man sich allerdings immer wieder in den erklärten Randbezirken der Gesellschaften umsehen und die Lage von Minderheiten konkret ins Visier nehmen.
04.02.2010
Organisationshoheit
Die Debatte um die "Muslime in Deutschland" ist - wie Daniel Bax in der taz heute zu Recht feststellt - vor allem eine Debatte um die Deutungshoheit. Bestimmen zu können, was der Islam überhaupt oder ein "Islamist" im Speziellen sei oder sogar zu behaupten, dass jeder Muslim es sei, ist natürlich Ausdruck einer starken gesellschaftlichen Machtposition.
29.01.2010
"Mieten, nicht kaufen"
Peter Strucks Satz, "unsere Sicherheit werde am Hindukusch verteidigt", stellt die Realität auf den Kopf. Unsere Sicherheit wird durch den Afghanistankrieg gefährdet. Alle Politiker wissen das. Wer Aufständische mit Bomben bekämpft, tötet immer auch Unschuldige. Mit jedem unschuldig Getöteten wächst der Terror nicht nur in Afghanistan, sondern weltweit. In Deutschland muss der Innenminister Terroristen jagen, die der deutsche Verteidigungsminister durch das Töten afghanischer Zivilisten züchtet. Wir betreiben in Afghanistan ein Terrorzuchtprogramm. 
23.01.2010
Islamdebatten
"Die unglaubliche Schlichtheit dieses Erklärungsmusters muss man den Religionskriegern immer wieder vor Augen halten. Zudem darf man nicht die Relationen unterschlagen, wenn über die Straftaten von Migranten berichtet wird. Ein Beispiel: Die Zahl aller hierzulande bekannten Ehrenmörder mit (noch so diffusem) islamischem Hintergrund macht weniger als 0,01 Prozent der hier lebenden Namensmuslime aus. Dies systematisch zu verschweigen, heißt verleumden." (Till R. Stoldt, Die WELT) Intellektuelle Schärfe lebt vom und wird geprüft im Streit.
15.01.2010
Jean Ziegler und das Beben des Südens
"In der südlichen Hemisphäre vernichten Epedemien, Hunger, verschmutztes Wasser und durch Elend ausgelöste Bürgerkriege jedes Jahr fast ebenso soviele Menschen wie der zweite Weltkrieg in sechs Jahren". (Jean Ziegler, "Der Hass auf den Westen") Haiti. Die furchtbare Lage nach den jüngsten Erdbeben, ist heute das große Thema der globalen Medienkarawane. Das politische Chaos der ehemaligen französischen Kolonie hatte - vor dem Ereignis dieser Tage - nur wenige Insider berührt.
08.01.2010
Verteidigung des Sufismus?
Über viele Jahre war es zwischen Muslimen nicht einfach, Fragen wie "Was ist Sufismus?" zu stellen. Die Debatte war oft geprägt von dumpfen Vorurteilen gegen den Sufismus, der von manchen destruktiven Gegnern sogar als "Abspaltung" denunziert wurde. Heute ist es fast ein wenig paradox, noch immer den "Sufismus" als einen etwaigen Irrweg verteidigen zu müssen, da ja heute gerade die Sufis öffentlich über die Zakat und die fünf Säulen, also den Islam selbst, sprechen und für ihn eintreten.
04.01.2010
Weltsozialamt
Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) hat das Festhalten an dem Ministerium als eigenständigem Ressort verteidigt, zugleich aber Änderungen der Aufgabenstellung angekündigt. Im Koalitionsvertrag sei vereinbart, «dass in Zukunft die deutsche Entwicklungszusammenarbeit ein integraler Bestandteil der deutschen Außenpolitik ist, nicht in deren Auftrag, aber eingebettet in diese Politik agiert», sagte Niebel am Montag in Deutschlandfunk. Zudem solle «mit möglichst hoher Effizienz zielgenau das Geld der deutschen Steuerzahler für Entwicklungszusammenarbeit auch eingesetzt werden».
04.01.2010
Albert Camus
"Die Werke eines Menschen widerspiegeln oft die Geschichte seiner Sehnsüchte oder seiner Versuchungen, doch fast nie seine eigene Geschichte»" (Albert Camus) Schriftsteller und ihre großen Werke lassen sich oft eigenen Lebensabschnitten zuordnen. Im Jahr 1989, kurz bevor ich Muslim wurde, gehörte der Franzose Albert Camus zu der kleinen Schar Heroen, die man damals mit einiger Überzeugung las. Der Trost, der sich aus dem Werk ziehen ließ, fiel allerdings eher bescheiden aus.
28.12.2009
Bomber
"Konservative Thinktanks reden von noch 30 Jahren, die dieser diffuse Krieg andauern soll. Kritiker sehen nicht nur eine Parallele zum „ewigen Krieg“ in George Orwells legendärem „1984“." (Daniel Breuss, Die Presse) Es ist ein Elend mit den Radikalen. Sie entwickeln sich groteskerweise zu einer willkommenen und zuverlässigen Hilfstruppe für allerlei imperiale Bestrebungen.
22.12.2009
"Entmachtung"
"Wissen Sie, warum sich nichts geändert hat? Es ist sehr viel billiges Geld dort draußen. Die Investoren können dadurch höhere Risiken eingehen. Wir finanzieren gerade die nächste Finanzblase", beschreibt Realwirtschaftler und Allianz-Chef Michael Dieckmann den "ökonomischen Ausnahmezustand" in der Süddeutschen Zeitung. Scheitert Sie also, die "Entmachtung des Investmentbanking"? Ein aktueller Kommentar von Wolfgang Kaden auf "SPIEGEL online" macht hier wenig Hoffnung.
16.12.2009
"Vernichten"
„Die Waffen sind das Wesen des Kämpfers selbst“ (Hegel) Der neue Verteidigungsminister zu Guttenberg wirkt wie im Vergleich zu seinem Amtsvorgänger Jung, der eher mit dem spröden Charme des Befehlsempfängers und Politsoldaten ausgestattet war, naturgemäß wie ein anderes "Kaliber". Zu Guttenberg hat die Aura des Erfolgs und der guten Herkunft um sich, wirkt jung und unverbraucht und beherrscht zudem angenehmerweise die Kunst der freien Rede.
12.12.2009
Geht es um den Islam?
"Nur ein Fünftel der Bevölkerung ohne Sorge vor Islam-Ausbreitung" - solche bedenklichen Meldungen sind im Grunde ein beachtlicher Propagandaerfolg der Islamgegner. Ein Sieg der politischen Bildung sind diese trüben Einsichten jedenfalls nicht. Das herrschende Erkenntnisverfahren in Sachen Muslime ist nicht nur absolut subjektiv, geschweige denn wissenschaftlich fundiert, es wird auch von einer groben Assoziationslogik bestimmt. Inzwischen weiß ein großer Teil der Bevölkerung tatsächlich nicht mehr, was der Islam ist und verknüpft auch bizarre Einzelfälle mit den Gesetzen des Islam.
08.12.2009
Regionalisierung
Am Sonntag bin ich mir doch wieder untreu geworden und habe "Anne Will" angeschaut. Die Ausnahme war gerechtfertigt wegen der Sympathie, die ich für das "Afghanistan"-Engagement von Roger Willemsen und Karim Popal hege. Der Bremer Rechtsanwalt Karim Popal hat sich nicht nur mit deutscher Gründlichkeit der Sichtung der Opfer der Bomben von Kundus angenommen, sondern auch gleichzeitig engagiert sichergestellt, dass nicht jeder, der einen Bart trägt, am Hindukusch ein "Taliban" ist und damit, aus westlicher Logik, als politischer "Unwert" zerstört werden kann.
03.12.2009
Hart aber fair
Die Bodenlosigkeit des Geredes versperrt ihm nicht den Eingang in die Öffentlichkeit, sondern begünstigt ihn. Das Gerede ist die Möglichkeit, alles zu verstehen ohne vorgängige Zueignung der Sache." (Martin Heidegger) Es fällt zunehmend schwer, "Talkshows" in der Form politischer Unterhaltungssendungen ernsthaft zu folgen. Das Spektakel, unter dem maßgebenden Einfluss der Einschaltquote verfasst, soll alleine möglichst schnell, möglichst viele ZuschauerInnen "dafür oder dagegen" mobilisieren.
01.12.2009
Interview zum Minarettverbot
Frage: Warum geht es bei dem Verbot der Minarette in der Schweiz? Abu Bakr Rieger: Ab sofort ist bei dem Neubau von Moscheen der Bau von Minaretten verboten. Die Schweiz hat praktisch per Volksabstimmung über die Religionsfreiheit entscheiden lassen. Das ist natürlich ein Skandal. Die Mehrheit wurde einfach befragt, wie die Minderheit ihre Religion auszuüben hat. De facto hat die Schweiz damit ein europäisches "Ausnahmerecht" im Umgang mit Minderheiten etabliert. Inzwischen wird die Schweiz von der UN und der OSCE auf den Bruch des Rechtes hingewiesen.
26.11.2009
Die Anwälte
"Was diese drei Männer damals verbindet, ist der Kampf für ihre Vorstellungen von einer »linken Gerechtigkeit« und dass sie das Risiko eingehen, sich öffentlich mit Menschen zu solidarisieren, die als Staatsfeinde gelten." (Ankündigung "Die Anwälte") Drei alte Männer, drei Biographien, drei Schicksale - der Dokumentarfilm "die Anwälte" führt in die Lebensläufe und politischen Laufbahnen dreier berühmter Rechtsanwälte ein. Anwälte, die zeitlebens wissen, dass Rechtsausübung nicht nur eine Technik ist, sondern auch philosophisch begründet werden muss.
18.11.2009
Gerechtes Handeln
Das Thema Finanzkrise löst beinahe inflationär und jeden Tag bedenkenswerte Anstöße über das menschliche Schicksal und unsere Situation aus. "Ja, wir alle sind es, die diese Blase mit produzieren - als Teile einer Gesellschaft, die keine Phasen des Innehaltens und der Neuorientierung mehr zulässt. Die ohne ständig steigendes Sozialprodukt aus den Fugen gerät. Einer Gesellschaft, in der das Wort 'Wachstum' zur meist gebrauchten Metapher in den Reden der Politiker und Manager aufgestiegen, zu einer Art Religionsersatz geworden ist. 
13.11.2009
Kriegsähnliche Zustände
"Die Sankt-Nimmerleins-Haltung ist politisch nicht mehr tragbar. Das Wort 'Exit-Strategie' nehmen wir nicht mehr nur verschüchtert in den Mund, wie noch vor ein, zwei Jahren" (Verteidigungsminister zu Guttenberg, im "stern") Vor der Wende war die Welt der Militärs noch in Ordnung. Als ich in meiner Bundeswehrzeit in den 80er Jahren an frostigen Manövern auf der schwäbischen Alb teilnahm, hatten die "feindlichen Fahrzeuge" immer rote Kreuze, die auch stets aus der Himmelsrichtung Osten anrollten. Die Welt des Bösen war der Kommunismus auf der anderen Seite.
04.11.2009
Entscheidungen
Das Bundesverfassungsgericht hat sich mehrfach mit dem Spannungsverhältnis zwischen staatlicher Überwachung und Grundrechtsschutz beschäftigt. Entscheidungen der vergangenen Jahre: 11. März 2008: Eine automatisierte Massenkontrolle von Autokennzeichen per Videokamera ist nur mit klaren gesetzlichen Grenzen rechtmäßig. Entsprechende Polizeibefugnisse in Hessen und Schleswig-Holstein erklären die Karlsruher Richter für verfassungswidrig. 27. Februar 2008: Für Online-Durchsuchungen setzt Karlsruhe hohe Hürden.
31.10.2009
Finanz Macht
"Ich wollte ein Experiment starten, das Eigendynamik entwickelt" (Michael Sailstorfer, Künstler) "Die internationale Geldordnung ist heute bei weitem prekärer, als es 1929 der Fall war. Damals war Gold internationales Geld, unbestechlich, nicht zu managen und unveränderbar. Heute dient der US-Dollar als internationales Tauschmedium, gemanaged von Politikern in Washington und den Offiziellen der US-Notenbank Fed, täglich manipuliert und politischen Zielen und politischem Ehrgeiz dienend. Alleine dieser Unterschied sollte bei den Beobachtern die Alarmglocken schlagen lassen. 
26.10.2009
Glaube und Internet
Es ist ein Massenphänomen und es ist jung: das Internet. Viele sind fasziniert von der Möglichkeit, sich eine eigene Welt per Mausklick zusammenzustellen. Besonders attraktiv ist das Netz für die Jugend. Junge Menschen in Deutschland trauen den Nachrichten aus dem Internet deutlich mehr als ältere Bürger. Das zeigt eine repräsentative Umfrage, welche die TNS Emnid Medienforschung in Bielefeld veröffentlichte. Bei den 14 bis 29 Jahre alten Menschen ist überhaupt nur noch ein Drittel skeptisch gegenüber der Logik des Netzes.
21.10.2009
Danken
Als ich heute mein Hotel in Kapstadt verlassen und bezahlen will, überrascht mich die frohe Kunde, dass ein Freund die Rechnung bereits bezahlt hat. Diese Erleichterung ist willkommen. Beschwingt kehre ich in mein Zimmer zurück, um meinen Koffer zu packen, als es plötzlich an der Tür klopft. Housekeeping! Eine freundliche ältere Dame, die mir bereits zuvor auffiel, will wie gewohnt und zuverlässig mein Zimmer aufräumen. Als sie realisiert, dass ich das Hotel verlassen will, zieht sie sich schnell zurück, entschuldigt sich für die Störung, schließt leise die Tür.
04.10.2009
Muizenberg
Ein besonderer Ort, Allahs Schöpfung zu bewundern, ist zweifellos Kapstadt. In der Region um den Tafelberg, eingebettet zwischen den Küsten des Atlantiks und des Indischen Ozeans leben über eine Million Muslime. Der zauberhafte südafrikanische Frühling erlaubt mir die Beobachtung einer eher ungewöhnlichen Kombination: surfende Muslime. In allen denkbaren Altersstufen versucht man sich hier an der Kunst, die richtige Welle zu erwischen.
24.09.2009
Moskau
Grußwort bei der Konferenz "Russland und die islamische Welt" in Moskau - anläßlich des 50. Geburtstag des russischen Mufti Ravil Gaynutin: Ladies and Gentlemen, It is a great honour to have been invited to participate in this event, as a European Muslim, in this wonderful city. And it is not only an honour, it is also a tremendous intellectual challenge to be part of defining the positive role of Islam and the European Muslims on the Eurasian continent. I believe that all of us, whether Muslim or not, are grateful that the age of Europe’s division is over.
21.09.2009
CDU-Welt
Es ist beinahe etwas seltsam, am Schreibtisch mit der guten alten Tasse Kaffee zu sitzen. Ein ganzen Monat lang stand ja unser Leben auf dem Kopf. Das soziale Leben und seine üblichen Aufregungen gingen natürlich weiter. Der deutsche Muslim Murad Hofman erhielt in Dubai einen wichtigen Preis, was die deutsche Presse leider völlig verschlief, während die "BILD" das wirre Psychogramm eines im Karstadt-Gucci-Anzug (und der Anzug ist der kleinste Widerspruch bei diesem Buben) verkleideten deutschen "Islamisten" - ohne weitere Nachfragen - millionenfach duplizierte. C'est la vie.
11.09.2009
"Nicht überraschend"
Frage: Sehr geehrter Herr Rieger, wie erleben Sie die epochale Finanzkrise? Abu Bakr Rieger: Zunächst muss man sagen, die Finanzkrise ist und war für mich als Muslim überhaupt keine Überraschung. Sie ist nicht etwa nur der Gier einiger Manager geschuldet, sondern sie ist vielmehr eine Systemkrise. Unser ökonomisches Modell basiert heute auf der “wundersamen Geldvermehrung”. Das heißt, wir produzieren Geldberge, die durch keinen Gegenwert mehr gedeckt sind und wir schaffen gleichzeitig national und global eine unglaubliche - systematisch wachsende - Verschuldung.
05.09.2009
Schröders Gespür
"Wir prüfen einen Anfangsverdacht wegen eines eventuellen Tötungsdelikts" (Oberstaatsanwalt Heinrich Junker) Die Unverhältnismäßigkeit zieht sich wie ein roter Faden durch den sogenannten Krieg gegen den Terror. Jetzt schütteln sogar NATO-Generäle selbst den Kopf. Auf Anforderung der Bundeswehr hatte die Nato am Freitag zwei Tanklastwagen bombardiert, nachdem die Fahrzeuge von nationalistischen Taliban entführt worden waren. Nach der Darstellung des Bundesverteidigungsministeriums sollte so angeblich ein Selbstmordanschlag auf die deutschen Truppen verhindert werden.
01.09.2009
Angriff auf die Freiheit
"Demokratie ist kein Glaubensbekenntnis, sondern ein Verfahren zur Verteilung und Eindämmung von Macht" (Trojanow/Zeh, "Angriff auf die Freiheit") Die Autoren Ilija Trojanow und Juli Zeh haben unter dem Titel "Angriff gegen die Freiheit" ein leidenschaftliches Plädoyer für die Verteidigung der bürgerlichen Rechte geschrieben. Das Buch liefert dabei keine ganz neuen Einsichten in "Sicherheitswahn" und den drohenden Überwachungstaat. Neu ist viel mehr die Leidenschaft und die Intensität, in der das Buch verfasst ist.
26.08.2009
30 Freunde
"Das reichste Mahl ist freudenleer, wenn nicht des Wirtes Zuspruch und Geschäftigkeit den Gästen zeigt, daß sie willkommen sind.” (William Shakespeare) Angela Merkel gilt als kluge Technikerin der Macht und als Moderatorin schwieriger Entscheidungsprozesse. Rhetorisch ist die Bundeskanzlerin immer der Logik einer große Koalition verpflichtet gewesen, taktiert zuverlässig, bis in ihrer Partei die Mehrheitsmeinung sich abzeichnet und schafft eher selten "Freund-Feind"-Konstellationen.
22.08.2009
Sichtung
Ramadan Mubarak! Für die Muslime beginnt die schönste und intensivste Zeit des Jahres. Wie so oft wird allerdings auch der korrekte Beginn des Ramadans diskutiert. Hierzu ist zweifellos die entsprechende Sichtung des Mondes und die Ausrufung des Ramadans durch eine islamische Autorität nötig. In Deutschland kam es immer wieder zu der kuriosen Situation, dass in einer Straße muslimische Familien zu verschiedenen Zeitpunkten mit dem Fasten begannen.
19.08.2009
Neue Trends
„Daß Wallenstein langfristige Absichten pflegte, unterscheidet ihn von den meisten Politikern, welche heute dies schwatzen und morgen das, um den Widerspruch zwischen dem einen und dem anderen sich gar nicht kümmern und nichts im Kopf haben als Taktik und Augenblick.” (Golo Mann) "Die Afghanen müssen sehen, dass sie selbst ihre eigene Regierungsform finden. Das ist doch nicht unsere Angelegenheit. Im Übrigen: In Dörfern und in den Stämmen gibt es auch eine Form von Demokratie. 
13.08.2009
Im Innern von München
"Die seit mehreren Jahren bestehende abstrakte Gefahrenlage durch den islamistischen Terrorismus hat sich weiter verschärft.” Das sagte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann bereits anlässlich der Vorstellung der Verfassungsschutzinformationen des ersten Halbjahres 2009. Nach dem Attentat von Madrid vor den Parlamentswahlen in Spanien im Jahr 2004 müsse man im Vorfeld der Bundestagswahl im September besonders wachsam sein, sagte Herrmann.
09.08.2009
Randlagen
Während die Debatte um die Finanzkrise in Deutschland noch eher akademisch vermittelt wird, ändern sich in den Randlagen Europas die Lebensumstände. In Ungarn habe ich bei meinem Besuch der Ungarisch-Muslimischen Gemeinschaft hinzugelernt. 40% der ungarischen Bevölkerung ist im Grunde verarmt, ein durchschnittlicher Monatslohn - wenn man Arbeit hat - bewegt sich um die 400 Euro. Die Muslime in Budapest sind auch deswegen in der Armutsbekämpfung engagiert. Sie backen Brot, verteilen gebrauchte Kleidung.
02.08.2009
Schlechte Kopien
Yayha related to me from Malik that he had heard that the Messenger of Allah, may Allah bless him and grant hin peace, forbade two sales in one sale." ( Imam Malik, Muwatta) Zunehmend beschäftigt sich die europäische Intelligenz mit den Positionen des Islam zur Ökonomie. Dieser erlaubt selbstverständlich Reichtum, Eigentum und ökonomischen Erfolg, begrenzt aber durch moralische Grundsätze und eindeutige Rechtsregeln die entfesselten Möglichkeiten der heutigen Finanztechnologie.
29.07.2009
Skandale
"The Fed was quasi autonomous from the public, but it was run by the banks." Eliot Spitzer Der Gesundheitsministerin wird der Verschwendung von Steuergeldern bezichtigt. Der Einsatz ihres Dienstautos im sonnigen Spanien dürfte den Steuerzahler die Ungeheuerlichkeit von 9000 Euro gekostet haben. Finanzexperte Frank Schäffler darf sich in der BILD "moralisch" erschüttert zeigen: „Was Frau Schmidt gemacht hat, ist eine Sauerei.
15.07.2009
Der König und die Sufis
Auf Einladung des Königs von Marrokko verbrachte ich einige Tage in Marrakesch. Das Königshaus hatte über 1.500 Gäste zu einer Konferenz über die Rolle des Sufismus in der Moderne geladen. Seit einigen, schmerzhaften Erfahrungen mit den Auswüchsen moderner Ideologie besinnt sich Marrokko auf die jahrhundertealte Tradition des Landes. Der König schützt dabei auch die korrekten Sufi-Tariqats aus dem Land und anderswo. Die Einsicht: Muslime, korrekt ausgebildet in Tassawuf und malikitischem Fiqh zeigen sich immun gegen die Einflüsterungen der Ideologen.
06.07.2009
Mit der Planierraupe
"Chinesische Behörden haben etwa in der Vergangenheit Moscheen, Koranschulen und Imame der Uiguren überprüft und gewissermaßen Säuberungsaktionen durchgeführt." ( China-Expertin Gudrun Wacker im SPIEGEL-ONLINE-Interview) Die Planierraupe war ein Herrschaftsinstrument des Kommunismus und die Planierraupe steht auch für das neue autoritär-kapitalistische Herrschaftsmodell Pekings. "Wer nicht Kashgar gesehen hat, hat Xinjiang verpasst" heißt es in den bunten Reiseprospekten.
01.07.2009
Skopje und die andere Perspektive
Reisen bildet, heißt es ja gemeinhin. Und es stimmt, es gibt bestimmte Orte, die man einfach besuchen muss, um ein Phänomen ganz für sich zu erschließen. So gehört die Reise nach Mekkah zu unserer ganzheitlichen Erfahrung des "in-der-Welt-seins". Um den Islam in Europa zu verstehen, muss man - neben einem Besuch Andalusiens oder dem Weimar Goethes - auch den Balkan bereisen. In Orten wie Skopje, Sarajevo oder Prizren kann man die traditionelle Beheimatung des Islam in Europa natürlich besser verstehen, als in einem "Kulturzentrum" in einem abgelegenen deutschen Industriegebiet.
25.06.2009
C'est la vie
Es ist interessant, dass die in den deutschen Medien die Islamkonferenz praktisch einhellig und mit selten gleichförmiger wirkenden Grundton begrüßt wurde. Feierlich wird der "Sieg der Demokratie" und die Stärkung der angeblich "liberalen Kräfte" betont, als wäre es kaum vorstellbar gewesen, die Muslime im Lande zu zivilisieren. Mein Gefühl ist, je öfter das Wort "Demokratie" bemüht wird, desto genauer sollte der aufmerksame Bürger auf das demokratische Verfahren achten.
23.06.2009
Kluft
Die Macht des Systems ist ungebrochen, nichts von Substanz ist bisher geschehen, um eine Wiederholung zu vermeiden (Manfred Vorscherau, BASF-Chef) Die Debatte um die moderne Machtfrage zwischen Politik und Ökonomie beginnt sich in Deutschland langsam zu entfalten. Es wird in der aktuellen Finanzkrise immer offensichtlicher, dass die Macht der Wall Street keinesfalls gebrochen ist. Die außergewöhnlichen Machtinstrumente der "Kasinowirtschaft" , die allesamt Geld ohne Arbeit vermehren wollen, sind weder verboten noch eingeschränkt.
19.06.2009
Medienunterstützte Glaubenssysteme
"Die cleversten Köpfe arbeiten in der Privatwirtschaft und nicht in der Verwaltung" (Dirk Schiereck, Bankenprofessor aus Darmstadt, zitiert im SPIEGEL) Der Umgang mit den großen politischen Ereignissen - sei es die Obamania, der Iran oder die Kriegsschauplätze dieser Welt - lassen "politische Systeme" und ihre Erklärungsmodelle als "medienunterstützte Glaubenssysteme" erscheinen. Radikale Subjektivität ist dabei Programm.
15.06.2009
Gutes oder schlechtes Geld?
"Ich meine: Die Verursacher der jüngsten Entwicklungen sitzen nicht in den Konzernzentralen der Banken, sondern in den Regierungen und Notenbanken dieser Welt. Der eigentliche Grund für die gegenwärtige Finanzkrise ist die ungezügelte Geldvermehrung." (MdB Frank Schäffler) In einem Land, in dem es soviel Geld gibt, ist es eigentlich ein naheliegendes Thema, das Wesen des Geldes zu diskutieren. Aber für viele Jahre war dieses Schlüsselthema modernen Wirtschaftens entweder ein Tabu oder bestenfalls eine wenig beachtete obskure Randdisiziplin in den Wirtschaftswissenschaften.
12.06.2009
Linguistisches Modell
Viele Menschen in der ehemaligen DDR haben immer noch Angst vor der Manipulation der Öffentlichkeit durch Geheimdienste. Sie denken an Denunziationen in den DDR-Medien, an durch Behörden erzwungenes Karriere-Aus für Andersdenkende und die durch Geheimdienste, gestern und heute, immer wieder zu verantwortende Gewalt. Man denke nur an die Folter durch einige wenige extremistische Geheimdienstleute. Auch in Brandenburg gibt es einen Geheimdienst. Natürlich ist das oben Geschriebene eine Polemik! Es ist aber auch ein gefährliches linguistisches Modell.
09.06.2009
50 Euro, bei Nichtwählen
"Jede Folgerung, die wir aus unseren Beobachtungen ziehen, ist meistens voreilig: Denn hinter den wahrgenommenen Erscheinungen gibt es solche, die wir undeutlich sehen, und hinter diesen wahrscheinlich noch andere, die wir überhaupt nicht erkennen." (Gustave Le Bon- Psychologie der Massen) Die Europawahlen schaffen ihre eigenen Blüten. Wie bei kaum einer anderen Wahl, hat auch der politisch Interessierte Schwierigkeiten, auch nur eine pragmatische Forderung irgendeiner Partei zu artikulieren.
02.06.2009
Vortrag Potsdam: Denklinien
Liebe BesucherInnen, As-salamu´alaikum Ich möchte Ihnen heute einige Denklinien aus dem Islam oder besser natürlich, in den Islam, vorstellen. Wir werden in einigen Momenten sehen, inshAllah, warum es existentiell Sinn macht, von einem Weg, einer Bewegung in die Erfahrung des Islam zu sprechen, also vorauszusetzen, dass es hierzu immer wieder eine neue, aktive Denkbewegung von uns Menschen braucht. Ich möchte also Linien vorstellen, die in den Kern unserer Existenz und damit in den Islam selbst führen.
24.05.2009
Musterzelle(n)
Die Geschichte folgt einem bestimmten Muster. Das FBI beobachtete vier zum Islam konvertierte Männer, die bisher weder Kontakte mit Terrorgruppen noch mit islamischen Gemeinschaften hatten. Sie sind Muslime der Kategorie "Dummies", Kleinkriminelle und wohl auch psychisch Gestörte. Die Einzelgänger sind geradezu idealtypische Feinde. Sie sind radikal, isoliert und - ohne entsprechende Hilfe - auch nicht besonders geschickt. Man muss, um diese "Zelle" zu aktivieren, ihnen durch einen Informanten unbrauchbaren Sprengstoff und eine funktionsunfähige Stinger-Rakete unterjubeln.
20.05.2009
Macht der Wall Street
Unter dem Titel "Wir müssen die Macht der Wallstreet brechen" interviewt der Schweizer Tagesanzeiger den früheren Währungsfonds-Chefökonom Simon Johnson. Johnson lehrt heute globale Ökonomie am Massachusetts Institute of Technologie und leitete 2007 bis 2008 die Forschungsabteilung des Internationalen Währungsfonds (IWF). Es geht in dem Interview um das moderne Machtgefüge zwischen Regierung, Ökonomie und Medien. Die Stützen der Gesellschaft, die allesamt unter dem massiven Einfluß des Kapitals stehen.
06.05.2009
Merkur Online
Zeitlich unbegrenztes Wachstum lässt sich physikalisch auf keinen Fall aufrechterhalten" (Jürgen Kremer, Mathematik-Professor) Der Journalist Martin Prem hat im Münchner Merkur eine wichtige Debatte angestoßen. Prem stellt unter dem Titel "Zinsen lassen Menschen verarmen" die eigentliche Grundfrage unseres Wirtschaftsmodells. Kann das Modell rational überhaupt funktionieren? Prem stellt dazu die Arbeit des Mathematikers Jürgen Kremer vor.
01.05.2009
Der globale Polizeistaat
Ein älterer Anatolier, Arbeiter in der lokalen Fabrik und in seiner Freizeit Imam in der örtlichen Moschee, wird nach einem Moscheebesuch vor laufender Kamera gefragt, ob für ihn das Grundgesetz oder der Koran wichtiger sei - der Anatolier erklärt: "Der Koran!" "Ist A. ein Verfassungsfeind?", fragt nun die lokale Zeitung. Vor einem UEFA-Cup Spiel in H werden Hooligans der Heimmannschaft präventiv in Haft genommen. Ein Abgeordneter fragt nach Terrorwarnungen, warum diese Maßnahme nicht auch künftig für bekannte Gefährder in der Stadt als "Präventionshaft" möglich sei.
23.04.2009
Coup de Banque
"Ein Putsch oder Staatsstreich ist eine überraschende, meist gewaltsame Aktion einer Gruppierung, meist einer gesellschaftlichen Minderheit, mit dem Ziel, die Regierung zu stürzen und die Macht im Staat diktatorisch zu übernehmen. Putschisten sind in der Regel hohe Militäroffiziere oder Führer paramilitärischer Organisationen. Oft übernimmt aber auch eine Gruppe die Macht, die bereits Teile des Staates legitim kontrolliert. Dies ist etwa der Fall, wenn die Legislative von der Exekutive ausgeschaltet wird. 
03.04.2009
Verfassungswirklichkeit - einmal anders gesehen
"Wo war der Richter, den er nie gesehen hatte? Wo war das hohe Gericht, bis zu dem er nie gekommen war? Vielleicht aber existiert das Gericht gar nicht, jedenfalls nicht als ein von Personen bewusst geführter Prozess mit einer für den Angeklagten einigermaßen transparenten Prozeßordnung" (Franz Kafka; "Der Prozeß") „In den meisten Verfassungsschutzberichten wird nicht nur über erwiesene Verfassungsfeinde berichtet, sondern auch über solche Organisationen, die von der Verfassungsschutzbehörde lediglich verdächtigt werden, verfassungsfeindliche Bestrebungen zu verfolgen. 
31.03.2009
Rezession
"Wir glauben, dass das islamische Finanzwesen zur Etablierung neuer Regeln für das westliche Finanzwesen beitragen kann ... Scharia-gemäße Investitionsformen verhinderten eine künstliche Erzeugung von Geld." (Loretta Napoleoni und Claudia Segre, Osservatore Romano) Wenn Billionen sich im Nichts verflüchtigen, dann ist der Begriff "Rezession" eigentlich eine Untertreibung. Vielmehr stellt sich die Frage, ob diese Billionen-Werte überhaupt je existiert haben. Geld wurde aus dem Nichts geschaffen und kehrt natürlicherweise ins Nichts zurück.
24.03.2009
Die Berliner Rede
"Hier spricht nicht mehr der kaltherzige Reformprediger, nicht mehr die Galionsfigur einer neoliberalen Offensive. Insofern dokumentiert die Rede auch einen Lernprozess, der mit Opportunismus aber falsch beschrieben wäre." ("Stuttgarter Zeitung" ) Die Berliner Reden der Bundespräsidenten sorgen im Frühjahr für einige Aufmerksamkeit, da diese Reden, "abgehoben" von der Parteipolitik, den Anspruch haben, aktuelle Probleme grundlegend anzugehen.
21.03.2009
Reisepässe für Falken
Es gibt wohl kaum eine Stadt in der Welt, die in den letzten Jahrzehnten so radikal ihr Erscheinungsbild verändert hat wie Dubai. Schon der Anblick der Gigantomie der neuen Flughafenhalle, lässt den guten alten Frankfurt Airport im Rückblick provinziell erscheinen. Im Jahr 2017, wenn es denn sein soll, wird sogar ein neuer, größerer Großflughafen "The World" gebaut. Der Expansionswille Dubai zu einer Drehscheibe der konsumierenden und handelnden Weltbevölkerung zu machen, wurde allein durch die Finanzkrise etwas der Schwung genommen.
08.03.2009
Schatzsucher
"Wenn der Sozialismus beziehungsweise das Gemeinwohldenken gescheitert ist, wie man frivolerweise behauptet, bleibt der Asozialismus. Den diskutieren wir zumeist unter dem etwas höflicheren Begriff Individualismus, und zu dem bekennen wir uns meistens gerne. Aber was sind konsequente Individualisten? Es sind Menschen, die ein Experiment darüber veranstalten, wie weit man beim Überflüssigmachen sozialer Beziehungen gehen kann - und sie gelangen dabei zu erstaunlichen Fortschritten. 
04.03.2009
Im Namen der Anklage
"Es klingt wie eine unglaubliche Geschichte, doch andererseits scheint vieles möglich in einer Stadt, in der einer der vermeintlich meistgesuchten mutmaßlichen Kriegsverbrecher der Welt angeblich jahrelang mit falschen Papieren als Heilpraktiker wirken konnte, indem er sich einen echten Bart wachsen und das wallende Haar noch etwas üppiger wuchern ließ als zuvor." (Michael Martens, FAZ-Online) Nach dem 2.
24.02.2009
Innere Logik des Finanzsystems
"Das Wachstum der Vermögenswerte war eine Illusion, nicht aber das Wachstum der Schulden" (Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Krugman) Der Vorteil eines auf Schulden basierenden Staatshaushaltes liegt für Politiker auf der Hand; es kann immer etwas verteilt werden. Genommen wird zwar auch, aber eben lautlos und indirekt, wie es durch die stetig steigende Inflation täglich passiert und nach den "Konjunkturpaketen" noch passieren wird. Naturgemäß behaupten Politiker gerne, um die Logik des Systems zu stützen, eines Tages würden diese Schulden zurückbezahlt.
16.02.2009
Fass ohne Boden
"Weil die Abläufe in der globalen Finanzwelt so kompliziert sind, hat das immer noch einen Schlagschatten von Unvermittelbarkeit und ist nicht mal auf der Titelseite einer Tageszeitung umfassend darstellbar. Man brauchte drei Seiten. Also landen die Geschichten hinten im Wirtschaftsteil. Dabei sind sie 100-mal wichtiger als die Abschaffung des blöden Transrapid." (Tom Twyker, Stern Interview) Das berühmte Wort vom "Fass ohne Boden" scheint für den Finanzbedarf bankrotter Banken die passende Beschreibung. Allein die deutsche Hypo Real Estate hat schon 103 Mrd.
09.02.2009
Alternativ-UNO
"It doesn´t need to be a democracy, just secure" (Natovertreter) "....Verwundert hat mich, dass die zwei Drei-Gänge-Menüs, zu denen ich geladen war, von zwei Rüstungsfirmen, von EADS und Krauss-Maffei, gesponsert waren. Da hätte es doch sicher andere Möglichkeiten gegeben. Und auch ganz allgemein war die Rüstungsindustrie stark vertreten. 
05.02.2009
Bad Bank
«Die zuvor nie erlebten Marktverhältnisse in diesem Quartal haben einige Schwächen in unserem Geschäftsmodell offenbart» (Deutsche Bank Chef Ackermann) Das Verhältnis zwischen Politik und Banken ist beinahe traditionell eng. 1776 wurde ein englischer Bankier unter der Anschuldigung verhaftet, er habe König Georg III. entführen wollen. Die gegen ihn erhobene Anklage widerlegte er überzeugend mit den Worten: "Ich verstehe schon, daß ein König einen Bankier braucht. 
31.01.2009
Angst und Politik
Steht Deutschland kurz vor einem Terroranschlag? Seit Jahren warnen deutsche Sicherheitsfachleute immer wieder vor "akuten" Bedrohungslagen, fordern und fördern nebenbei den Ausbau ihres anschwellenden Sicherheitsapparates und verlangen immer wieder auch nach neuen Gesetzen. Die Frage ist also weniger, ob eine terroristische Bedrohung besteht, sondern wie man mit der, auf Dauer kaum abstreitbaren Möglichkeit, eines rechten, linken oder muslimischen Terrorismus letztendlich umgehen soll.
30.01.2009
Krise und Sicherheit
So bewegen sich viele Menschen auf unsicherem Terrain. Obwohl Lebenszeit und Massenkonsum ein historisch nie gekanntes Niveau erreicht haben, grassiert vielerorts eine merkwürdige Unruhe, ja Hysterie. Mitnichten hat die Neuzeit den Tod aus dem Bewußtsein verdrängt. Die Gesellschaft scheint besessen vom Gedanken ihrer Vergänglichkeit. Je rascher die Verhältnisse wechseln, desto unvertrauter das Leben und desto größer das Mißtrauen gegenüber anderen und sich selbst. Daraus entspringt der unbedingte Wille zur Sicherheit. 
25.01.2009
Guantanamo - ein Symbol
Für Insider ist das Lager kein Geheimnis - doch die Öffentlichkeit hört selten etwas darüber. Mittlerweile sind dort in mehreren Blocks rund dreimal so viele Gefangene interniert wie in Guantanamo. Die Zahl von 650 Insassen ist allerdings eher eine Schätzung als ein Fakt: Bis heute hat nur das Rote Kreuz das Lager besucht, und es gibt über seine Missionen öffentlich nichts bekannt. Menschenrechtler und Journalisten werden vom Militär streng ausgesperrt. 
19.01.2009
Das rote Tuch
Eines ist auch am Wahlabend sicher - nichts ist sicher. Die Finanzkrise dürfte auch den Bankenstandort Hessen - jenseits der neuen bürgerlichen Koalition und nach der Verhinderung des roten Bündnisses - noch gehörig durchschütteln. Bis zu 1 Billion wertloser Kredite sollen in den Büchern deutscher Banken schlummern. Der Landeshaushalt Hessen im Bereich Bildung oder Erziehung dürfte dabei vergleichsweise nur "Peanuts" darstellen. Wie das deutsche "Superwahljahr", das dramatisch mit der "Finanzkrise" zusammenfällt, medial aufbereitet wird, zeigte uns gestern "Anne Will".
10.01.2009
Allianz in der Politik
Mein Eindruck ist, dass die Commerzbank noch mehr Probleme hat als bislang zugegeben." (Otto Bernhardt, finanzpolitischer Sprecher der CDU) Die Teilverstaatlichung der Commerzbank ist ein ordnungspolitischer Sündenfall einer Regierung ohne ordnungspolitischen Kompass. Dass ausgerechnet die sozialistische SED-Nachfolgepartei dazu das Triftige sagt (auch wenn sie etwas anderes meint), während die bürgerlichen Parteien verschüchtert schweigen und weitere Verstaatlichungen in Aussicht stellen, zeigt das Groteske der ganzen Situation. 
03.01.2009
Permanente Krise
Der Palästina-Konflikt birgt auf beiden Seiten so ziemlich alle Krisen der Neuzeit: Demokratiekrise, Krise des Rechts, Krise der Ökonomie. Israel ist wohl heute weniger eine stabile Demokratie, als eine Staatsform des permanenten Ausnahmezustands. Sogar der Frieden wäre ein staatsgefährdendes Problem. Ohne die Krisen und die Milliarden aus den USA wäre der Staat, im eher utopischen Friedensfall, nicht lebensfähig. Das Gleiche gilt für das palästinensische "Staatsgebiet".
16.12.2008
Terrorexperten
"Was also zeigt der Boom des nun allseits strapazierten 'Experten' aus eigenem Hause? Im Grunde ist es ein Ausdruck der Hilflosigkeit. Als Folge von 9/11 sahen sich auch die Sender zur Aufrüstung gezwungen und erfanden den allzeit bereiten Terrorfachmann: Elmar Theveßen, unsere Antwort auf Osama bin Laden." (Tobias Kniebe in der Süddeutschen Zeitung) "Terrorexperten", so sieht es Tobias Kniebe in der Süddeutschen Zeitung, sind eigentlich ganz normale Journalisten mit Internetanschluss.
09.12.2008
Neues am Id
Dass sich was tut im Umgang mit den Muslimen in Deutschland, zeigt sich gerade auch am Id-Fest. Auf dem Weg in "meine türkische Moschee" fällt mir gleich der Unterschied auf, das Chaos auf dem Parkplatz ist zu Ende, die Halteverbote vor der Moschee werden eingehalten und drei freundliche Polizeibeamte grüßen die zum Gebet eilende Menge. Vor dem Gebet erklärt der Baskan das neue Verkehrskonzept. Ich bin wohl, mangels ausreichender Türkischkenntnisse, auch diesmal noch falsch gefahren.
03.12.2008
Gelenkte Empörung
Zu den wenigen Köpfen, die auch in Krisenzeiten eine eigenständige Gedankenführung bevorzugen, gehört sicherlich der sturmerprobte Peter Scholl-Latour. In seinem neuen Buch "Der Weg in den neuen kalten Krieg" wiederholt er seine bekannte Skepsis gegenüber der Existenz eines global vernetzten Super-Terrornetzwerkes, einer de facto - so Scholl-Latour - ziemlich "kunterbunten Assoziation teuflischer Übeltäter".
27.11.2008
Ein altes platonisches Thema
"Und findest du nicht in den oligarchischen Staaten Bettler?" "Fast nichts als Bettler, außer den Herrschenden!" (Platon Politea, 552d) Auf FTD-Online kann man das Ergebnis einer umfangreichen Recherche von Bloomberg nachlesen: Die tatsächlichen Risiken, die der amerikanische Staat bislang eingeht, übertreffen das im September verabschiedete, 700 Mrd. $ schwere Rettungspaket um mehr als das Zehnfache. Bei der Addition der Einzelposten kommt man auf 8500 Mrd. $, das ist mehr als die Hälfte des amerikanischen Inlandsprodukts.
20.11.2008
Discorsi
"Es taten sich Abgründe auf. Der Geheimdienst sollte terroristische Aktivitäten beeinflusst, vielleicht sogar gesteuert haben? Ich merkte, dass ich doch sehr deutsch war, denn zumindest für die Bundesrepublik hielt ich diese Idee für absurd." (Michael Buback "Der zweite Tod meines Vaters") Zweifellos war es in den letzten Jahren der radikale "Islamismus", der aus staatlicher Sicht das größte Bedrohungspotenzial in sich barg.
11.11.2008
Der Knacks
Ganz recht. Und das interessante am 11. September ist zum Beispiel, dass unmittelbar, nachdem er passierte, die Menschen noch nicht wussten, wie man sich dazu stellt. Da fand noch ein Champions-League-Spiel statt, da war noch eine politische Analyse darüber möglich, warum das World-Trade-Center Ziel war. Drei Tage später: Es gab keine Amusements mehr, die Trauer wuchs, der Schock wurde übermäßig bearbeitet. Und plötzlich war die politische Analyse verboten. Jeder, der nicht sagte "grauenhafte und durchgeknallte Muslime", wie der Spiegel schrieb, war irgendwie politisch inkorrekt. 
05.11.2008
Der Eine
"Gemessen an den Reaktionen der Börsen auf die Wahl von Obama sind die Aussichten auf Krieg nicht ganz klar. Am Tag eins nach der US-Wahl öffnete die Wall Street jedenfalls mit deutlichen Verlusten. Die erhoffte Obama-Euphorie an den europäischen Aktienmärkten blieb ganz aus. Auf den klaren Wahlsieg der Demokraten folgten zum Teil kräftige Kursverluste." (Junge Welt) "Die legendären Helden, nicht die wirklichen Helden haben Eindruck auf die Massen gemacht." (Gustave Le Bon; Psychologie der Massen) Der Eine hat gewonnen.
31.10.2008
Systemfragen
«Zwischen Goldman Sachs und der Regierung in Washington bestehen sehr enge, fast inzestuöse Beziehungen. Finanzminister Henry Paulson ist ehemaliger Chef von Goldman Sachs, seine wichtigsten Mitarbeiter sind frühere Mitarbeiter von "GS", und die Liste ist lang. Sogar in den USA weckt diese Allgegenwart ehemaliger Manager von Goldman Sachs in der Regierung Sorgen, und das nicht nur bei der neidischen Konkurrenz. 
28.10.2008
Was tun?
Es ist ein grotesk anmutendes Schauspiel. Jahrzehntelang bildet sich vor unseren Augen ein aberwitziges Finanzsystem, vor dem uns viele Experten und wenige Politiker gewarnt haben. Erst jetzt gibt Finanzminister Steinbrück zu, was Sache ist. Sein Offenbarungseid ist schlicht, "unser Finanzsystem kann jederzeit zusammenbrechen", und "die Politik hat keine Kontrolle", heißt es jetzt vom kleinlauten Finanzminister. Die Politik versucht, angesichts der Krise "überrascht" zu wirken.
24.10.2008
Nackt-Scannen
"Aber jetzt, wo ein Sicherheitsarbeiter ein unscharfes Bild vom nackten Körper erhält und der gläserne Bürger zum nackten Passagier wird, beginnt man sich zu genieren. Am Strand, in der Sauna, im Internet und auch sonst ist das Zeigen des nackten oder fast nackten Körpers kein Problem, sondern gerne schon einmal Pflicht, Vergnügen und Selbstverständlichkeit. Der nackte Körper selbst verrät sicherheitsstrategisch nichts, viel mehr dringt man in die Intimsphäre ein, wenn man Menschen belauscht, ihre Emails liest, ihre Wege verfolgt und die Kontakte aufzeichnet. 
18.10.2008
Grundrätsel
"Dieses Gesetz wurde im Hinterzimmer in einer Runde von Banklobbyisten ausgeklüngelt. Und jetzt verlangt die Bundesregierung vom Parlament einen Blankoscheck über Kapitalhilfen in Höhe von 100 Milliarden Euro - ohne jegliche demokratische Kontrolle, welche Banken das Geld zu welchen Bedingungen erhalten und wer die Kosten trägt. 
07.10.2008
Moralische Empörung
Will man die Bankenkrise tiefer verstehen, muss man sich zunächst von moralischer Empörung befreien. Es ist nicht die Gier, die das System hervorgebracht hat, sondern das System hat die Gier begünstigt. Zur Disposition steht daher nicht nur einige Bösewichte, die zu weit gegangen sind, sondern das ökonomische System selbst. Der Islam hat hierzu eine klare nüchterne Position. Der Islam bejaht Eigentum und Gewinnstreben, zieht aber mit seinem Recht - nicht nur mit moralischen Grundsätzen - ein Maß. Im Koran wird diese Maxime klar formuliert: Der Handel ist erlaubt und der Zins verboten.
03.10.2008
Zusammenhalt
Das Theater in dieser Woche war beispielhaft: An den Börsen ließen »verunsicherte Anleger« weltweit die Kurse heftige Zuckungen vollführen. Einschlägige Beobachter aus Medien, Brokerhäusern, Instituten und anderen Lobbyorganisationen schürten die Angst. Ohne schnelle Öffnung der Geldschleusen durch den Staat breche alles zusammen, lautete die Botschaft. Denn ein Zusammenbruch des Bankensystems treffe auch »Joe Sixpack«, den typischen (und wahlentscheidenden) US-Bürger. 
22.09.2008
Lehren aus Köln
Der CSU kommt eine Woche vor der Landtagswahl der Effekt zugute, dass es so viele Skandale gibt, dass keiner davon richtig ins Rampenlicht rückt. Weder die Abermillionen, die Erwin Hubers Landesbank durch zwielichtige Engagements über die amerikanische Pleitebank Lehman Brothers den bayerischen Steuerzahler kostet, noch die wahrscheinlich weit höhere Summe, um welche die von Michael Glos beaufsichtigte KfW den Bundeshaushalt schädigt. Beide Politiker halten sich auffällig in der Defensive. 
17.09.2008
Epochale Krise
"Imperien kommen und gehen. Sie fallen weniger durch eklatante Niederlagen in Kriegen, sondern im Gefolge von Übermut und Spekulation der ökonomischen Investoren. Ein System lebt über seine Verhältnisse und geht am Ende aus dem Leim. Eine nüchterne Diagnose des derzeitigen Gesundheitszustandes der US-Wirtschaft muss zu dem Schluss führen, dass das Land an einem Kreuzweg steht. (...) Niemand weiß, wie viele tausende Milliarden Dollar Investmentbanken, Unternehmen, und Konsumenten an Schulden angesammelt haben, und das nicht zuletzt im Ausland. (... 
10.09.2008
Kölner Anti-Islam-Kongress
"O ihr Menschen, Wir haben euch von einem männlichen und einem weiblichen Wesen erschaffen, und Wir haben euch zu Verbänden und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennenlernt. Der Angesehenste von euch bei Gott, das ist der Gottesfürchtigste von euch. Gott weiß Bescheid und hat Kenntnis von allem." (Qur'an 49:13) Der Anti-Islam-Kongress einiger rechter Provinzgruppen in Köln ist natürlich gerade für Muslime möglicherweise eine Provokation. Dennoch sollten man sich hüten, sich auf das uns angebotene Freund-Feind-Spiel einzulassen.
02.09.2008
Blockmedien
Aufregung im Internet. Seiten wie "Fefes Blog" hatten bemerkt, dass die ARD in den Tagesthemen ein Putin-Interview, ursprünglich 27 Minuten lang, auf etwa 10 Minuten gekürzt hatte. Ziemlich merkwürdig war auch, welche Passagen wegfielen. Für deutsche Verhältnisse war Putin in dem ARD-Interview nicht nur ziemlich ausgesprochen, er sprach auch - wie das folgende Zitat zeigt - grundsätzlich heikle geopolitische Themen an: Wenn Sie erlauben, dann sage ich, was ich darüber denke. Es gab die Sowjetunion und den Warschauer Pakt. 
31.08.2008
Über das Fasten im Ramadan
Ramadan ist eine spezielle, von Allah bestimmte Zeit des Fastens. Es ist für jeden im Sinne der Scharia Verantwortlichen Muslim verpflichtend. Der Ramadan dauert, je nach Verlauf Mondzyklus 29 oder 30 Tage. Er beginnt mit der Sichtung des neuen Mondes für den Monat Ramadan und endet mit der Sichtung des neuen Mondes für den Monat Schawwal.
24.08.2008
Kirche im Dorf lassen
Zeitgemäß ist das Konkordat tatsächlich nicht mehr, zumal wenn auch die christlichen Kirchen gerne gegenüber dem Islam die Errungenschaften der Aufklärung und damit der Trennung von Staat und Kirche als Pluspunkt der dann christlich-abendländischen Kultur anführen. In Deutschland werden nicht nur vom Staat die Beiträge an die Kirchen als Steuern eingezogen, mit dem Konkordat ließ man einen nicht unerheblichen Einfluss der Kirchen vor allem auf das Schulwesen zu, während gleichzeitig der Staat zusicherte, sich nicht in die inneren Angelegenheiten der Kirche einzumischen. 
18.08.2008
Schröders Vision
«Russland wird zunehmend nicht Teil der Lösung, sondern Teil der Probleme, die wir haben.» (E. von Klaeden, CDU)Es ist immer wieder erstaunlich, wie bestimmte geschichtliche Ereignisse völlig neue Denkräume eröffnen. Der Konflikt in Georgien hat die geistige Landschaft nicht unerheblich verändert. Die Phase des "Kampfes gegen den Terror" wirkt schon ein wenig wie von Gestern. Parteiungen und Medien sind gleichermaßen unfähig, neue Entwicklungen "unparteiisch" zu würdigen und versuchen, das Ereignis ihren Vorstellungen von Wirklichkeit unterzuordnen.
16.08.2008
"Rogue Economics"
Nichts symbolisiert besser das Ende des kalten Krieges als der Fall der Mauer in Berlin. Europa wächst nun unaufhaltsam zusammen, in Moskau zieht McDonalds und Coca-Cola ein und das Wort “Globalisierung” wird zum wichtigsten Begriff des neuen Jahrhunderts. Im Rausch der Geschichte gibt es zunächst nur wenige kritische Stimmen. Die italienische Journalistin und Ökonomin Loretta Napoleoni sieht in dem Fall der Mauer auch eine andere, allerdings gefährliche Zeitenwende.
11.08.2008
Georgien
So ging der Kaiser unter dem prächtigen Thronhimmel, und alle Menschen auf der Straße und in den Fenstern sprachen: "Wie sind des Kaisers neue Kleider unvergleichlich! Welche Schleppe er am Kleide hat! Wie schön sie sitzt!" Keiner wollte es sich merken lassen, daß er nichts sah; denn dann hätte er ja nicht zu seinem Amte getaugt oder wäre sehr dumm gewesen. Keine Kleider des Kaisers hatten solches Glück gemacht wie diese. "Aber er hat ja gar nichts an!" sagte endlich ein kleines Kind. 
04.08.2008
Vernunft
"Es ist schwer vorstellbar, wie die derzeitige globale Wachstumsrate von 3,7% im Jahr (was bedeutet, dass die globale Ökonomie sich alle 19 Jahre verdoppelt) aufrecht erhalten werden könnte, selbst wenn alles durch Wind und Sonne angetrieben wäre" (The Guardian) Die Gewitterwolken der weltweiten Finanzkrise lassen heute nationale Politik und nationale Politiker eher hilflos erscheinen. Zu offensichtlich zeigt sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts die vollzogene Machtverschiebung von der Politischen hin zur Ökonomischen Ebene.
28.07.2008
Keine Heldentat
Karadzic ist festgenommen und wird wie sein Ziehvater Milosevic in Den Haag enden – aber eine Heldentat ist dies nach über einem Jahrzehnt der „Suche” nicht. Noch immer ist es ein bleibender Skandal, dass Serbien des flüchtigen Serbengenerals Mladic angeblich nach wie vor nicht habhaft werden kann. Die gleichzeitig erklingenden Rufe nach einer schnellen Integration Serbiens in die EU klingen aus der Opferperspektive eher zynisch.
22.07.2008
Dienste
Karadzic ist gefasst. Endlich. Der serbische Terrorist konnte jahrelang in Serbien leben, ohne dass das engmaschige Netz der Geheimdienste seiner angeblich habhaft werden konnte. Der bosnische Präsident Silajdzic kommentierte bitter, dass die Verhaftung des "Osama Bin Ladin Europas" klärt, dass die serbische Regierung jahrelang wusste, wo er ist. Trotz des Horrors in Srebrenica, es gab zum Glück nie einen bosnisch-muslimischen Terrorismus. Ein interessantes Buch über den Nutzen des internationalen Terrorismus wird im September von Jürgen Elsässer erscheinen: "Terrorziel Europa.
12.07.2008
Feier
Wie jedes Jahr feiert die Muslimische Gemeinschaft in Granada die Eröffnung ihrer Moschee. Die Moschee, im Albaycin gegenüber der Alhambra gelegen, ist heute pulsierender Mittelpunkt des Lebens in dem alten maurischen Viertel. Es gibt wohl kaum einen Ort in Europa, wo der Islam so eindeutig "heimisch" ist. Beim Freitagsgebet sieht man Generationen spanischer Muslime einträchtig neben Muslimen aus aller Welt beten. Am Abend findet in dem Garten der Anlage ein Empfang für die Nachbarschaft statt.
24.06.2008
Jenaer Aufruf
Der Italienerin Loretta Napoleoni ist mit "die Zuhälter der Globalisierung" ein leidenschaftliches und überzeugendes Buch gelungen. Napoleoni beschreibt den Übergang von Nationalstaat zum Marktstaat und darauf folgend die Auseinandersetzung zwischen Politik und "Schurkenwirtschaft" um die Vorherrschaft. Um den Tod der Politik zu verhindern, sieht sie den ersten Schritt darin, die "durch die Schurkenwirtschaft erzeugte ökonomischen Illusionen zu durchbrechen. 
19.06.2008
Das Chaos in Afghanistan
Gerade Kriegszeiten eignen sich naturgemäß besonders gut zur verkürzten Darstellung. Dies gilt im Zeitalter der Medien gerade auch hinter den Feindeslinien. Aus der antiquierten Freund-Feind-Perspektive des Krieges ist der Feind naturgemäß, wenn auch auf Zeit, das schlichte Böse. Mann kann sagen, dass sich bei allen modernen Ideologien die Überzeugung durchgesetzt hat, dass eine gute und moderne Welt nur durch die Vernichtung des Feindes wirklich werden könne. Der so genannte Krieg gegen den Terror folgt dieser Logik mit dem Ziel der Vernichtung aller Terroristen.
08.06.2008
Post-terroristisches Zeitalter
“Der ‘Kampf’ findet in Europa nicht zwischen ‘Kulturen’ statt, sondern zwischen denjenigen (welcher religiösen oder weltanschaulichen Zugehörigkeit auch immer), die bereit sind, Integration im Rahmen der Bürgerrechte zu diskutieren und denjenigen, die das nicht tun.” (IRR Bericht von Liz Fekete) Trifft man engagierte, europäische Muslime auf Konferenzen, dann wird klar, dass mindestens in Europa das "post-terroristische" und "post-ideologische" Zeitalter begonnen hat.
30.05.2008
Banking
"Ökonomisch und ethisch lässt sich das Papiergeldsystem kaum überzeugend rechtfertigen. Seine zweifelhafte Erfolgsgeschichte fordert geradezu auf, nach besseren Lösungen zu suchen, um Wohlstand zu erhalten. Freies Marktgeld ist unabdingbarer Baustein gesellschaftlicher Freiheit.“ (Thorsten Polleit, in der "Wirtschaftswoche") Es gibt zwischen den Muslimen leider kaum eine Debatte über die Wirkungen der Moderne auf den Islam.
18.05.2008
"Monster"
Ich habe öffentlich betont, dass der Kampf gegen die Armut die wichtigste Aufgabe des 21. Jahrhunderts ist.” [Horst Köhler bei einer Konferenz zu PRSP in Washington, 17. Januar 2002 ] Noch vor einigen Jahren wäre die Beschimpfung des sakralen Finanzsystems als ein Zeichen für Radikalität und Extremismus bewertet worden. So ändern sich die Zeiten. Mit Blick auf die weltweite Krise der Finanzmärkte hat Bundespräsident Horst Köhler die Banken hart kritisiert. "Wir waren nahe dran an einem Zusammenbruch der Weltfinanzmärkte", sagte Köhler dem Magazin «Stern».
09.05.2008
Festlegung auf das Politische
"Vor allem aber stellt das islamische Finanzsystem die einzige wirtschaftliche Kraft dar, die der Schurkenwirtschaft konzeptionell etwas entgegensetzt. Investitionen in Pornographie, Prostitution, Drogen, Tabak und Glücksspiel sind verboten. Wie schon gesagt wurde, gedeihen diese Bereiche seit dem Fall der Berliner Mauer unter dem gleichgültigen Blick des Marktstaates prächtig". (Loretta Napoleoni)Betrachtet man die heutigen Organisationsformen des Islam in Deutschland, dann kann man eine einseitige Festlegung auf das Politische nicht übersehen.
01.05.2008
Risala – An einen jungen Mann am Abgrund
Bei einem Aufenthalt in Birmingham unterhalte ich mit einem Lehrer, der pakistanischen Jugendlichen eine islamische Grundausbildung anbietet. Der junge Mann versucht in dem sozial schwierigen Milieu der britischen Großstadt, die jungen Muslime zu einer positiven Grundhaltung anzustiften, die ohne ein "Wir gegen Euch" auskommt. Wir besprechen auch die Möglichkeiten eines europäischen Jugendaustausches, sinnvolle Reisen wie zum Beispiel nach Weimar oder die Organisation von Märkten, die den Jugendlichen das Gefühl gibt, etwas zum Gemeinwesen beizutragen.
26.04.2008
"Futures"
Bei vielen Debatten um den Islam wird man das Gefühl nicht los, dass Irrelevantes in epischer Breite, aber wirklich Relevantes selten diskutiert wird. Natürlich hat der Islam, der ja immerhin über eine Milliarde Menschen geistig bindet, auch bedenkenswerte und aktuelle Positionen. Ein Beispiel dafür ist die islamische Position zum Handel mit sogenannten „Futures“ im Agrarbereich. Nach dem islamischen Recht sind diese Handelsaktivitäten, die die Möglichkeiten eines freien Marktes ausnutzen, klar verboten. Fakt ist, die sogenannte Lebensmittelkrise ist heute so dramatisch wie künstlich.
20.04.2008
Zynismus
Die weltweiten Verheerungen des Kapitalismus zu bändigen, bleibt die große Herausforderung an den Menschen. Was den Abgrund des Hunger angeht, gibt es bisher vor allem unterschiedliche Ansätze der Problemverdrängung: Christliches Mitleiden, Nihilismus oder einfaches Ignorieren der Fakten. Auch reines Almosengeben der Reichen hat das Problem nicht gelöst. Nachdem die Entwicklungshilfe einiges an Kosten verursacht, ist der nächste logische Schritt diesen Kostenfaktor als unnütz zu erklären und mit einer kühlen Wendung den Hunger selbst als notwendigen "Reinigungsprozeß" zu akzeptieren.
14.04.2008
Mit Goethe leben
„Man muss sein Thema lieben um etwas wirklich zu vermitteln“, diesen Grundsatz des berühmten Dichters Goethe verkörpert Prof. Dr. Katharina Mommsen wie kaum eine Andere. Die Gelehrte, 1925 in Berlin geboren, lebt heute als Professor emerita für Literatur der Stanford University in Kalifornien. Ihre Vorliebe für die deutsche Klassik lässt sie noch immer nicht zur Ruhe kommen. Die Professorin gilt nach wie vor als eine der wichtigsten Goethe-Kennerinnen dieser Zeit. Trotz ihrer jahrelangen Lehrtätigkeit in den USA bemängelt sie allerdings die fehlende Wirkung Goethes in Amerika.
07.04.2008
Konzentration
Edeka, Rewe, Aldi, Lidl und Metro sind mit verantwortlich dafür, dass Tausende von Arbeiter/innen in Entwicklungsländern zu Hungerlöhnen und unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten müssen. Die genannten fünf größten deutschen Supermarktketten bedienen 70 Prozent des Marktes und nutzen diese Macht schamlos aus. (oxfam.de) "Freie Marktwirtschaft" ist ein Schlüsselwort unserer ökonomischen Ordnung und wird gerne zitiert. Auch hier gilt die einfache Grundregel: Je öfter man etwas rhetorisch anrufen muss, desto weniger ist davon noch wirklich da.
01.04.2008
Inflation im Spiegel
The recent rise in corporate bankruptcies in America may well be a sign of much worse to come. CAPITALISM without bankruptcy, it is said, is like Christianity without hell. (The Economist, Onlineartikel 27. März "Waiting for Armageddon") Wir leben in einer Zeit, in der es nicht einfach ist, durch die Flut von Informationen hindurchzublicken. Aber es gibt einfache Unterscheidungen, die immer wieder durch das Dickicht der Meinungen helfen. Täuschen wir uns nicht, um Glaubensfragen geht es heute immer.
24.03.2008
Todenhöfer - ein Bremser
Es gibt einen Mythos in Deutschland: den Mythos über den "unbequemen" Zeitgenossen, der sich dem stromlinienförmigen Denken entzieht, Courage zeigt oder Widerstand leistet - desöfteren sind diese im Boulevard gepflegten Persönlichkeiten allerdings Charaktere, deren Heldenmut oder Aufstandsvermögen sich kaum in konkreten Situationen beweisen musste. Oft genug handelt es sich auch nur um die verklärte Rhetorik einer längst etablierten, schlichten Mehrheitsmeinung.
17.03.2008
Gleichmut
50 Prozent der Wirtschaft sind Psychologie. Wirtschaft ist eine Veranstaltung von Menschen, nicht von Computern. Alfred Herrhausen (1930-89), dt. Bankier, Vorstandsspr. Dt.
12.03.2008
Waschmaschine
Wie aus der Waschmaschine! Das ist ein blödes Bild, zugegeben. Aber wenn man aus Mekka zurückkehrt, fehlt es eine ganze Weile an passenden Worten, und natürlich will man auf die Frage nach der eigenen Befindlichkeit weder stumm bleiben, noch eine Antwort schuldig bleiben. Man muss sich auch bei Freunden nicht wirklich schämen, wenn im Lichte größerer Eindrücke die an die Alltäglichkeit verlorene Sprache zu versagen scheint.
05.03.2008
Üben für den Konfliktfall
Die »industrielle Moderne« war der geistige Überbau des Industriezeitalters mit einer Serie technologischer Revolutionen und der Gewißheit einer prinzipiell grenzenlosen Expansion des Kapitalismus, in einer scheinbar unendlichen Wachstumsspirale. Innerhalb dieser Moderne bildeten sich die eingefahrenen »rechten« und »linken« Politikgleise heraus, die jedoch, für immer mehr Menschen spürbar, ausgefahren sind. (...) (Andrea Ypsilanti im Interview mit der "Zeit") Der 11. September gilt in diesem Jahrhundert praktisch als der "Konfliktfall" schlechthin.
02.03.2008
Konfliktfälle
"Der Terror setzt die berechenbaren Maßstäbe des bürgerlichen Lebens außer Kraft, verbreitet Angst und Mißtrauen, weil er jederzeit und überall zuschlagen kann und jeder Bürger potentiell Terrorist sein könnte". (Otto Depenheuer, aus: Selbstbehauptung des Rechtsstaates) Der 11. September gilt in diesem Jahrhundert praktisch als der "Konfliktfall" schlechthin und hat eine stürmische Debatte ausgelöst, wie weit der Rechtsstaat im Extremfall gehen kann und darf.
25.02.2008
Koalition der Angst
Es war eine harte Abrechnung erwartet worden, führende Genossen warfen Kurt Beck vor, sein Liebäugeln mit der Linken in Hessen habe der Partei bei der Hamburg-Wahl geschadet. Nun aber steht er gestärkt da: Die Parteispitze hat seinen Kurs gebilligt. (DER SPIEGEL, am Montag nach der Wahl) Medien, so ist zumindest die allgemeine Auffassung, können keine Skandale erfinden, sie können aber banale Fakten zu Skandalen aufbauen. Das gilt vor allem dann, wenn wichtige Medien zusammenarbeiten.
20.02.2008
Untergang?
"Gibt es Parallelen zwischen Osama Bin Laden und Klaus Zumwinkel?" Maybrit Illner in Berlin-Mitte Kurt Beck ist ein politisches Schwergewicht und ein Instinktpolitiker. Im Stern attackiert er das kleine Liechtenstein, dass für ihn eine neue Form des Raubrittertums darstellt. "Bankraub ist eine Unternehmung von Dilettanten. Wahre Profis gründen eine Bank", zitiert der SPD-Vorsitzenden in einem Nebensatz sogar den guten alten Bertolt Brecht.
14.02.2008
Freudenfest
Das letzte große Freudenfest in der Köln-Arena war der Sieg der Deutschen bei der Handballweltmeisterschaft. Am vergangenen Sonntag gab es dort einen Event der besonderen Art: der türkische Regierungschef Erdogan ließ sich von 20.0000 in Deutschland lebenden Menschen mit türkischem Hintergrund wie ein Star feiern. Schon allein die Begeisterung für den populären Erdogan war vielen konservativen Politiker in Deutschland unheimlich, auch, weil es bei ihren eigenen Großkundgebungen eher nüchtern zugeht. Die Begeisterung bei Merkel und Huber hält sich bei ihren Reden doch sehr in Grenzen.
28.01.2008
Beben an der Börse
"Islamische Konzepte unterscheiden sich vom Kapitalismus durch ihren Widerspruch zu exzessiver Anhäufung von Wohlstand. Sie sind aber auch im Gegensatz zum Sozialismus, weil das Recht auf Eigentum, inklusive des Eigentums auf Produktionsmittel, bestätigen. 
18.01.2008
"Islam ist Islam"
Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan lies sich nicht nehmen, vor der Teilnahme am Forum der Allianz der Zivilisationen in Madrid, die Moschee in Granada zu besuchen. Neben der Teilnahme am Abendgebet informierte er sich ausführlich über die Lage der Muslime in Spanien. In einem Gespräch mit dem Leiter der Gemeinschaft, Hajj Malik Ruiz, fragte er insbesondere nach der Zahl der spanischen Muslime im Land. Spanien gilt im Umgang mit den Muslimen als fair und auch Malik Ruiz äußerste sich zufrieden über die aktuelle Regierungspolitik.
08.01.2008
Islam und Politik
Seit dem 11. September stockt einem dem Atem, wenn man es wagt, Islam und Politik in einem Atemzug zu nennen. Allerdings ist es schwer, diese beiden Elemente chirurgisch voneinander zu trennen. Eine "Freitagspredigt", die zum Beispiel die Mächtigen kritisiert, ist natürlich auch etwas Politisches. Aber auch in der westlichen Welt selbst, ist das Politische längst fragwürdig geworden. Den einen ist dabei das Ende des Politischen Recht, da es mit dem Ende der Geschichte und dem Endsieg der Demokratie und des Kapitalismus einhergeht.
03.01.2008
Politik
Wie ist es möglich, Informationen über die Welt und über die Gesellschaft als Informationen über Realität zu akzeptieren, wenn man weiß, wie sie produziert werden?" Niklas Luhmann Es gilt als Allgemeingut, dass wir in einem Zeitalter leben, das eher durch die Gesetze der Ökonomie als durch politische Logik gekennzeichnet ist.
28.12.2007
"Babel"
"Mich langweilt es, Leute zu lesen, die Verbündete sind, Leute mit ungefähr den gleichen Ansichten. Wirklich interessant ist es, den Feind zu lesen, denn der Feind durchbricht unsere Verteidigungslinien" (Isaiah Berlin) Alejandro González Iñárritus "Babel" wurde 2006 als moderne Parabel auf den biblischen Turmbau angekündigt und stand in der Gunst der Kritiker, die ihn als einen gelungenen Film über kulturelle Codes und die Schwierigkeiten der (Völker-)Verständigung bewerteten.
18.12.2007
Hadsch
Mehr als zwei Millionen Pilger aus aller Welt haben sich am Dienstag an den heiligen Stätten des Islams in Saudi-Arabien versammelt. Von der Zeltstadt Mina zogen sie zum Berg Arafat. Jeder, der auf der Hadsch war, erinnnert sich in diesen Tagen an seine Hadsch. Die Reise bleibt ein andauernder Quell eigener Reflexion auf den Sinn des Daseins. Obwohl man natürlich mit Millionen anderer Muslime pilgert, ist jeder doch auf seiner eigenen Lebensreise. Die Erfahrungen entsprechen dabei spiegelbildlich dem eigenen Zustand.
12.12.2007
Genug?
Genug von hektischen Großstädten? Neben den großen Metropolen wie Berlin, Paris oder London sind es vor allem auch die kleineren Städte, die den besonderen Charme der unterschiedlichen Kulturräume Europas ausmachen. Im Südwesten Deutschlands gibt es ein berühmtes Beispiel dafür: die Stadt Freiburg. Inmitten der schönen Region Breisgau-Hochschwarzwald leben heute 215.000 Menschen, darunter etwa 30.000 Studenten. Im Sommer ist die Stadt an dem Flüsschen Dreisam zwar vielbesuchte Touristenattraktion, bietet aber dennoch viel Ruhe und süddeutsche Gelassenheit.
06.12.2007
Das große Gelächter
Skandale verlangen große Besetzung. Wolfram Weidner (*1925), dt. Journalist Wortakrobat Roger Willemsen hat seinen Rückzug aus dem Fernsehen damit begründet, dass dort nur noch erscheine, was keine "Relevanz" mehr habe. Diese Einsicht gilt eigentlich auch im Großen und Ganzen beim Thema Islam.
30.11.2007
Diplomat Goethe
Nachdem wir vor 13 Jahren die ersten Besucherguppen durch Weimar geführt hatten, entdeckt auch das Außenministerium mit vorsichtigen Andeutungen die Nähe Goethes zum Islam. Für das Minsterium wird "175 Jahre nach Goethes Tod allmählich klar, wie eng sich Deutschlands größter Dichter dem Orient und dem Islam verbunden fühlte". Immerhin. Auf der Website liest sich in "diplomatischer" Formulierung neuerdings zu Goethe: "Als der berühmte Schriftsteller und Naturforscher Johann Wolfgang von Goethe am 22.
16.11.2007
Auflage
Politisch war schon länger kein klares Konzept mehr zu erkennen. Stefan Aust wirkte ein wenig wie der Karl Lagerfeld des Journalismus. Qualität wich "von der Stange". Man konnte sich vorstellen wie der SPIEGEL-Chefredakteur in seinem Büro saß und gelangweilt die Verkaufszahlen an der Wand betrachtete. Hierher passte auch die Entscheidung das Hauptstadtbüro in die Hände von Gabor Steingart zu legen und damit einen neoliberalen Kurs einzuschlagen. Auch beim Thema Islam ging es weniger um intellektuelle Tiefe.
05.11.2007
Kampf gegen das Recht
Die Lage in Pakistan ist verwirrend. Nach Verhängung des Ausnahmezustandes hat Präsident Musharraf neben dem Krieg gegen den Terror auch den Krieg gegen das Recht eröffnet. Folgt man der abgründigen Logik des modernen Ausnahmezustandes weiter, dann dürfte das "Lager" als weiteres Ordnungsprinzip endgültig etabliert sein. Im Fernsehen sieht man weniger blutrünstige Islamisten als Rechtsanwälte mit Anzügen, die das offensichtliche Unrecht mit lautstarken Protesten quittieren. Die Kommentierung spricht Bände.
26.10.2007
Militärischer Humanismus
Gegenüber dieser Verwirrung lehrt uns das Maß, dass jede Moral einen Teil Wirklichkeit enthalten muss: die reine Tugend ist mörderisch, und das jeder Realismus einen Teil Moral braucht: der Zynismus ist auch mörderisch. Deshalb ist das humanitäre Geschwafel nicht begründeter als die zynische Provokation. Albert Camus (Der Mensch in der Revolte) Es gibt in der politischen Terminologie Begriffe, die, weil sie Volltreffer sind, sich durchsetzen. In der aktuellen Ausgabe des "Guardian" definiert Slavoj Zizek den Begriff des "militärischen Humanismus".
22.10.2007
Prangerwebsites
Es ist eigentlich ein Symbol des Mittelalters. Der Pranger, Schandpfahl oder Kaak war das berühmte Strafwerkzeug einer mysteriösen Zeit. In unseren alten Städten findet man dieses überwunden geglaubte Relikt noch in Form einer Säule, einer Plattform oder eines Holzpfostens. Dort wurde der Bestrafte "angeprangert", gefesselt und öffentlich vorgeführt. Zunächst Folterwerkzeug und Stätte der Prügelstrafe, erlangten die Pranger ab dem 13. Jahrhundert weite Verbreitung zur Vollstreckung von Ehrenstrafen. Der Pranger diente den Städten auch als äußeres Zeichen der "öffentlichen" Gerichtsbarkeit.
16.10.2007
Paranoia
"Wir haben eine permanente, schleichende, strukturelle Paranoisierung. Das heißt also, wir denken sozusagen immer im Kopf des verbrecherischen Anderen. Diese Logik, dass wir strukturell paranoischer werden, immer schon den Angriff antizipieren und im verbrecherischen Gehirn des Anderen denken, das führt zu einem Persönlichkeitsumbau bei uns selbst allen. (...) Das ist ein allgemeiner Befund. Jeder Computerfachmann wird ihnen heute sagen, nur Paranoiker können überleben. 
10.10.2007
Zakat - juristische Fragen
Oft hat das richtige Verständnis des Islam auch mit Juristerei zu tun. Wann beginnt der Ramadan? Wer ruft ihn aus? All diese Fragen berühren rechtliche Fragestellungen und unterliegen nicht etwa der politischen Willkür. Manchmal gibt es unterschiedliche juristische Meinungen, andere Dinge sind dagegen völlig klar. Heute erleben wir eine engagierte Debatte über das Kopftuch und streiten lautstark über das ob und wie - eine wirklich zentrale Frage des Islam, die Zakat, wird allerdings kaum diskutiert.
04.10.2007
Verantwortung
Ich habe öffentlich betont, dass der Kampf gegen die Armut die wichtigste Aufgabe des 21. Jahrhunderts ist.” [Horst Köhler bei einer Konferenz zu PRSP in Washington, 17. Januar 2002 ] In Sachen politischer Kultur gibt es in Deutschland normalerweise eine Arbeitsteilung. Die Politik ist zuständig für Moral und Menschenrechte - die Wirtschaft agiert ohne die Fesseln der persönlichen Verantwortung oder ethische Maximen. Beispiele gibt es viele: Politisch ist der Iran Gegner - ökonomisch ist der Iran Verbündeter.
29.09.2007
Konstruktion der Gegensätze
Es gibt überhaupt keinen Grund die Demokratien zu bemitleiden, wenn ihnen Feinde zuwachsen, denn sie sind ihre wertvollsten Verbündete. Wenn wir für das Jahrhundert mit seiner langen marxistischen Ära und seinen neuen Apokalypsen ein Fazit ziehen wollen, so können wir feststellen, daß die Demokratien, mögen sie auch als Nationen manche Schlacht verloren haben, als Repräsentanten eines Systems alle Kriege gewonnen haben. 
25.09.2007
Antisemitismus
Seit der Intensivierung der politischen Debatte über den Islam, ausgelöst durch den modernen Vernichtungswillen des muslimischen Terrorismus, wird der Islam auch immer öfter im Kontext des Faschismus und des Antisemitismus genannt. Den Islam als totalitäre Religion darzustellen, geht einher mit dem durchschaubaren Versuch, den Islam in der Öffentlichkeit als antiquiert, rückwärtsgewandt und gefährlich einzustufen.
16.09.2007
Das Fasten der Könige
Zwischenstopp in Dubai. Die Stadt hat alle Mühe, die stetig wachsenden Ströme von Kunden, Touristen, Verkehr und Daten aufzunehmen. Überall sind Baustellen eingerichtet, um die Adern der Stadt zu verbreitern. Das Ideal der Beschleunigung wird allein durch die Gebetsrufe unterbrochen. Zum Abendgebet wachsen, teilweise zum Preis vollständiger Entschleunigung, die Verkehrsströme noch einmal an, um alle rechtzeitig zum Fastenbrechen ankommen zu lassen. In vielen Häusern stehen im Garten Ramadanzelte.
15.09.2007
Keine Angst
In seinem neuen Buch erklärt Michael Lüders, warum wir „keine Angst vor dem Islam haben müssen“. Der Autor gehört zweifellos zu den wenigen Intellektuellen, die auch einmal kritisch hinterfragen, warum einige hundert muslimische Desperados eine gewaltige Sicherheitshysterie und eine gewaltige Aversion gegen den Islam auslosen konnten. Lüders versucht die historischen, sozialen und politischen Hintergründe herauszuarbeiten.
11.09.2007
Relevanz
"Der Dollar verdient das Vertrauen, weil er es sonst verliert. (...) Der Dollar ist stark, weil nur das gegen seine Schwäche hilft." Die Gefahr eines globalen Crashs ist so groß geworden, dass nur noch Missachtung der Gefahr die Chance wahrt, dass der Crash ausbleiben könnte, so wie er bisher ausgeblieben ist. Die Verbindlichkeiten in der globalen Finanzwirtschaft sind diesem Verhaltensmuster nachgebildet. 
05.09.2007
Paranoia
Im ZDF kam gestern Abend eine Sendung über alternative Medizin. Man stellte dort fest, dass beispielsweise bei der "Ayuverda Therapie" die meisten Westler nur die Therapieansätze annehmen, die angenehm erscheinen. Alle anderen unangenehmen Aspekte werden verdrängt oder ignoriert. Dieser Ansatz aus dem Supermarkt der Esoterik erinnert mich an die Voraussetzungen für die Begegnung mit dem Islam. Den Islam, so Allah in der Sura Al-Baqara, muss man als Ganzes akzeptieren. Ein Subjekt kann weder den Islam alleine deuten, noch Jahrhunderte alte Lehren privatisieren.
02.09.2007
Die Dichter und der Islam
Kurzvortrag im Islamischen Zentrum Wolfsburg am Sonntag, anläßlich des einjährigen Bestehens der Moschee: Meine verehrten Damen und Herren, Natürlich muss ich beim Vorhaben, das Verhältnis der deutschen Dichter zum Islam in 20 Minuten vorzustellen, scheitern - das heißt aber zumindest schon einmal, dass dieses Verhältnis zwischen den deutschen Dichtern und dem Islam grundsätzlich da ist - es ist nur viel zu komplex, zu vielschichtig und in wenigen Minuten natürlich nicht einfach zusammenzufassen.
27.08.2007
Schwarzes Loch
"Aber wenn man jetzt das Problem löst, wenn man Schaden von dem Land abwendet, dann ist es natürlich ein bisschen grotesk, zu sagen, dann musst du dafür zurücktreten" Georg Milbradt im Deutschlandfunk. Ist das Wort "Casinokapitalismus" polemisch? Wohl kaum, wenn man die deutsche Bankenlandschaft etwas näher studiert. Allerdings gibt es auffallend wenig analytische und ganz wenig kritische Artikel. Warum? Ganz einfach: Es versteht keiner, was da alles passiert. Die Fakten sind simpel: Es ist eine Riesenpleite.
20.08.2007
Religion machen
Der Druck auf alle Religionen, ihre überlieferten Formen aufzugeben und sich den menschlichen Erwartungen anzupassen, ist enorm. Gleichzeitig herrscht auf dem Markt der globaliserten Religionen die Qual der Wahl. Die Kirchen werden immer leerer, auf der anderen Seite wird in Deutschland das Oberhaupt der tibetischen Buddhisten, der Dalai Lama, neugierig beschnuppert. Während die Säkularisierung im Alltag ungehemmt voranschreitet, scheint das Bedürfnis nach religiöser Spiritualität gleichzeitig wieder zu wachsen.
13.08.2007
Soziale Plastik
„Durch Menschen bewegen sich Ideen fort, während sie in Kunstwerken erstarren und schließlich zurückbleiben.“ Joseph Beuys Wie schon im letzten Jahr haben wir in Köln Ehrenfeld einen muslimischen Markt, zugunsten der bosnischen Gemeinde, organisiert. Das Projekt ist im Grunde eine Art soziales Experiment: kann der Markt Harmonie stiften zwischen Muslimen, Nicht-Muslimen, Händlern, Musikern, Nachbarn? Die Antwort ist ja. Im Vorhof der bosnischen Moschee treffen sich zwar naturgemäß keine Menschenmassen, aber immerhin, eine soziale Plastik entsteht.
01.08.2007
Die Retter der Welt
«Ausgerechnet der skrupellose Murdoch bestimmt jetzt über das "Wall Street Journal", Hort der unbestechlichen Berichterstattung und scharfen Kommentare. So lautete der Tenor in den Medienberichten. Die Sorge um den Konkurrenten hat einen tieferen Grund. Die Eigentümerstruktur von Dow Jones sollte dem "Wall Street Journal" einen Schutzwall bieten. Das ist nichts Unübliches, die "New York Times" oder die "Neue Zürcher Zeitung" kennen ähnliche Konstrukte. Murdoch hat gezeigt, dass diese Vorkehren kaum große Wirkung entfalten. 
27.07.2007
Die Retter der Welt
"Die Wucht der Bewegung der Erdenretter hat auch etwas Religiöses" (DER SPIEGEL) "Die Retter der Welt" so heißt eine neue "SPIEGEL"-Serie, die, entsprechend des etwas menschenlastigen Weltbildes, große Hoffnung in einen neuen "Übermensch" legt, der mit titanischen finanziellen Möglichkeiten die Welt erretten soll. Im beiliegenden Werbetext sieht man eine menschliche Hand, die den Planeten in der Hand hält. Darunter heißt es erläuternd: "In der Vergangenheit waren es Romantiker und Moralisten, die sich um die Welt sorgten.
23.07.2007
Erdogan
Zweifellos ist die Türkei nicht nur ein Bindeglied zwischen Asien und Europa, sondern auch ein Ort, an dem immer wieder Weltpolitik geschrieben wird und wurde. Das Land steht dabei nicht nur unter seismographischer, sondern auch unter politischer und ökonomischer Spannung. Unter diesen Verhältnissen ist eine Politik des Mittelweges vernünftig und die Vermeidung von Extremen ratsam. Tayyip Erdogan ist nicht nur selbst besonnen, er verkörpert auch diesen notwendigen Mittelweg und hat zu Recht die große Mehrheit der Bevölkerung hinter sich versammelt.
19.07.2007
Wahrheit - ein schweres Geschäft
"Am Ende siegt immer die Wahrheit. Doch leider sind wir erst am Anfang", hat einmal ein kluger Kopf formuliert. Die Wahrheit zu suchen ist nicht nur eine Kernbeschäftigung des Menschen, sondern auch ein schweres Geschäft. Die öffentliche Meinung ist heute bei Themen, die eigentlich eine ausführliche Beschäftigung und originäre Urteilskraft erfordern, so auch dem Islam oder der Globalisierungsbewegung, leicht zu manipulieren. Ein gutes Beispiel ist der G8-Gipfel in Heiligendamm. Heute ist man auch hier klüger, auch wenn es nur noch wenige interessiert.
10.07.2007
Verschärfungsrhetorik
Baden-Württembergs Justizminister Ulrich Goll (FDP) hält den jüngsten Anti-Terror-Vorstoß von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) für "Verschärfungsrhetorik". Diese sei "weniger in der Sache begründet, als politisch motiviert", sagte der FDP-Politiker in einem Gespräch in Stuttgart. Der CDU-Politiker hatte einen neuen Straftatbestand der Verschwörung vorgeschlagen und auch eine gezielte Tötung von Terroristen in Erwägung gezogen. Der Minister denkt außerdem an Auflagen für Gefährder, die nicht abgeschoben werden können.
02.07.2007
Leitkultur
Seit nicht unerheblicher Zeit raunt es im deutschen Blätterwald und in Teilen der Öffentlichkeit über eine vermeintliche, bevorstehende Übernahme unseres Landes durch eine Horde Fremder, die unsere schöne Leitkultur zu zerstören suchen. Wörter wie "Eurabien" machen schnell die Runde und so fügte sich zusammen, was eigentlich nicht zusammen gehört: Altlinke und Neurechte, Nationalfeministinnen und Kirchenväter. Zu den ausgesprochenen wie vernehmbaren Stimmen, die sich hier substanziell in eine andere Richtung hin positionieren, gehört der Schriftsteller Feridun Zaimoglu.
26.06.2007
Reise nach Mostar
Fährt man die Strecke von Deutschland nach Sarajevo mit dem Auto so sieht man anschaulich die verschiedenen Entwicklungsstufen nach dem Fall des Kommunismus in Südosteuropa . Slowenien ist Mitglied in der EU, Kroatien steht kurz davor und an der Grenze zu Bosnien-Hercegovina endet die Autobahn und eine kleine Landstraße führt durch den serbischen Teil Bosniens. Am Wegesrand stehen nicht nur zerbombte Häuser, neue Kirchen, sondern auch kleine, neu aufgebaute Moscheen, deren Minarette - als wäre nichts geschehen - wieder in den blauen Himmel ragen.
20.06.2007
Besuch aus dem Kosovo
Der Mufti des Kosovos, Dr. Naim Trnava, hat auf seinem offiziellen Deutschlandbesuch auch uns besucht. EMU hat bereits im Jahr 2006 den Kosovo besucht und organisiert seit dem einen jährlichen Jugendaustausch mit türkischen, albanischen und europäischen Jugendlichen in Istanbul.Das EMU Regionalbüro in Sarajevo und Kosovo und die EMU Vertreter Erdin Kadunic und Xhabir Hamiti - stehen dabei in regelmäßigen Kontakt. Beide Seiten vereinbarten nun eine weitergehende Kooperation, die auch das öffentliche Bewusstsein stärken soll, dass der Balkan und die europäischen Muslime zu Europa gehören.
09.06.2007
Politmarketing
Klimaschutz durchgesetzt. Mehr Geld für Afrika. Bush und Putin versöhnt. BILD ernennt Merkel zur Miss World Schlagzeile der Bild-Zeitung am 8. Juni 2007 "Ich revoltiere, also sind wir." Albert Camus, Der Mensch in der Revolte "Dummdidi. Tschsch: Und nun pfeifen wir kräftig die Globalisierung aus", ruft eine Frau von der Bühne. Ein paar tausend Protestanten spitzen die Münder. Ein paar andere tausend blicken ratlos um sich. 
05.06.2007
Positionen
Wenn wir über die malikitische Rechtsschule, die asch’aritische ’Aqida, den Tasawwuf oder die Imara der Gläubigen (Imarat Al-Muminin) sprechen, so gehören diese zur marokkanischen Gesellschaft. Und diese Bestandteile haben Marokko in der Geschichte eine innere Stabilität und eine Einheit gegeben. Deshalb betrachten wir die Vorstellung dieser Bestandteile und ihre Verbreitung als eine Hilfe, um in den Angelegenheiten des Din Ausgewogenheit und gegenseitigen Respekt zu fördern. Dies ist es, wofür Marokko bekannt ist, sowohl im Inland als auch im Ausland. 
29.05.2007
Wer hat die Macht?
Nur wenige Tage vor dem Gipfel der G8 in Heiligendamm verschärft sich die Debatte um die Möglichkeiten einer politischen Ausgestaltung der Globalisierung. Die Politik und die globalisierungskritische Bewegung scheint sich dabei gleichermaßen vorzugaukeln, dass sich in Heiligendamm eine Art verschwörerische Weltregierung und ihre Gegner trifft. Die eigentlichen Fragen, die sich stellen, sind aber subtiler.
23.05.2007
Angst
Angst haben wir alle. Der Unterschied liegt in der Frage: wovor? Frank Thieß (1890-1977), dt. Schriftsteller "Die Politik der Angst hat sich 2006 verfestigt. Sie schafft eine gefährlich polarisierte Welt", sagte amnesty international (ai) anlässlich der Vorstellung des ai-Jahresberichts 2007. "Angst ist eine treibende Kraft der Weltpolitik geworden", sagte Barbara Lochbihler, Generalsekretärin von ai Deutschland. "Viele Menschen haben berechtigte Furcht vor Anschlägen oder Überfällen.
08.05.2007
Karma
"Es gibt keinen Markt. Das ist die größte Lüge, daß es einen Markt gibt. Was die großen Konzerne wollen, ist doch nicht der Markt. Sie wollen den Markt beherrschen, das ja. Aber was soll das denn für ein Markt sein, wenn die Amerikaner, die immer vom Markt reden, ihre Farmer so hoch subventionieren, daß ihr Produkt billiger wird, als das eines Afrikaners, der am Tag nicht einmal einen Dollar verdient? Was soll denn das für ein Markt sein, wenn beispielsweise Bill Gates, der reichste Mann der Welt, 90 Prozent der Computerwelt beherrscht? Das ist ein Monopol, aber kein Markt. 
04.05.2007
"Business-Kleidung"
Was nicht im Menschen ist, kommt auch nicht von außen hinein. Wilhelm von Humboldt (1767-1835) Interessante Post bringt meine Tochter von der Schule, dem Städtischen Gymnasium mit. "Sehr geehrte Elten", heißt es dort mit freundlich bestimmten Ton. Im Brief wird auf die drohende Einführung einer Schuluniform hingewiesen. Die Begründung liest sich spannend: "Die Mode der letzen Jahre hat es mit sich gebracht, dass vor allen Dingen die Mädchen zum Teil in unangemessener Weise gekleidet in die Schule kommen.
26.04.2007
Einheit?
Die Einheit der Muslime ist ein großes Wort und wird in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen bemüht. Es hat auch eine nicht ganz zu unterschätzende Umkehrwirkung - wer die Einheit “politisch” postuliert, wird versuchen, jeden der sich gegen diese politische Machenschaft stellt, als “Gegner der Einheit” ins Abseits zu stellen. “Wer nicht für uns ist, ist gegen uns” heißt es recht schnell in dieser Art des politischen Denkens.
16.04.2007
Herr Filbinger, Herr Oettinger
Seine Tätigkeit als Marinerichter während des Nationalsozialismus hat den früheren baden-württembergischen Regierungschef Hans Filbinger (CDU) vor beinahe 30 Jahren das Amt gekostet. Über seinen Tod hinaus sorgt nun eine "Verteidigungsrede" von Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) für Diskussionen. Oettinger stellte Filbinger in seiner Traueransprache als Gegner des Nationalsozialismus dar und muss sich nun heftige Kritik dafür anhören. Filbinger war am 1. April im Alter von 93 Jahren in Freiburg gestorben. Am 7.
06.04.2007
Statische Kraft des Gleichgewichts
Doch wer extrem ist, hat schon die statische Kraft des Gleichgewichts verschenkt: Es gelingt ihm sicher bei denjenigen Panik zu schüren, die auf seiner Wellenlänge sind (angesichts des heutigen Nihilismus sind das nicht eben wenige); bei den anderen (auf die es uns ankommt) jedoch dürfte er mit seiner monomanen Häufung von grotesken Schocker-News (siehe sein "Archiv") eher das Gegenteil erreichen. Denn auch hier gilt: Weniger ist oft mehr. 
31.03.2007
Kuala Lumpur
Auf dem Weg vom Flughafen in die Innenstadt Kuala Lumpurs zeigen sich ganz automatisch Nebenaspekte modernen Lebens. Der alltägliche Stau gehört heute zum Alltag und kommt berechenbar und pünktlich wie - zumindest früher - der Regen in der Regenzeit. Mein Taxifahrer hat wohl auch deswegen eine bewundernswerte Spiritualität entwickelt. Die 2 Stunden Fahrzeit an diesem Morgen überbückt er damit, einige fröhliche Familiengeschichten zu erzählen.
24.03.2007
Leipzig
Die Leipziger Messe ist ein beinahe sakral wirkender, monumentaler Bau und seit dem Beginn der jährlichen Buchmesse - Herberge für tausende Neuerscheinungen -, die hunderte große und kleine Verlage anbieten. Irgendwo in Halle drei habe ich die Gelegenheit, mein eigenes Büchlein vorzustellen. Es sind einige politische Notizen aus dem Jahr 2005, die unter dem Titel "Islam in Deutschland", erschienen im Spohr Verlag, zusammengefasst wurden. Das Tagebuch versteht sich als vorsichtige Andeutung, worin die eigentliche Relevanz und Brisanz des Islam hier in Europa und in dieser Zeit liegen könnte.
10.03.2007
"Ohne den geringsten Respekt für die Privatsphäre"
Wir leben nicht mehr in Zeiten, wo man seine Privatsphäre mit dem Hochholen der Zugbrücke sichern konnte. "My home is my castle" - dieser Grundsatz gilt schon lange nicht mehr. Moderne Technik ermöglicht Sicherheitsbehörden eine beinahe umfassende Überwachung des Einzelnen. Die diversen Überwachungstechniken entwickeln sich stetig weiter und schaffen im Kampf gegen Extremisten, Verbrecher und Steuersünder eine neue gesellschaftliche Realität. Die gesetzlichen Vorschriften sollen, zumindest theoretisch, die fließenden Grenzen staatlicher Befugnisse definieren.
03.03.2007
Verteidigung der Meinungsfreiheit
Die eigentliche Folge der Debatte um den verurteilten Terroristen und politischen Extrem-Außenseiter Klar ist die verstärkte Tendenz in der Öffentlichkeit den "Kapitalismus" und die "Verfassung" nunmehr gleich zu setzen, während die Verfassung aber tatsächlich nur das Eigentum schützt. Der Geschäftsführer der Linksfraktion im Bundestag und frühere SPD-Mitglied, Ulrich Maurer, verwies im Fernsehsender N24 auf diesen wichtigen Zusammenhang: »Der Kapitalismus steht nicht unter dem Schutz der Verfassung.
28.02.2007
Den Haag
Nach wie vor ist der Bosnienkrieg in den 90er Jahre das Trauma der europäischen Muslime. Ein guter Freund aus Bosnien sieht in dem jüngsten Haager Urteil sogar eine weitere Relativierung der Schuld Serbiens.
22.02.2007
Fragen der Darstellung
Hat der Antiislamismus den Antisemitismus als bedeutendste Haßideologie abgelöst?
Der Eindruck kann entstehen, wenn wir uns die täglichen Nachrichten und Horrormeldungen über »Ehrenmorde«, islamistische Gewalt an den Schulen, die Absetzung von Mozart-Opern und dergleichen vergegenwärtigen. Auch wenn manchmal tatsächliche Probleme aufgegriffen werden: Niemand käme auf die Idee, ähnliche soziale oder individuelle Gewalterscheinungen in der Mehrheitsgesellschaft als »christliche Gewalt« gegen Frauen, Kinder oder Ausländer zu charakterisieren. 
18.02.2007
Moralisches Wohlbefinden
Es ist leichter, ein Liebhaber zu sein, als ein Ehemann und zwar deshalb, weil es einfacher ist, gelegentlich einen Geistesblitz zu haben, als den ganzen Tag geistreich zu sein. Honoré de Balzac (1799-1850) Auf Bild.t-online.de kümmert sich die "BILD" wieder einmal um das moralische Wohlbefinden des Volkes. Neben dem "BILD"-Girl der Woche ("Wer tröstet mich?") steht der CSU-Politiker Horst Seehofer im Mittelpunkt moralischen Urteils.
12.02.2007
Die Einheit von Handlung und Existenz
Aus dem Diwan von Schaikh Muhammad ibn Al-Habib die Qasida "Die Einheit von Handlung und Existenz": Ich fragte mein Herz nach der Nähe meines Herrn, also sagte es: "Es gibt keinen Zweifel darüber, dass Er gegenwärtig ist." Ich sagte: "Was ist falsch mit mir, dass ich Ihn nicht sehen kann?" Und so sagte es zu mir: "Er ist offenbar in dir." Ich fragte: "Dies ist wahrlich erstaunlich - wie kann Er verborgen sein, wenn das Licht doch blendend ist?" Also antwortete es: "Es ist die Illusion, die ein Schleier ist. Und sie übermächtigt jeden einzelnen.
06.02.2007
Klimawandel
"Die Äußerungen des Innenministers verstärken einen Trend, zu dem leider auch einschlägige Stellen des EKD-Textes 'Klarheit und gute Nachbarschaft' vom November vergangenen Jahres beigetragen haben: Die muslimische Minderheit in Deutschland wird stereotypisiert und unter Generalverdacht gestellt. Schäuble verstellt mit seinen Bedrohungsszenarien jegliche Chancen auf einen offenen und gleichberechtigten Dialog. Anstatt klar auf die Unterschiede zwischen Islam und Islamismus hinzuweisen, wird hier bewusst die Angst vor dem Islam als Sinnbild einer diffusen Gefahr geschürt. 
30.01.2007
Fazil Say
"Eigentlich sind Pianisten auch nur Menschen. Aber was für welche! Bisweilen spielen sie so schwindelerregend und gut, dass sie dem Göttlichen nahe sind. So geschah es in der Nacht zum Sonntag, als sich der türkische Pianist Fazil Say bei der großen Gala zu Mozarts 251. Geburtstag im Rosengarten an den Flügel setzte. Mehr wie ein Rockstar war er auf die Bretter geschlürft. Enge Hose. T-Shirt. Schlabberjacke. Say bewegt sich akzentuiert. Es war nicht jeder Ton schön, den er spielte, aber sensationell! Gelebt. Beseelt. Gesungen im doppelten Wortsinn. 
25.01.2007
Erfahrungen
Der Vollzug einer korrekten Hadsch kommt einer "Neugeburt" gleich, heißt es in verschiedenen Überlieferungen. Es ist daher spannend und segensreich, Muslime nach Ihrer Hadsch zu treffen und von ihren Erfahrungen berichten zu lassen. Fast jedes Jahr sendet die Gemeinschaft in Granada eine Gruppe spanischer Muslime auf diese Reise. In diesem Jahr war die Gruppe besonders groß und wird zudem von Teilnehmern aus Deutschland und Südafrika ergänzt. "Es war eine gemeinsame Reise", berichtet mir der Direktor der Moschee in Granada, Hadsch Abdulhasib Castineira.
16.01.2007
Neue Bewegungen
Einem Bericht des „Spiegel“ zu Folge steigt die Zahl der Deutschen, die zum Islam übertreten. So kommt eine vom Bundesinnenministerium in Auftrag gegebene Studie des Zentralinstituts Islam-Archiv Deutschland in Soest zu dem Ergebnis, dass in Deutschland zwischen Juli 2004 und Juni 2005 rund 4.000 Menschen zum Islam konvertierten. Das sind vier Mal so viele wie im Vorjahreszeitraum. Diese Zahlen - die eher konservativ geschätzt sind - zwingen die Regierung, den Islam endlich ernst zu nehmen und nicht nur als „Immigrantenreligion“ zu behandeln.
12.01.2007
Erste Veranstaltung 2007 in Istanbul
Meine einleitende Rede für einen Vortrag von Dr. Mahathir "Die Muslime in Europa" (auf Einladung von EMU) in Istanbul: Dear Tun Dr. Mahathir, Ladies and Gentlemen In the name of the EMU, I would like to warmly welcome all of you to this ceremonial occasion. We are very proud that the first event of the EMU in 2007 is taking place at this excellent venue - here in Istanbul, at the location of the famous bridge between Europe and Asia. I remember at the founding of our union during a conversation with our honorary president, Prof. Dr.
07.01.2007
Einheit?
Die Schwäche der Muslime in Deutschland zeigt sich auch an den großen Feiertagen - wie zum Beispiel am 'Id. Während die islamischen Verbände nach außen hin gerne die "Einheit" als Ziel vorgeben, schaffen sie nach Innen, wenn es wirklich um die innere Einheit geht, leider eher Konfusion. Für die Einheit der Muslime im Lande wäre neben der Aufklärung über die Regeln der Zakat natürlich auch Klarheit über den Zeitpunkt der Feiertage oder den Beginn und das Ende des Ramadan entscheidend.
30.12.2006
2006
Schaut man in diesen Tagen auf das Jahr 2006 zurück, dann sorgt man sich natürlich in erster Linie um die Rolle und Zukunft der Muslime in Deutschland. Glaubt man den Umfragen, so ist die Bevölkerung, was den Islam angeht, eher "negativ" eingestellt. Meiner Erfahrung entspricht dies nicht unbedingt, entdeckt man doch im eigenen Umfeld immer mehr echtes Interesse am Islam. Neulich war ich in einer türkischen Moschee in Berlin zum Tee eingeladen. Mit Hilfe meines Übersetzers kam das Thema "Islam in Deutschland" zur Sprache.
23.12.2006
Der Ort der Lehre
Der große Europäer Rainer Maria Rilke hat einmal gesagt, um die ganze Breite der eigenen Seelenlandschaft erfahren zu können, müsse man einmal Capri gesehen haben. Für Muslime und ihr "In-der-Welt-sein" gilt dieser Satz in Bezug auf ihre einmal im Leben zu vollziehende Reise nach Mekka. Dort erfahren sie die ganze Dimension der Wirklichkeit ihrer Existenz. Dem Geheimnis der Schöpfung, kommt der Muslim im Zusammensein mit Millionen Muslimen näher, Muslime, die alle bewußt nichts mehr haben als das nackte Leben und Allah.
18.12.2006
Bruderkriege
Zu den faszinierenden Begriffsbestimmungen in Ibn Khalduns Muqqadima gehört "Asabiyya". "Asabiyya" ist ein besonderes Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen Muslimen jenseits ihrer Herkunft, ihr Wille, gemeinsame Ziele zu verfolgen. So gesehen ist die aktuellle Lage in Palästina das Gegenteil des organischen Zusammenwirkens von Muslimen. Der Kampf um Macht, Geld und Staat endet im Chaos. Statt muslimischer Solidarität sind nun säkulare und islamische Ideologien am Ruder, die nichts anderes als einen "Bruderkrieg" und "Anarchie" auslösen.
13.12.2006
Zwischen Wirtschaftsmacht und Seelsorge
Der „Katholizismus als politische Form“ lautet eine berühmte Schrift Carl Schmitts, in der er der Kirche eine natürliche politische Substanz zuordnet. Autoritär verfasst, ist die Kirche von Natur aus ein Politikum. Seit Jahrhunderten ist dabei die - je nach Sichtweise - Nähe und Ferne der Kirche zur weltlichen politischen Macht umstritten. Fast schon traditionell wird ihr schleichender Opportunismus gegenüber der politischen Macht vorgeworfen.
05.12.2006
Reich und arm in Europa
Das einzige, was man ohne Geld machen kann, sind Schulden. Heinz Schenk Deutschland - ein reiches Land? Hier muß man differenzieren und wird wohl auch hier den allgemeinen globalen Trend feststellen müssen: Arme werden ärmer, Reiche werden reicher. Das Vermögen der Privathaushalte ist nach einer UN-Studie weltweit sehr unterschiedlich verteilt: Das reichste eine Prozent der Weltbevölkerung besitzt demnach 40 Prozent des Geld- und Immobilien-Vermögens. Den reichsten 10 Prozent gehören 85 Prozent.
27.11.2006
Generalplan
"Ratzinger wäre falsch interpretiert, wenn man ihn als Antidemokraten beschriebe. Er plädiert für eine christliche Demokratie. Ich würde das übersetzen in ein Theorem, an dem ich seit längerer Zeit arbeite: Was uns demnach bevorsteht, ist die globale Wende in den 'autoritären Kapitalismus' - und zwar auf der Grundlage eines neo-autoritären Werte-Denkens. Ratzingers Visionen lassen sich mühelos in einen solchen Kontext einordnen. Das 21. Jahrhundert wird zum Labor des Neu-Autoritarismus, das heißt des Kapitalismus, der die Demokratie nicht mehr nötig hat.
20.11.2006
Macht und Geld
Ein Forscherteam unter der Leitung von Kathleen D. Vohs vom Institut für Marketing der Carlson School of Management der Universität von Minnesota geht im Wissenschaftsmagazin "Science" der grundsätzlichen Frage nach der sozialen Dimension von Geld nach: "Das Konzept Unabhängigkeit erklärt, warum die Menschen Geld gleichzeitig als größtes Gut und größtes Übel betrachten.
15.11.2006
Goethe und der Islam
Dass der Klassiker Goethe und das Thema Islam in unserer Zeit von großem Interesse sind, zeigen die zahlreichen Veranstaltungen zum Thema "Goethe und der Islam". Goethe, der nach eigenen Worten den Verdacht nicht ablehnte, "selbst ein Muselmann zu sein", hatte trotz des negativen Islambilds zu seiner Zeit seine Seelenverwandtschaft zum Islam und seinem Propheten entdeckt. Goethe verfügte schon zu Lebzeiten - in seinen Verfügungen bezüglich seiner Grabstätte - die Verbannung aller christlichen Symbolik.
05.11.2006
Reise im nördlichen Afrika
Hugo von Hofmannsthal Reise im nördlichen Afrika Fez Das Haus, das ich bewohne, liegt am Rande der Stadt, keine hundert Schritt von der hohen alten Stadtmauer, die, mit Zinnen durchaus und je einem Turm alle tausend Schritt, die ganze über zwei Hügel hingestreckte Häusermenge umschließt und die Stadt erst zur Stadt macht, zur gewaltigen, seit tausend Jahren gesicherten, gegen das leere hügelige Land hin, das für die Reisenden und Schweifenden da ist; offen und öde, mit einem weißen rundkuppeligen Heiligengrab da und dort, oder einem einzelnen Baum, oder ein paar erdfarbige
25.10.2006
Rechts
In ganz Europa legen die Rechtspopulisten und Rechtsextremen zu, und in ganz Europa erweisen sich die klassischen politischen Eliten als hilflos. Angesichts dieser bedenklichen Entwicklung wäre es von muslimischer Seite nun angebracht, öffentliche Demonstrationen und Lichterketten der Konservativen einzufordern. Natürlich wissen wir dabei schon, dass die geistige Entfernung Muslim-Terrorist im Prinzip genauso groß ist wie die Entfernung zwischen einem CSU-ler und einem Rechtsradikalen. Aber trotzdem, sicher ist sicher.
21.10.2006
Neue Armut
In Frankfurt (Oder) ist ein Mann verblutet. Das Alter der Täter: 16 und 17 Jahre. Ihre Beute: 3 Euro. Der Tatort: Neuberesinchen. Das Viertel ist bekannt für Armut und Gewalt. Seit Jahren versucht die Kommune, den Niedergang aufzuhalten - mit Sozialarbeit für die, die man erreicht." (taz vom 21.10.2006) Parallelgesellschaft, Gewalt, Erosion der Demokratie - diese Debatten wurden in Deutschland über Monate in Bezug auf den Islam geführt. Doch jetzt holt uns die bundesrepublikanische Realität wieder ein: Armutsdebatte, Kindsmisshandlung, rechter Flügelsturm.
16.10.2006
Sitten
Welt am Sonntag. Einige deutsch-türkische Abgeordnete mit Aufstiegsambitionen aus der 2. Liga des Bundestags fordern die Einhaltung der deutschen "Sittengesetze" und maßen sich nebenbei - gegen die Logik neuerster Untersuchungen über das Denken von Musliminnen - die Interpretationshoheit über das Denken muslimischer Frauen an. Mehmet Daimagüler, Ehrenvorsitzender der Liberalen Türkisch-Deutschen Vereinigung und in besseren Tagen im FDP-Bundesvorstand, sagte zumindest, es gehe "auch um das Anerkennen hiesiger Traditionen und Sitten". Bei uns kann jeder Oberlehrer werden.
10.10.2006
Wichtig, unwichtig
Nein, schlaft nicht, während die Ordner der Welt geschäftig sind! Seid misstrauisch gegen ihre Macht, die sie vorgeben für euch erwerben zu müssen. Wacht darüber, dass eure Herzen nicht leer sind, wenn mit der Leere eurer Herzen gerechnet wird! Tut das Unnütze, singt die Lieder, die man aus eurem Mund nicht erwartet! Seid unbequem, seid Sand, nicht das Öl im Getriebe der Welt! Günter Eich Es sind Themen wie Kopftuch und Religionsunterricht oder Exzesse von Einzelpersonen, die das Thema Islam und Muslime heute bestimmen.
06.10.2006
EMU Erklärung zur Debatte um die Äußerungen des Papstes
Die Regensburger Rede des deutschen Papstes hat in der muslimischen Welt für einige Aufregung gesorgt. Die EMU teilt die Empörung über die Verwendung eines umstrittenen Zitates über unseren geliebten Propheten und ist gleichzeitg froh, dass die europäischen Muslime ihren Unmut gewohnterweise absolut friedlich geäußert haben. In der Sache ist die EMU besorgt, dass der Vatikan wiederholt versucht den Sinnzusammenhang zwischen "Glauben"und "Vernunft" allein dem Christentum zuzuordnen.
29.09.2006
Weltkrieg um Wohlstand
„Mit großer Folgerichtigkeit hat die Mitte, das formloseste der Monstren, das Gesetz der Stunde erkannt und sich zur Hauptdarstellerin, ja zur Alleinunterhalterin auf der posthistorischen Bühne erklärt. Was sie berührt wird sofort wie sie – gutmütig, charakterlos, despotisch. Die Agenten der extremistischen Ungeduld von einst sind arbeitslos geworden, sie bekommen vom Zeitgeist keine Rollen angeboten.“ (P. Sloterdijk, Sein und Zorn) Vorhang zu nach einigen aufregenden Tagen.
26.09.2006
Oper
Vorhang auf zu aufregenden Tagen. Pünktlich zur Islamkonferenz bietet die Berliner Oper passende Begleitmusik. Eine Mozart-Aufführung wird aus Sorge um die Reaktionen radikaler Muslime ausgesetzt. Eine Steilvorlage für alle konservativen Politiker, die - in Zeiten leerer Kassen und sozialer Verrohung - nun ihre neue Lieblingsrolle spielen: die Verteidigung des Abendlandes.
20.09.2006
Politik heute
"Wie oft lese ich einen Artikel oder höre jemanden im Fernsehen und denke: Ach, Kollege, fahr doch mal für eine Woche in ein arabisches Land oder lies mal ein Buch mit zumindest passabler wissenschaftlicher Credibility, bevor du uns hier eine Fatwa über den Islam um die Ohren schlägst. Aber dann denke ich auch: Wenn der wüsste, wie tief das Desaster wirklich reicht! Wie katastrophal etwa der Zustand der Theologie ist!... 
16.09.2006
Päpstliches
[...] Religion ist etwas unendlich Einfaches, Einfältiges. Es ist keine Kenntnis, kein Inhalt des Gefühls [...], es ist keine Pflicht und kein Verzicht, es ist keine Einschränkung: sondern in der vollkommenen Weite des Weltalls ist es: eine Richtung des Herzens. [...] Daß der Araber zu gewissen Stunden sich gegen Osten kehrt und sich niederwirft, das ist Religion. Es ist kaum "Glauben" . Es hat kein Gegenteil. Es ist ein natürliches Bewegtwerden innerhalb eines Daseins, durch das dreimal täglich der Wind Gottes streicht, indem wir mindestens dies: biegsam sind [... 
12.09.2006
EMU Workshop in Bad Honnef
Liebe Gäste, liebe Vertreter des Islam in Europa, es ist mir eine große Freude, Sie alle zu diesem Arbeitstreffen der EMU in Bonn begrüßen zu dürfen. Wir haben uns hier am Rhein in einer der alten Kernregionen Europas getroffen. Man vergisst sehr leicht, dass nur wenige Kilometer von hier eine der großen Feindeslinien Europas verlief, zwischen Franzosen und Deutschen, getrieben von einem Nationalismus, der nun seit einigen Jahrzehnten gottlob überwunden ist. Für viele Generationen vor uns schien dies noch undenkbar.
06.09.2006
Handeln
"Es gibt nichts Gutes außer man tut es". Das alte deutsche Sprichwort gehört zum Gemeingut für alle, die hier leben. Die Organisation eines Marktes dient nicht nur dem Handel zwischen Muslimen und Nichtmuslimen, es ist auch eine segenswerte Handlung an sich. Schon in Madinah war Moschee und Markt ein Sinnzusammenhang. Statt immer nur Theorien auszutauschen, mit Meinungen zu handeln oder die Debatten zu nähren, tut es gut, einmal einen Besen in die Hand zu nehmen, Essen zu verteilen oder herzliche Einladungen an die Nachbarschaft zu vermitteln.
01.09.2006
‘Abdalqadir Al-Dschilani
Das Wissen des Sufismus ist so einfach wie zeitlos. Die Essenz der Erfahrung ist dabei, dass je mehr das "Ich" verschwindet das Göttlich anwest. Diesen Zustand und seine Erfahrungswelten kann man anstreben. Der authentische Lehrer wird dabei keine "Persönlichkeit" sein, der für sich einnehmen will, sondern nur den Weg zu Allah weisen wollen. Ein Spiegel. Schaikh ‘Abdalqadir Al-Dschilani zählte zu den führenden Meistern der gesamten islamischen Geschichte.
28.08.2006
Das kleine Glück
Die Globalisierung, Armut, Terror, wachsende Ängste und gleichzeitig eine schwindende Bedeutung von Heimat, Religion oder Kultur. Tausende Meinungen, Chaos, das Für und Wider der Politik. Die allgemeine Folgenlosigkeit der Überzeugungen. Das kann auch erschöpfen. Viele junge Leute fragen sich also was tun und leiten neuartige Immigrationsbewegungen ein. Neue Trends sind Wandern, virtuelle Freundeskreise, Abschalten und Abschotten, oder eben die Tür hinter der eigenen Welt zumachen.
22.08.2006
Vergessen
Denkbar ist laut EU-Kommission auch eine Art "Positiv-Profil" von Vielfliegern, die freiwillig ihre biometrischen Daten speichern lassen und damit leichter durch Flughafen-Kontrollen kommen könnten. Dies sei eine "interessante Idee", die man weiterdiskutieren werde, hieß es. (Meldung in "Die Presse")Montag, Medientag. Die Bilder, für jeden, der den Islam liebt, wenig anregend. Der Bombenleger aus Kiel wird in den verschiedenen Medienhäusern, je nach Einstellung, als besonders religiös, leicht vertrottelt oder brandgefährlich dargestellt.
17.08.2006
Gemeinsamkeiten?
Doch Allah hat den Handel erlaubt und das Zinsnehmen verboten (Sura Al-Baqara 2: 275)Wie steht es mit den Linken, den Globalisierungskritikern und dem Islam? Reflektionen zu diesem Thema greifen zumeist recht kurz. Olivier Roy sieht in seinem neuen Buch "Der islamische Weg nach Westen" die muslimischen Missionare des Terrorismus, in Anspielung an den Links-Terrorismus, gar schon in der Nachfolge der Ultralinken und Dritte-Welt-Bewegungen im städtischen Milieu: “Al Qaida hat eindeutig einen bestehenden Raum von Anti-Imperialismus und Protest besetzt. 
13.08.2006
Die Moral der Geschichte
Es gibt nicht wenige, die die rückwärtsgewandte Debatte über Günther Grass als typisch deutsch einstufen. Die moralische Integrität der Bundesrepublik lebt nach wie vor nicht unerheblich von der andauernden politischen Abrechnung mit dem Terror der Nationalsozialisten. Es geht um das Engagement des Schriftstellers als 15-jähriger bei der verrufenen Waffen-SS, die zweifellos einer der Pfeiler der Vernichtungsmaschinerie der Nazis war.
07.08.2006
Extreme
«War es nicht schon ein Fehler, dass wir zu Beginn des Irak-Kriegs nicht genug Sunniten getötet haben, um sie ausreichend einzuschüchtern?» John Podhoretz in der «Washington Times».Naturgemäß interessieren sich Massenmedien für extreme Meinungen aus dem Freund-Feind-Verhältnis, die sich gut verkaufen lassen. Diese extremen Positionen aus dem politischen Feld schaukeln sich natürlich mit Leichtigkeit gegenseitig auf. Die Wirkung für die Masse der Muslime ist fatal: Entweder man hört Stimmen der modernen Ideologen oder aber die Gegenbewegung: die Stimmen moderner Esoteriker.
01.08.2006
Wesensverwandtschaft
Der Konflikt im Libanon wird heute so professionell wie faktenreich in den Medien präsentiert. Die Mischung aus Internet, Printmedien und Fernsehen moderiert den unsichtbaren Kampf um die öffentliche Meinung. Alle Informationen und Bewertungen, die alle irgendwie richtig, aber auch erklärterweise immer subjektiv und daher niemals nachvollziehbar wahr sein können, schaffen die Relativierung jeder Möglichkeit von Wahrheit und damit jeder geistigen Konsequenz.
27.07.2006
Lafontaine
In der Auseinandersetzung mit der Linkspartei zeigt sich die Angst der Staaten vor dem destruktiven Potential ökonomisch bedrohter Massen. „Abgeordnete müssen Verfassungsschutz überwachen - nicht umgekehrt!“, polterte unlängst Oskar Lafontaine. Der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag hatte die gelangweilte Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage zur Überwachung von Abgeordneten (die Opposition) durch den Verfassungsschutz verurteilt. Der Streit ist nicht banal. Lafontaine rührt vielmehr an einer grundsätzlichen Frage.
22.07.2006
Eskalation
Der Nahostkonflikt eskaliert. Die deutsche Politik hat sich in die Sicherheit des Schweigens verabschiedet. Die deutschen Medien funktionieren zumeist nach der Logik der Lagerbildung: Entweder man ist für den dunklen "Hizbollah-Terrorismus" oder man steht eben stillschweigend für eine Politik der Eisernen Hand, die sich durch die Behauptung die globale Verbreitung von Menschenrechten und Demokratie zu vollziehen, beinahe religiös verklärt. Heute sind Krieg und Frieden kaum noch unterscheidbar.
16.07.2006
Maßlos
Entwicklungsminsterin Wieczorek-Zeul hat dem in Berlin erscheinenden "Tagesspiegel am Sonntag" mitgeteilt: "Dass mittlerweile zivile Einrichtungen und Zivilisten in einem anderen Staat bombardiert werden, ist völkerrechtlich völlig inakzeptabel". Von ihrem Schreibtisch in Berlin aus forderte die SPD-Politikerin die israelische Regierung auf, "alles zu tun, die Zivilbevölkerung zu schützen". Kurzum, die Politikerin gehört zu denjenigen, die angesichts asymetrischer Opferzahlen und dem Leid der Bevökerung auf beiden Seiten die Verhältnismäßigkeit der Aktionen anmahnen.
11.07.2006
Die Überhöhung des Fussballs
Als Materazzi ihm etwas hinterherrief, explodierte etwas in Zidane, was nicht hätte losgehen dürfen. Trotzdem ist er kein Selbstmordattentäter.DER SPIEGEL Die Weltmeisterschaft ist vorbei. Die Fahnen sind eingeholt. Was bleibt neben den dynamisierenden Effekten und der schwäbischen Akribie eines Jürgen Klinsmann oder der in der Niederlage Trost spendenden bayrischen Gelassenheit Franz Beckenbauers? Vermutlich das eindrucksvolle Schauspiel, dass sich in unseren Städten hinter dem deutschen Team wirklich alle Deutschen versammelt haben.
08.07.2006
Schlappe
Ein Gericht beendet endlich die einseitige und anmaßende Deutungshoheit von Annette Schavan. Das Verwaltungsgericht Stuttgart hat einer muslimischen Lehrerin das Tragen eines Kopftuchs während des Unterrichts erlaubt. Eine gegenteilige Anweisung des Landes Baden-Württemberg verstoße in ihrem Fall gegen den Gleichheitsgrundsatz im Grundgesetz und gegen die EU-Menschenrechtskonvention, urteilte das Verwaltungsgericht am Freitag. Die 1984 zum Islam übergetretene 55-jährige Deutsche, die seit 1976 an einer Stuttgarter Grund- und Hauptschule unterrichtet, hatte gegen die Landesanweisung geklagt.
20.06.2006
Farinet oder das falsche Geld
Die Regierung sagt euch: "Dieses Stück hat soviel gegolten; nun, von jetzt an gilt es soviel...". Das ist vorgekommen, das kann wieder vorkommen. Da ist Farinet anständiger als die Regierungen, ihm zahlt man das, was an dem Geld dran ist, ihnen zahlt man, was draufsteht...". (Ramuz, Farinet oder das falsche Geld) In der Schweiz gibt es nicht nur die größten Banken der Welt, sondern mit Jean Ziegler auch einen harten Kritiker der modernen Kosmokraten und ihrer globalen Machenschaften.
14.06.2006
Pflegelager
Agambens Theorie vom Lager als integriertem Bestandteil der Moderne kann natürlich nicht nur auf die "politisch motivierten" Lager reduziert werden. Das Lager kann phänomenal in verschiedenen Strukturen auftreten, dem Prinzip nach also überall und jederzeit. Man kann nur ahnen, wie es heute in den gesellschaftlichen Institutionen, wie Gefängnisse, Asylantenheime oder Altersheime beispielsweise in den osteuropäischen Ländern zugeht. Ein Heim mit mittellosen Alten kann jederzeit zum Lager mutieren.
10.06.2006
Wirklichkeit
Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen! Sprich: Es ist der eine Gott, Der ewige Gott ; er zeugt nicht und wird nicht gezeugt, Und keiner ist ihm gleich. (Koran 112) "Nichts ist so unglaubwürdig wie die Wirklichkeit", hat Dostojewski einmal festgestellt und damit auf die Fragwürdigkeit menschlicher Zeugnisse angespielt. Dieser Aspekt, insbesondere der moderne Zweifel an der Existenz von Wahrheit überhaupt, wird im medialen Zeitalter verschärft, wo man sich sozusagen virtuell und nach Belieben eine passende Wirklichkeit zusammenstellen kann.
06.06.2006
Im Weltstaat
Die Frage: "Wo stehen wir heute? fordert zunächst die Gegenfrage heraus: "Stehen wir denn überhaupt? Offenbar befinden wir uns in Bewegung und zwar in einer Form der Bewegung, die sich weder als Gehen und Schreiten noch gar als Wandel bezeichnen läßt. Die Bewegung vollzieht sich vielmehr seit geraumer Zeit accelerando: in wachsender Beschleunigung. (Ernst Jünger; Der Weltstaat)Der Schriftsteller und Philosoph Ernst Jünger beschrieb in einer vielbeachteten Schrift aus dem Jahre 1960 den „Weltstaat“.
01.06.2006
Die Krise des "türkischen" Islam
Der charismatische türkische Premierminister Tayyip Erdogan gehört wohl zu den beliebtesten Politikern in der Türkei. Sein Einfluss ist auch bei deutschen Muslimen groß. „Fast alle türkischen Vereine in Deutschland sind sich einig, dass in Deutschland die Ausgrenzung von Ausländern zunimmt“, sagte Erdogan nun der "Finanical Times Deutschland" (FTD) und fügte hinzu: „Ich bin sehr traurig, dass diese Ausgrenzung in dem wichtigsten Land Europas passiert, gerade zu einer Zeit, in der wir versuchen, die Kulturen zueinander zu bringen.
28.05.2006
Politik muss um Vorrang vor Wirtschaft kämpfen
Die Frage nach der Macht nationaler Demokratien wird immer wieder gestellt. Lässt sich der heutige globale Kapitalismus noch mit demokratischer Repräsentation verbinden? Für viele Europäer ist die Antwort nein. Ökonomische Grundentscheidungen von IWF oder WTO sind strukturell nicht demokratisch verfasst. Vizekanzler Franz Müntefering (SPD) steht bekannterweise dem Verhältnis von Politik und Wirtschaft vor dem Hintergrund der Globalisierung durchaus kritisch gegenüber.
22.05.2006
Kosovo
"Damit endet definitiv Jugoslawien." (Dusan Janjic, Belgrader Politologe)Die Unabhängigkeit Montenegros ist das Ende aller großserbischen Träume. Die Signalwirkung ist klar: Auch der Kosovo wird unabhängig werden. In Prishtina ist die Entschlossenheit zu spüren, dass eine gemeinsame, staatliche Zukunft mit den Serben nicht denkbar ist. Die Muslime in der Region sind dabei ein wichtiger Faktor, dass der radikale Nationalismus in Zukunft auf keiner Seite eine Chance hat.
16.05.2006
Dienste
"Die Sicherheitsgründe, die zu ihrer Rechtfertigung angeführt werden, dürfen uns nicht verwirren. Die Erfahrung lehrt, dass Praktiken, die anfangs nur den Ausländern galten, allmählich auf alle übertragen wurden. Die Frage, um die es geht, ist das neue "normale" biopolitische Verhältnis zwischen Bürger und Staat. Es geht nicht mehr um die freie und aktive Teilhabe an der politischen Ebene, sondern um die Aufnahme und Erfassung des privatesten und unmittelbaren Elements: das biologische Leben der Körper. 
10.05.2006
Einzelgänger, Einzelfälle
Oft genug müssen wir Muslime in Deutschland die Verantwortung für Einzelfälle oder Handlungen von Einzelgängern übernehmen. Es ist keine Frage, dass wir Muslime bevorzugt in Gemeinschaft leben. Der einzelne Muslim kann nicht - sozusagen als Qadi, Schaikh und Amir, alles in einer Person, den Islam für die Muslime definieren. Gerade die Extremfälle der letzten Zeit zeigen auch fast immer, dass hier EinzelgängerInnen, losgelöst von einem islamischen Kontext, agieren. Das Problem ist heute, dass die meisten Gemeinschaften allerdings nicht allzu viel Orientierung geben.
06.05.2006
Deutsch sein
Wenn man irgendwo wirklich zuhause sein will, sind auch Sprachkenntnisse vonnöten. Das ist zunächst nicht anderes als eine Binsenweisheit. Aber nicht unbedingt in Europa. Die deutsche Sprache, aber eben nicht die Rasse, als die Grundvoraussetzung Deutscher zu werden und zu den Deutschen zu gehören, ist ein gewaltiger Fortschritt. Darüber hinaus ist es die islamische Position, die Identität eines Menschen allein an seine Sprache zu binden. Die Forderung der Bundesregierung nach ausreichenden Sprachkenntnissen für die Einbürgerung ist aus meiner Sicht also durchaus legitim.
03.05.2006
Freier Markt und globale Wirtschaft
Die täglichen grenzüberschreitenden Geldbewegungen sind heute 25mal größer als die grenzüberschreitenden Güterbewegungen. Geld wird nicht mehr nur als Transaktionsmittel benutzt zum Zwecke der Finanzierung, sondern Geld wird gehandelt wie eine eigene Ware. Alfred Herrhausen (1930-89)Das etwas mit unserer globalen Wirtschaft falsch läuft zeigen viele Meldungen dieser Tage. Rund sechs Millionen Kinder und Jugendliche sind nach Angaben des Kinderhilfswerks terre des hommes Opfer von Sklaverei.
28.04.2006
Der politische Kapitalismus
"Kapitalistische Totalisierung ist nicht möglich ohne eine entsprechende Mobilisierung." R.Kurz Wir leben in Zeiten, in denen man es auch mit einfach gestrickter Polemik in die Süddeutsche schafft. Wichtig nur, man muss, wie es Daniel Goldhagen heute in der SZ tut, mit düsteren Worten den drohenden Weltuntergang beschreiben, die Gestalt eines politischen Islam skizzierend, der säbelrasselnd und unter der Führung des Iran und der Hamas demnächst mit Atombomben um sich wirft.
24.04.2006
Respekt vor dem Schöpfer
An dem Tage, an dem jede Seele vorfinden wird, was sie an Gutem und was sie an Bösem getan hat, wird sie wünschen, daß zwischen ihr und ihm eine große (zeitliche) Entfernung wäre. Und Allah warnt euch vor Sich Selber. Doch Allah ist überaus gütig gegen Seine Diener. (3/30; Al Imran)Sie haben offensichtlich keine Furcht vor dem Tod - aber auch keine Furcht vor dem Schöpfer. Der private Feldzug einiger Hundertschaften muslimischer Terroristen befindet sich im offenen Widerspruch zum islamischen Recht.
19.04.2006
Hochzeit mit der Moderne?
"Die Person die einen Fuß auf diesen Weg setzt ist wie ein Stern. Derjenige der auf dem Weg fortgeschritten ist, ist wie ein Mond. Derjenige der Wissen von Allah erlangt hat ist wie eine Sonne. Aber derjenige, der keinen einzigen Fuß auf diesen Weg gesetzt hat ist wie ein Stein." (Imam al-Ghazali)Ein neues Buch von Katajun Amirpur und Ludwig Ammann (Hrsg.
13.04.2006
Konservative Politik
Der Untergang des Abendlandes: viele Konservative fürchten ihn so, daß sie ihn nur zu gern einmal haben würden, damit sie wissen, ob er nicht doch konjunkturbelebend ist. Herman Ridder (1851-1915)Auf der bekannten Computermesse CEBIT in Hannover kam es neulich zu einer Begegnung von Journalisten mit dem deutschen konservativen Innenminister Schäuble. Das Gespräch verlief angesichts der europäischen Tagespolitik durchaus typisch und kreiste um die Notwendigkeit neuer Sicherheitsgesetze, das Problem der Immigranten, und damit letztlich auch um die Rolle des Islam in Europa.
08.04.2006
Muslime und moderne Ideologien
Europa in Trümmern. Der Zweite Weltkrieg hatte nicht nur Millionen Menschen den Tod gebracht, sondern mit dem Holocaust und den Lagern der Nazis auch ein Mahnmal der zynischen Massenvernichtung hinterlassen. Das Postulat Carl Schmitts, das Wesen des Politischen sei die Unterscheidung zwischen Freund und Feind, und die berühmte Clausewitzsche Formel, der Krieg sei die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln, hatten in die Dynamik des Weltkrieges geführt. Bis heute sieht sich die „deutsche“ Debatte über die Gefahren der modernen Ideologien in der Tradition dieser Ereignisse.
03.04.2006
Die Bestandteile der religiösen Praxis in Marokko
"Freude zu den Gläubigen zu bringen hat einen immensen Lohn"(Schaikh ad-Darqawi)Eine spannende Frage an Muslime ist immer wieder die nach den Grundlagen und Quellen des eigenen Islamverständnisses. Meinung ist das Eine, Wissen das Andere. In einer Zeit in der relativ viel über den Islam debattiert wird, sind Denkregeln und die nachvollziehbare Authentizität der eigenen Lehre besonders wichtig. Der Modernismus hat die Muslime zudem in eine destruktive Dialektik zwischen Extremismus und Esoterik geführt.
30.03.2006
Politisierung des Rechts?
Der Umgang mit den Muslimen in Europa beschäftigt auch immer wieder muslimische Rechtsanwälte. Zu klärende Fragen über den Minderheitenstatus der Muslime in Europa gibt es genug. Ein Problem für Nicht-Muslime ist dabei immer wieder, zu verstehen, dass das islamische Recht eben auch die alltägliche Lebenpraxis wie zum Beispiel das Gebet oder die Zakat regelt. Die Forderung nach der Abschaffung des islamischen Rechts ist genauso absurd wie die Forderung an katholische Christen, das Kirchenrecht aufzugeben.
25.03.2006
Istanbul
Ein verregneter Tag am Bosporus. Die Union der NGOs der islamischen Welt hat zu einem Treffen eingeladen. Die im Jahre 2005 registrierte Initiative versammelt über 100 NGOs aus 40 Ländern. Versammlungsleiter Ismail Kahraman betont, dass es angesichts der harmonischen Anwesenheit vieler Muslime aus aller Welt um die islamische Einheit eigentlich nicht so schlecht bestellt sein kann. Die NGOs erfreuen sich auch in der islamischen Welt wachsender Beliebtheit. Unter den Teilnehmern sind auch viele Stiftungen, die von jeher in der islamischen Welt eine immense Bedeutung hatten.
21.03.2006
Biopolitik und Leitkultur
Die Moskauer Tageszeitung "Kommersant" kommentiert die neuerlichen Unruhen in Frankreich wie folgt: "Unterscheiden sich die heutigen Unruhen im Kern von den Protesten 1968? Überhaupt nicht. Der damalige Kampf mit einer verschlossenen Gesellschaft hat sich jetzt in den Kampf mit einer Gesellschaft verschlossener Türen verwandelt. Das hat nichts mit einem bestimmten Gesetz zu tun. Die Globalisierung, die Türen öffnen sollte, hat sie für viele verschlossen.
18.03.2006
In der Kulturkirche
Ich muss ihnen aber auch von eine Szene in Jordanien erzählen, wo einer das Gespräch unterbricht, geht nach nebenan, breitet sein Gebetsteppich aus und betet, kommt zurück und sagt: „Ich sagte vorhin, es war der 20. Juni 2000, ich muss mich korrigieren, es war der 21.“ Wir wüssten nicht einmal, ob es Juni oder Juli gewesen ist. Die Verpflichtung auf die Wahrheit, und das aus dem Gebet zu entwickeln, empfinde ich als beeindruckend.(Roger Willemsen)Schummriges Licht. Kerzen. „Hier spricht Guantanamo“, wird auf die alten Kirchenmauern der Kulturkirche in Köln projeziert.
14.03.2006
Symbol Milosevic
Patriotismus ist Liebe zu den Seinen; Nationalismus ist Haß auf die anderen (Richard von Weizsäcker) Der russische Symbolist Andrej Belyj beschrieb die Wirkung von Symbolen einmal damit, dass sie am Wegesrand stünden und auf den richtigen Weg wiesen. Insofern ist Slobodan Milosevic ein negatives Symbol, dessen Politik zweifellos auf den falschen Weg führte. Milosevic symbolisiert dabei nicht nur die Abgründe nationalistischer und rassistischer Politik.
11.03.2006
Ankunft in Mekka
Wahrlich, As-Safa und Al-Marwa gehören zu den Kultstätten Allahs; und wer zu dem Hause pilgert oder die 'Umra vollzieht, für den ist es kein Vergehen, wenn er zwischen beiden hin- und herschreitet. Und wenn einer freiwillig Gutes tut, so ist Allah Erkenntlich, Allwissend. [2:158] Jede Ankunft in Mekka ist ein Ereignis. Die Kaaba ist der Orientierungspunkt von Millionen Muslimen in dieser Welt. Praktisch jede Sekunde erreicht dieser Ort neue sichtbare und unsichtbare Wellen der göttlichen Anbetung.
06.03.2006
Gute Nachbarschaft
In mehreren verschiedenen Überlieferungen vom Propheten heißt es auch: „Wer an Allah und den Jüngsten Tag glaubt, der soll seinen Nachbarn ehren.“ In einem weiteren Hadith fragt ‘A’ischa den Propheten, welchen ihrer zwei Nachbarn sie beschenken solle, worauf der Gesandte Allahs antwortete: „Den, der deiner Tür am nächsten ist.“ (Bukhari)„Der Islam wird eine europäische Größe sein“ erwartet Peter Sloterdijk. Genau genommen ist diese unmittelbare Erfahrung mit dem Islam keine neue.
01.03.2006
"Kleiner Mann, was nun?"
"Kleiner Mann, was nun?", heißt der berühmte Arbeitslosenroman von Hans Fallada, der sich gerade heute noch spannend und überaus aktuell liest. Fallada schildert das Leben eines kleinen Angestellten und seiner Frau, die unter der Weltwirtschaftskrise leiden und statt des erhofften sozialen Aufstiegs den Abstieg in Arbeitslosigkeit und Armut erleben. Fallada beschreibt in seinem Welterfolg den Versuch des jungen Ehepaars, trotz chronischen Geldmangels, die eigene Integrität zu wahren.
25.02.2006
Vögel
Hast du nicht gesehen, daß Allah es ist, Den alle lobpreisen, die in den Himmeln und auf Erden sind, und sogar die Vögel im Schwebeflug? Jedes (Geschöpf) kennt seine eigene (Weise von) Gebet und Lobpreisung. Und Allah weiß wohl, was sie tun. [Sura An-Nur 24:41]Dass das Leben lebensgefährlich ist, betrachten wir als eine alte Binsenweisheit. Die letzten Jahre wurde diese uns angeborene Gelassenheit durch das staatliche Sicherheitsdogma aufgeweicht.
19.02.2006
Nackt in Hamburg
Schon Foucault gab den Rat, sich über die Humanität einer Gesellschaft nicht nur durch regelmäßiges Lesen der Feuilletons klar zu werden, sondern auch durch Besuche am Rande der Gesellschaft, also in Krankenhäusern, Gefängnissen, Asylantenheimen oder Altersheimen. Die Gefahr aus Sicht der modernen Philosophie ist seit einiger Zeit klar benannt, es könnten, so einige Philosophen warnend, jederzeit und an jedem Ort "Orte ohne Ordnung" entstehen. Diese absolut rechtlosen Orte sind heute als integrierter Bestandteil des modernen Nomos durch "Guantanamo" symbolisiert.
16.02.2006
Die Vorstellung des Konfliktes
Der Rückzug ins Private zeigt gerade die Macht der Öffentlichkeit. Diese Anmerkung von Martin Heidegger bestimmt auch den Ort unseres großen Schriftstellers Botho Strauß. Man braucht tatsächlich detaillierte Heimatkenntnisse, um das Nest eines der wichtigsten deutschen Schriftsteller zu orten. „Der Konflikt“, den Botho Strauß nun im SPIEGEL beschreibt, kann so wohl nur aus der Ferne beschrieben sein. Nur mühsam gelingt es dem Schriftsteller dann auch in seinem Text, eine persönliche, auf Erfahrung basierende Note einfließen zu lassen.
13.02.2006
Nadelstichgroße Effekte
"Nadelstichgroße Effekte im Realen werden durch unsere Medien bis auf das Format von interstellaren Phänomenen vergrößert." So hat Peter Slotderdijk die optische Täuschung und eigentümliche neue Macht der Medien beschrieben. "Nadelstichgroße Effekte", die vergrößert werden. Natürlich kann jedes moderne Medium diese Beispiele des Kulturkampfes, der Verrohung und des Bruches der guten Sitten, unabhängig vom Ort, beliebig und ohne große intellektuelle Anstrengungen endlos reproduzieren.
11.02.2006
Die andere Seite
Für Europa ist weniger die bedauerliche Gewalt bei den Protesten um die Karikaturen interessant, als eine andere Seite der Muslime, sie lieben ihren Propheten. Nicht mehr und nicht weniger. Diese menschlich impulsive Seite des Islam mag irrational wirken, ist genau genommen, aber ein durchaus sympathisches Korrektiv, einer oft in kalten Systemen denkenden Zeit. Der Kampf der Kulturen macht nach wie vor keinen Sinn, denn Millionen der hier in Europa geborenen Muslime sind Europäer. Zweifelt man dies an, fällt man zurück in die unguten Zeiten des europäischen Rassismus.
07.02.2006
Zuflucht
Es gibt sie, die Orte der Zuflucht. Heute liest man, dass ARD-Talkmaster Harald Schmidt in seiner Sendung niemals Islam-Witze machen würde. Also wenigstens eine kleine Nische, wo man als Muslim in der Medienwelt ungestört hingucken kann. Rudi Carrell, der letzte Märtyrer in Sachen Humor, hatte für seine Scherze sich noch mit dem Iran angelegt. "Davon lasse ich die Finger. Das ist mir zu heikel", sagte Schmidt der Zeitung «taz». Er habe zwar keinen gefährlichen Beruf, aber er müsse wachsam sein. "Sie brauchen die nötige Feigheit.
03.02.2006
Verschleierungstaktik
Die Provokation ist das alte Stilmittel der Ablenkung. Gerade wenn man sich provoziert sieht, ist es daher ratsam, kurz inne zu halten. Wem Hysterie unsympathisch ist und wer noch ruhig denken kann, sollte folgendes Zitat einmal zur Kenntnis nehmen: „In den letzten Jahrzehnten sind auf der Erde unglaubliche Reichtümer entstanden, der Welthandel hat sich in den letzten 12 Jahren mehr als verdreifacht, das Welt-Bruttosozialprodukt fast verdoppelt. Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit ist der objektive Mangel besiegt und die Utopie des gemeinsamen Glückes wäre materiell möglich.
31.01.2006
Die Einheit, die ich meine
Die Einheit der Muslime in Deutschland - wer will sie nicht erreichen. Eine auffallend knappe Erklärung der Plattform "Einheit der Muslime" spricht ebenfalls von der Einheit, die man nun am "Ende des Jahres" erreichen will. Es lohnt sich übrigens, genauer hinzuschauen, denn genau genommen ist weniger die Einheit der Muslime, als die Einheit der Verbände gemeint. Der neuen Plattform geht es weniger um die inhaltlich orientierte Zusammenführung muslimischer Energien, sondern vielmehr um die Zementierung und Repräsentanz der alten Verbände.
27.01.2006
Ist das Frieden?
Die Welt der Politik ist voller Wunder und Überraschungen. Das gilt auch für eine Politik, die sich mit dem Adjektiv „islamisch“ verklärt. Carl Schmitt hat behauptet, das Wesen der Politik sei die Unterscheidung zwischen Freund und Feind. Die palästinensische Hamas hat diese Kernbehauptung moderner Politik zweifellos ideologisch und radikal umgesetzt. Bis hin zum modernistischen Postulat, eine Welt nach der Vernichtung der Feinde sei eine bessere Welt.
24.01.2006
Erfahrungsorte
"Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache"Hans-Georg Gadamer Wo man singet, laß dich ruhig nieder; Ohne Furcht, was man im Lande glaubt; Wo man singet, wird kein Mensch beraubt; Bösewichter haben keine Lieder. So oder so ähnlich lauten einige bekannte Zeilen des Dichters Johann Gottfried Seume (1763-1810). Das hat etwas Wahres und erinnert an die Philosopheneinsicht, dass der Mensch überhaupt dichterisch wohnt. Die Sprache ist das große Wunder des menschlichen Seins, und gerade dieses Wunder offenbart sich im Islam natürlich auf besondere Weise.
19.01.2006
Die Aufmerksamkeit des Herzens
Mancher findet sein Herz nicht eher, als bis er seinen Kopf verliert. Friedrich Nietzsche (1844-1900) Im Werk von Schaikh 'Uthman Dan Fodio findet sich eine wunderschöne Beschreibung über das Gebet. Schon der Titel "Die Aufmerksamkeit des Herzens" deutet darauf hin, dass das Herz das eigentliche Erkenntnisorgan des Muslim ist. Der Text stärkt auch die Überzeugung, dass kein Wandel der Welt möglich ist ohne den Wandel des Herzens. Muslime müssen - wie das im Koran dutzende Mal anempfohlen ist - Gebet und Zakat etablieren.
14.01.2006
"Hurra, ein Feind"
"Schon zu Zeiten, als Deutschland noch geteilt war, waren Mitarbeiter der Staatssicherheit und des BND in der irakischen Hauptstadt aktiv. Dokumente, die nach dem Regimewechsel in Bagdad gefunden wurden, belegen, daß Stasi-Angehörige maßgeblich am Aufbau des irakischen Geheimdienstes beteiligt waren. Der westdeutsche Dienst sei stärker auf wirtschaftlichem Gebiet tätig gewesen, wird berichtet." (Frankfurter Allgemeine Zeitung) "Hurra, ein Feind" - so könnte man die politischen Emotionen bei der Begegnung von Angela Merkel und George Bush zusammenfassen.
09.01.2006
Orte
Die Reise nach Mekka und Medina prägt jedes Jahr Millionen von Muslimen. Die Überwindung des Nationalismus und damit des Rassismus ist auf der Pilgerreise kein theoretisches Konzept, sondern existenziell erfahrene Wirklichkeit vor dem Schöpfer. Der Ritus ist an sich zeitlos. Obwohl jeder seine eigene Hajj vollzieht und erlebt, genauso wie der Tod jeden nur alleine angeht, lässt sich das Geheimnis der Schöpfung nur im gemeinsamen Handeln entschlüsseln.
05.01.2006
"Konzerne eignen sich die Welt an"
Jean Ziegler, Schweizer Soziologe und UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, warnt immer wieder vor einer Refeudalisierung der Welt. Multinationale Konzerne sind für ihn die neuen Kolonialherren, die die "Massenvernichtungswaffen" Hunger und Verschuldung einsetzen. Ihre willigen Helfer WTO und IWF sollten nach Sicht des Schweizers sogar ganz aufgelöst werden. Ziegler gehört zu einer neuen Garde westlicher Intellektueller, die das eigentliche Kernproblem des politischen Systems, das Verhältnis "Demokratie und Kapitalismus", hinterfragen.
31.12.2005
Mallorca
Winteraufenthalt in Mallorca. Normalerweise eine Destination, die für Touristen, Aussteiger, "Sonnenanbeter" und - wie man in Deutschland weiß - für eine bestimmte saisonbedingte Trunkenheit berühmt ist. Natürlich geht es im Dezember hier eher beschaulich zu. Nur einige Touristen sonnen sich in den Cafés am Strand. Mallorca wird in jeder Jahreszeit auch wegen der Schönheit der Insel und den wunderbaren Farbenspielen am Meer besucht. Die islamischen Wurzeln der Insel sind bis heute spürbar. Das Ziel meines Besuches ist eine besondere Feierstunde.
24.12.2005
Mit neuen Augen: Politikwandel & Machtverschiebungen
Die politische Welt ist in einem rasanten Wandel. Das sagt jeder und es ist schon ein beinahe altes Sprichwort. Im letzten Jahrhundert ging es dabei um die Machtverschiebung von der politischen zur ökonomischen Ebene. Der Wahnsinn Hitlers beendete die Phase entfesselter politischer Macht, wir erleben nun die stufenweise Entfesselung der Ökonomie. Die Verwertung der Welt statt rassischem Unsinn, Weltinnenpolitik statt Kriegsgeschrei. Ob wir wollen oder nicht, der Hurrican der Globalisierung nimmt seinen Lauf.
20.12.2005
Der Unterschied
Ein wichtiges Thema für die Muslime ist das Verhältnis von Tradition und Moderne. Oft wird dies als eine grobe Dialektik zwischen Fortschritt und Rückständigkeit vorgestellt. Wirklich essenziell ist für mich allerdings die Frage nach dem Verhältnis von Islam und Technik. Hierbei geht es natürlich nicht um die Frage, ob man einen Laptop benutzen kann, sondern um die Frage wie die Technik (und ihre Quasi-Offenbarung Internet) "Wahrheit" birgt.
09.12.2005
Was hat einen "Wert"?
Es ist eine treffende Provokation, wenn Sloterdijk sagt, dass die Menschenrechte erfunden wurden, damit der Einzelne ohne Verantwortung für alle leben dürfe: „Diese ganzen Leute gibt es zwar, aber jeder soll für sich selber sorgen.“ (Aus dem Lokalteil der Darmstädter Zeitung) "Nach dem 11. September 2001 hat sich im Rechtsbewusstsein der US-Regierung ein Bruch vollzogen" schreibt in einem Zwischenruf Manfred Bleskin von n-tv.
04.12.2005
Die Kunst der Sicherheit
«Aber was Kaiser Karl V. in seinem Imperium nie ganz geschafft hat, für global aufgestellte Konzerne gilt es allemal: Die Sonne geht für sie nie unter.» (VW-Chef Bernd Pischetsrieder in der Schweizer Zeitung «Sonntagsblick» zu Chancen und Problemen auf den Weltmärkten.) Merkwürdiges Happening. KunstudentenInnen wollten am Bonner Bahnhof Schließfächer als Kunsträume nutzen. Eine junge Studentin füllte den Kunstraum mit belegten Brötchen und legte Senf und Servietten dazu um zu sehen ob Passanten sich bedienen werden oder nicht.
29.11.2005
Modernismus & Tradition
Die Unterscheidung zwischen Modernismus und Tradition ist für Nichtmuslime und Muslime ein spannendes Thema. Man könnte statt "spannend" auch "entscheidend" sagen. Als islamischer Modernismus tritt der Islam im "Kleid der Technik" als Partei, Bewegung, Banking, Ideologie und in seiner radikalsten Form als Terrorismus auf. Es ist interessant, dass die Regierung in Marrokko, leidgeprüft vom Wahabismus und Terrorismus, in der traditionellen Verortung der Muslime im Lande (siehe http://www.habous.gov.ma) das eigentliche Gegengift zum Terrorismus sieht.
25.11.2005
Bilderwelt, Geschreibe
"Was heute in der "Bild"-Zeitung steht, steht morgen überall. Vielleicht sollte man sich also mal genauer anschauen, was sie schreibt. Die kleinen Merkwürdigkeiten und das große Schlimme." www.bildblog.de Medien sind zumeist subjektiv - machmal aber auch radikal subjektiv. Medien reden - manchmals ist es auch nur Gerede.
17.11.2005
„Wer groß denkt, muss groß irren.“
„Wer groß denkt, muss groß irren.“ Unter diesem Motto veröffentlicht Manfred Geier eine neue Einführung in das Werk des Jahrhundertphilosophen Martin Heidegger. Geier, geboren 1943, promovierte zuvor über Noam Chomskys Sprachtheorie und die amerikanische Linguistik und hat bereits mit zahlreichen Buchveröffentlichungen beeindruckt. Geier lebt in Hamburg und ist seit 1982 als Sprach- und Literaturwissenschaftler an der Universität Hannover tätig.
11.11.2005
Islam und Kommunalpolitik?
Was sind positiven Ziele der Muslime in Europa? Haben wir einen Beitrag zu den gesellschaftlichen Problemen in unserem Land? Dieser Frage geht die Islamische Zeitung immer wieder nach. Meiner Meinung nach lassen sich solche Beiträge auch durchaus definieren: Das Thema der Integration der Muslime in Europa ist beispielsweise in aller Munde. Je nach politischer Verortung wird die Lage mehr oder weniger subjektiv dramatisiert oder romantisiert. Die Wahrheit scheint wie so oft dazwischen zu liegen: die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos.
07.11.2005
Die Kunst, ein gesegnetes Leben zu führen
"Die Kunst, ein gesegnetes Leben zu führen" - Diesen Titel hat eine Khutba des Imams in Granada, Schaikh Muhammad Kasbi. Sie handelt über die positive Essenz des muslimischen Lebens: das Glück. Kein unwichtiger Gedanke, wo doch der Islam in Europa immer öfter mit sinnlosem Terrrorismus oder leerer Gewalt in Verbindung gebracht wird. Der Text: Alles Lob gebürt Allah. Gläubige! Furcht vor Allah ist der beste Pfad für den Reisenden, der erfolgreich an sein Ziel gelangen will.
02.11.2005
Wer Zakat zahlt, gehört dazu: Politikum Zakat
Die Art und Weise, wie die Zakat genommen wird, ist aus Sicht der Muslime das eigentliche und wichtige interne Politikum des Islam. Dutzende Male ist die Zakat- und Gebetsverpflichtung gleichrangig im Qur'an erwähnt. Im Vergleich beispielsweise zur Kopftuchdebatte wird aber über diese Säule des Islam kaum ausreichend diskutiert. Natürlich ist dieses Instrument auch nach Außen ein wichtiges Symbol, nämlich für die im Islam innewohnende Solidarität zwischen Reich und Arm.
30.10.2005
Das Buraq der Tariqa
Der ärmste der Menschen, Muhammad ibn Al-Habib, sagt in schlichten Worten: Der Lobpreis gebührt Allah, durch Dessen Großzügigkeit die Menschen sich über die Erde und die Meere verbreiteten. Er sandte die Gesandten, jeden mit einer Schari’a und mit Wundern, die nicht zu leugnen sind. Und ihr Kern ist das Sufitum, das sich Allah widmet und durch das Buch und die Sunna begründet wird. Hier ist ein Teil davon, das dir Seinen Weg nahe bringen und dir die Reise kostbar und lieb machen wird.
24.10.2005
Tücher
"Benennen heißt bekanntlich sichtbar machen, schaffen, ins Leben rufen. 
19.10.2005
Islam und moderne Politik
Die politischen Folgen des Terrorismus sind für die islamische Gemeinschaft, aber auch für Nicht-Muslime verheerend
Keine Frage, der Massenmord des 11. September stellte eine Zeitenwende im politischen Diskurs dar. Nach dem Fall des Kommunismus konnte sich - zumindest aus westlicher Sicht - eigentlich nur noch die demokratische Kultur und ihr großer Bruder, der Kapitalismus, auf dem ganzen Planeten entfalten. Dem politischen Wettbewerb im Weltmaßstab waren seine Konkurrenten, der politischen Dialektik die Gegner ausgegangen. Die demokratische Kultur, per Definition alternativlos, ist nun in ihrer eigenen Totalität angekommen. Der Siegeszug der Demokratie schien also zu Beginn des 21.
15.10.2005
In den Supermarkt
"Wer sich mit dem Zeitgeist vermählt, wird bald Witwer sein" (Kierkegaard)Phoenix gestattet heute einen kurzen Einblick auf den Grünen-Parteitag. Die Delegierten wirken zwischen "Jamaika"- und "Kuba"-Koalitionen und der neuen Offenheit nach Links und Rechts etwas gelangweilt. Es herrscht Tristesse auf der neon-erhellten grünen Bühne. Es wird nonstop geredet. Der alte Spirit von "Brokdorf" oder "Wyhl" ist gemütlicher Bürgerlichkeit gewichen.
12.10.2005
Ungleiches Paar
Ein ungleiches, aber vertrautes Paar waren sie schon immer. Nun war es auch kein gewöhnliches Abendessen, das die Köche im Istanbuler Grand Cevahir Hotel am Mittwoch für den Ehrengast Gerhard Schröder und seinen türkischen Kollegen Recep Tayyip Erdogan "zum Abschied" vorbereiteten. Auch wenn das Menü aus Linsensuppe, Pasteten und Lammbraten die "historische Dimension" des Ereignisses nicht ohne weiteres erahnen ließ. "Erstmals lädt ein türkischer Ministerpräsident den Regierungschef eines christlichen Landes zum Iftar ein», hatten türkische Zeitungen schon Tage vorher verkündet.
06.10.2005
Fasten und Zakat
Ernst Jünger hat einmal in seinen Tagebüchern gesagt, es habe nie eine Phase gegeben, in der die Deutschen materiell so reich waren, aber gleichzeitig solch große materiellen Ängste hatten. Das ist wahr. Die Angst um die eigene Subsistenz und den Verlust im Allgemeinen ist heute tatsächlich prägend. Die große Politik sichert die Nachfolgeschaft dann auch gerne mit dem dezenten Hinweis auf den drohenden Untergang.
01.10.2005
Reinigung
"Was ist der Rassismus letztendlich? Zunächst ein Mittel, um in diesen Bereich des Lebens, den die Macht in Beschlag genommen hat, eine Zäsur einzuführen: die Zäsur zwischen dem, was leben soll, und dem, was sterben muß." Michel Foucault Ich erinnere mich an Melilla ganz gut. Ich besuchte vor Jahren dort einen großen Dhikr, und schon damals sind mir die Grenzanlagen aufgefallen. Sie beschreiben keinen Kampf der Kulturen, wohl aber die Kluft zwischen Reich und Arm. Die Menschen, die sich über die Zäune stürzen, haben nichts mehr.
25.09.2005
Rettung der Freiheit
"Es gibt kein nacktes Leben, keinen externen Standpunkt, der sich außerhalb des monetären Raums gestalten ließe; dem Geld entgeht nichts. (...) Die großen Industrie- und Finanzmächte produzieren nicht nur Waren, sondern auch Subjektivitäten. Sie produzieren Agenzien innerhalb des biopolitischen Zusammenhangs: Bedürfnisse, soziale Verhältnisse, Körper und Intellekte - sie produzieren mithin Produzenten. 
21.09.2005
Richtung und Konfusion
Der Plan war eine Richtungswahl. Das Ergebnis ist Konfusion. Die geringe Walbeteiligung und die Absage der Wähler an die große Koalition zeigt, dass die meisten WählerInnen keinen großen Unterschied zwischen den politischen Konzepten im Lande sahen. Eine Antwort auf die ungeheure Staatsverschuldung haben ja alle Lager nicht. Es ist nun nicht einfach, das Wahlergebnis weiter zu interpretieren. Man kann aber sagen, zumindest soweit es um Stimmungen ging, dass es in Deutschland eine klare Merheit gegen einen entfesselten Kapitalismus und eine sich selbst aufgebende nationale Politik gibt.
13.09.2005
Das Dilemma
"Es ist allgemein bekannt, daß der Schließen-Knopf in den meisten Aufzügen ein völlig funktionsloser Placebo ist, um den Individuen den Einfluß zu vermitteln, sie hätten irgendeinen Einfluß auf die Schnelligkeit mit der der Aufzug arbeitet. Dieser extreme Fall vorgegaukelter Partizipationsmöglichkeiten ist eine passende Metapher für die Einflußmöglichkeiten der Individuen auf unserern "postmodernen" politischen Prozeß." (Slavoj Zizek)"Den Großteil seiner Rede widmet Beckstein also der Verteidigung des Abendlandes gegen den EU-Beitritt der Türkei.
07.09.2005
Vom Äußeren und Inneren - ein Rückblick
Sarajevo ist eine jung gebliebene Stadt. Am Abend füllt sich die Innenstadt mit zehntausenden jungen Leuten, deren Islam sich weniger an Äußerlichkeiten fest macht, als an einem inneren Zugehörigkeitsgefühl. Die Atmosphäre ist auch bei dichtem Gedränge und spätabends ruhig und friedlich. Eine Bierflasche auf den Tischen ist noch immer eher die Ausnahme. Ein junge bosnische Frau, die wieder nach Sarajevo zurückgekehrt ist, erzählt uns in einem der zahlreichen Straßenkaffees, dass sie trotz ihrer Karrierechancen in Wien immer "etwas" vermisst habe. Es war wohl nicht nur Sarajevo.
02.09.2005
Sarajevo, Islamische Fakultät, 2. September 2005
Meine verehrten Damen und Herren, ich freue mich sehr, heute hier sprechen zu dürfen, in dieser ehrwürdigen und geschichtsträchtigen Stadt. Ich erinnere mich noch, als ich als fünfzehnjähriger auf einer Urlaubsreise durch das damalige Jugoslawien zum ersten Mal mit meinem Vater eine Moschee betrat. Der freundliche Imam nahm mich damals auf das Minarett hinauf und rief zu meinem Erstaunen den Gebetsruf. Natürlich ahnte ich damals nicht, wie nahe mir der Islam und Bosnien kommen sollte, so wenig wie die Stadt damals ahnte, welche schwierige Zeit vor ihr liegen sollte.
30.08.2005
Nackte Dänen und das Kopftuch-Urteil
Auf Spiegel-Online finden sich momentan zwei Gegensätze im selben Europa: NACKTE DÄNEN Massen-Striptease auf dem Schulhof Plötzlich zogen sie alle blank: Bei einem Einführungsritual an einem dänischen Gymnasium sollten 263 Teenager strippen, um Klassenpunkte zu sammeln. Solche Auszieh-Wettbewerbe sind in Dänemark verbreitet - und die Lehrer nicht amüsiert. Am ersten Schultag hält für gewöhnlich der Direktor eine Rede, die Klassen werden aufgeteilt, und die Lehrer beginnen zügig mit dem Unterricht.
21.08.2005
Jenseits der Worthülsen - das Gespräch mit dem Christentum
Die nüchterne Ausgangslage in Zahlen: Mit 26 Millionen Anhängern zählt die römisch-katholische Kirche traditionell die meisten Mitglieder im Lande. Die Kirche musste in den vergangenen 15 Jahren allerdings erhebliche Verluste hinnehmen. Allein die römisch-katholische Kirche hat seit 1990 im Saldo etwa 2,1 Millionen Mitglieder verloren. Nur jeder siebte Christ geht überhaupt in die Kirche. Christliche Presseagenturen sprechen schon in düsteren Worten von der Islamisierung oder Säkularisierung Europas.
13.08.2005
Aus Krieg und Frieden
"Allah regiert die Schöpfung aus sich selbst heraus" (Ibn al Arabi)Zufall oder Schicksal? Der Glaube an das Schicksal und an die Vorherbestimmung ist ein Bindeglied zwischen großen Denkern verschiedener Kulturen wie Schiller, Goethe oder Tolstoi - aber auch die gemeinsame Basis aller Gläubigen.
10.08.2005
Russland - jenseits der Extreme
Islam in Russland - da denken viele zunächst an Tschetschenien. Die Begegnung Islam und Russland hat aber viele historische und geistige Facetten. In der russischen Föderation sind über 20 Millionen Muslime ansässig. Das Land ist auch ein Land der Dichter und Denker mit vielen wichtigen Beiträgen für die europäische Kultur. Man denke nur an Tolstoi und Dostojewski. Islam und Europa: Wie sehen das die Intellektuellen in Russland? Grund genug, zu einem runden Tisch zum Thema „Russia-Europe-The Muslim World“ einzuladen, den EMU (www.emunion.org) und das Islamic Culture Center of Russia am 4.
06.08.2005
Die Antwort liegt auch im Westen
Liegt die Antwort im Westen selbst....Nachdenkliches über diese Frage von Nevad Kermani in der Süddeutsche Zeitung vom 5. August 2005: Die Idee des religiösen Martyriums, die für den Mehrheitsislam der Sunniten bis vor zwei Jahrzehnten kaum eine Rolle spielte, ist mit Predigern wie Tamim al-Adnani in den Westen gekommen. In den achtziger Jahren reiste er durch die Vereinigten Staaten, um Freiwillige für den Afghanistankrieg zu gewinnen.
31.07.2005
Muslime ohne Einfluss?
Stimmen die Zahlen, dann sind in den islamischen Verbänden in Deutschland gegenwärtig 389 000 Menschen organisiert. Rechne man die Familienangehِrigen hinzu, betreuten die Verbände knapp 1,5 Millionen Menschen religiِös, kulturell und sozial. So zumindest berichtete das Zentralinstitut Islam-Archiv-Deutschland am Sonntag im westfälischen Soest. Diesen Angaben zufolge leben in Deutschland heute 3,2 Millionen Muslime. Die Muslime haben aber vergleichsweise nur geringen gesellschaftlichen Einfluß.
26.07.2005
Gut gegen Böse?
Die Anschläge und der feige Mord von London haben zu Recht für weltweite Empörung gesorgt. Umstritten ist jedoch die geistige Einordnung des Terrorismus, insbesondere die einfache Gut-Böse Dialektik und die Rede vom "Teuflischen", die man nun öfters hört. Das Schema ist simpel: Wenn sie absolut böse sind, dann sind wir absolut gut. Diese Denkformen lässt sich beliebig fortsetzen: Sie sind anti-demokratisch, also sind wir demokratisch. Sie nähren den Argwohn in der islamischen Welt, dass der Westen in diesen Feindbildern seine verlorene Identität neu zu stiften versucht.
20.07.2005
Die Hühner sind die Verlierer der Geschichte
Schluss mit der Demokratie? Terrorismus und Kapitalismus - beides prägt nun die Moderne und birgt im Zusammenspiel die Gefahr eines neuen "autoritären Kapitalismus". So zumindest der Philosoph Peter Sloterdijk, Jahrgang 1947. Sloterdijk lehrt Ästhetik und Philosophie an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe und moderiert im ZDF mit Rüdiger Safranski in den späten Abendstunden das "Philosophische Quartett". Sein neues Buch über den Weltinnenraum des Kapitalismus gehört zu den lesenswerten Neuerscheinungen.
09.07.2005
EMU Erklärung
Today, the Board of the European Muslim Union held its Fourth Gathering in the City of Granada, Spain. At the same time, unfortunately, we received news of the terrible terrorist attacks in London. We would like to express our sympathy to all families whose members have been killed or injured. Furthermore we would point out that all European Muslims are in agreement that there is no justification in Islam for such attacks and that they are merely criminal in nature. We hereby assure European governments of our support in arresting these criminals.
03.07.2005
Srebrenica aus europäischer Sicht
"Manchmal kann man nur einfach schockiert sein über die äußerste Indifferenz gegenüber dem Leiden, auch und besonders dann, wenn dieses Leiden in den Medien Gegenstand ausführlicher Reportagen und allgemeiner Verurteilung ist, so als wäre es das Übermaß an Leiden, was uns zu seinen unbewegten faszinierten Zuschauern macht. Erinnern wir uns an die drei Jahren währende Belagerung Sarajevos in den frühen neunziger Jahren, bei der die Bevölkerung hungerte und permanentem Beschuß ausgesetzt war. 
28.06.2005
Die Gelehrten und ihre Sorgen
Die Istiqlal Moschee in Jakarta gehört zu den größten Moscheen Asiens. Zum Freitagsgebet drängen sich hier bis zu 100.000 Menschen. Der Weg zum Büro der "Majlis Ulema Indonesiens" benötigt einige Minuten und führt durch ein Labyrinth von Gängen. Angekommen empfangen uns der Vorsitzende, Schaikh Maruf, und einige andere Gelehrte zu einem Gedankenaustausch. Die Gelehrten sind in letzter Zeit besonders besorgt um die Lage nach dem Tsunami. Zuvor hat sie das ökonomische Erdbeben Asiens und der Zerfall der Währungen beschäftigt.
23.06.2005
Das globale Dorf – Jakarta
Ein geläufige Redewendung behauptet, die Globalisierung würde aus der Welt ein Dorf machen. Das ist natürlich eher ein romantisierendes Bild. In einem Dorf kennt man sich gut aus, kennt die Bewohner und ihre Geschichten, teilt ihre Probleme. Was es aber heißt, in der sogenannten Dritten Welt, also jenseits des Wohlstandslimes, zu leben, kennen wir selten aus der direkten Perspektive. Die Dritte Welt ist für uns zumeist eine abgeschottete Urlaubszone.
17.06.2005
Über die Langeweile
Langeweile ist, so sagt man, ein Gefühl der Lustlosigkeit, des mangelnden Elans oder des Desinteresses. Es ist im Allgemeinen das Gegenteil von Spaß, Freude und Kurzweil. Langeweile entsteht oft durch sich wiederholende Ereignisse, aus denen man nichts Interessantes oder Aufmunterndes mehr gewinnen kann oder will. Jeder sie kennt also, die Langweile, nur wenige gehen aber so weit wie Erich Fromm, der die Langeweile für eine der furchtbarsten Plagen der „modernen“ Zeit hielt. Jeder wird einmal in den Zustand der Langeweile gestoßen.
15.06.2005
Eine Art Lagerhaft
Es ist eine schockierende These von Giorgio Agamben, dass die neue Weltordnung auch das Lager als "Ort ohne Ordnung" etabliert. Das Beispiel Guantanamo hat der Welt verdeutlicht, dass die Etablierung von "Ausnahmerecht" und "Ausnahmeorte" in der Moderne jederzeit möglich ist. Flüchtlinge, die nichts mehr haben als ihr "nacktes Leben" bilden heute im Weltmaßstab eine der zahlreichen Parallelgesellschaften.
10.06.2005
Islamkritik als Geschäft
Negative Bücher über den Islam sind seit dem 11.9. unter anderem auch ein gutes Geschäft. Informationsüberfluss ist die beste Zensur. So stürzen sich immer mehr berufene Journalisten oder Autoren auf den Markt. Meistens geht es "radikal subjektiv" zu, und Beispiele oder Assoziationsketten lassen beinahe jedes gewünschte Ergebnis irgendwie plausibel erscheinen. Günther Lachmann zum Beispiel betätigt sich in seinem Essayband über die "Muslime und unsere offene Gesellschaft" - so die Wochenzeitung Freitag - als Rassekundler.
05.06.2005
Die Einheit Europas
"Ist es nicht so, daß wir aus Dingen eine Mauer um uns errichten, eine hohe Mauer, um den Tod nicht zu sehen? ... Der Motor der Konsumgesellschaft ist nicht die Freude am Leben, sondern die Angst vor dem Tod." Lotte Ingrisch, Schriftstellerin (*1930). Die Debatte über die politische Einheit Europas wird durch die Abstimmungen in Holland und Frankreich scheinbar gebremst. Die tiefe Unsicherheit, die sich darin spiegelt weist auf die Frage: "Was ist eigentlich die Identität Europas?".
02.06.2005
"Kathedrale der Gegenwart"
"Wie zahlreich sind doch die Dinge, derer ich nicht bedarf" Sokrates (um 470 - 399 v.Chr.), griech. Philosoph Schöner Schein, schöne Emotionen, schöner Kommerz. Die Eröffnung der Münchener Allianz Arena ist Teil moderner Event-Kultur. Der mediale Höhepunkt: ein Freundschaftsspiel zwischen Bayern und Deutschland. Spätestens als das schlichte Showsternchen Sarah Connor die Nationalhymne anstimmt und den Text falsch singt, weiß man, dass auch der Nationalismus wieder ein gutes Stückchen überwunden ist. Die Spieler kommen - Vorbild Rom - derweil aus dem Untergrund.
25.05.2005
Ideologie auf beiden Seiten
In den letzten sieben Jahren der SPD-Regierung ist für die Muslime relativ wenig zählbares herausgekommen. Das mag an uns Muslimen liegen - aber auch an einer handvoll "Ideologen" auf der anderen Seite. Ein Beispiel ist ein Report der Friedrich-Ebert-Stiftung, verfasst (in bekannt alleiniger, einsamer Regie) von Herrn Dr. Johannes Kandel. Der einseitige Report ist selbst eine Art Spiegelbild "islamistischer" Ideologie: Auf der einen Seite ist nur gut, wer das Tuch trägt, auf der anderen nur gut, wer es nicht trägt.
20.05.2005
Deutsche Muslime
Außenseiter, Einzelgänger, Verwirrte? - Die deutschen Muslime sind in der Öffentlichkeit immer wieder präsent, wenn auch oft genug unter der Rubrik "Kurioses". Am Pfingstmontag hatte die IZ 16 deutsche Muslime eingeladen, um etwas mehr über Leben und Erfahrungen der deutschen Muslime zu erfahren. In der direkten Begegnung korrigiert sich das "öffentliche" Bild der deutschen Muslime schnell: alle Gäste verkörpern nicht nur Lebenserfahrung und Gelehrsamkeit, sondern auch eine positive Haltung zum Lebensmittelpunkt in Deutschland.
18.05.2005
Der Freitag und Agamben
Im Feuilleton "Denken ist kein Hype" ein interessanter Kommentar von Carl Hegemann: Der italienische Philosoph Giorgio Agamben hat am Pfingstmontag an der Volksbühne sein neues Buch "Profanierungen" vorgestellt, in dem er Resultate der abendländischen Geistesgeschichte mit den Phänomenen der gegenwärtigen "Phase des äußersten Kapitalismus" in Verbindung bringt.
14.05.2005
EMU Presseerklärung Istanbul
Europa steht nach den geschichtlichen Erfahrungen des 2. Weltkrieges unter dem politischen Zeichen des stetigen Zusammenwachsens der europäischen Nationen. Es ist an der Zeit auch die muslimischen Gemeinschaften Europas zusammenzuführen. Angesichts der Präsenz von etwa 20 Millionen Muslimen in Europa und etwa 20 Millionen in der Russischen Föderation ist es dabei wichtig die künftige Rolle der europäischen Muslime positiv und solidarisch zu definieren. EMU will diesen Prozeß auf allen Ebenen, insbesondere jedoch mit sozialen, kulturellen und ökonomischen Projekten aktiv begleiten.
10.05.2005
Politik - am kürzeren Hebel
"Kein menschliches Rechnen und Machen kann von sich aus und durch sich allein eine Wende des gegenwärtigen Weltzustandes bringen; schon deshalb nicht, weil die menschliche Machenschaft von diesem Weltzustand geprägt und ihm verfallen ist. Wie soll sie dann je noch seiner Herr werden?" Martin Heidegger, Briefwechsel mit Kästner Die Debatte über das Verhältnis Demokratie und Kapitalismus scheint voll im Gange. Aus muslimischer Sicht besteht schon seit längerem Zweifel, dass der "Islamismus" der eigentliche "geschichtliche" Feind der Demokratie sei.
07.05.2005
Kommentar: "Armer Günther Grass"
Oder warum die Mevlevi Tariqat heute im Verfassungsschutzbericht erscheinen würde. Von Abu Bakr Rieger
Armer Günther Grass. Seine Einlassungen in der "Zeit" über den Zustand der Demokratie verhallen beinahe ungehört. Trotz Blechtrommel. "Das Primat der Politik verloren, die Souveränität der Parlamentarier in Frage gestellt, Demokratie in Auflösung." Eigentlich grass, aber wer hört schon auf Dichter? Wir stellen fest: Das alte Prinzip der Verantwortung gilt für den Kapitalismus nicht. In der Debatte über das Unwesen des Kapitalismus fällt kaum ein Wort des Bedauerns über die Opfer jenseits des Limes. Dort wird nach wie vor im Akkord gestorben.
04.05.2005
Granada
Granada. Gegenüber der neuen Moschee ist die Alhambra ein Wahrzeichen Europas geworden. "Außen abweisende Mauern, innen die Gärten", so wird das Gebäude beschrieben und ist so für manchen ein Synonym für den Islam selbst geworden. In letzter Konsequenz muss man eintreten, um die Schönheit der ganzen Form zu erkennen. Vom Garten der neuen Moschee bietet sich der schönste Blick auf das altehrwürdige Gebäude.
27.04.2005
Was tun?
"Eigentlich müsste er das sagen, was Oskar Lafontaine während seiner kurzen Amtszeit als Bundesfinanzminister immer wieder gesagt hat: Die internationalen Spielregeln müssten geändert werden. Man müsste manche Finanzprodukte aus dem Markt nehmen, man müsste den Internationalen Währungsfonds und die Weltbank reformieren, man müsste in den Industrieländern bestimmte Subventionen kürzen. Das aber kann der deutsche Nationalstaat nicht. Die EU könnte es; aber machen die Briten und die Slowaken mit? Noch besser ginge es bei den größten Wirtschaftsnationen der Welt, den G 8.
21.04.2005
Der Neue
"Die Aufklärer bekommen einen bösen Mund, wenn es heißt, eine höhere Macht greife in Menschengeschichten ein oder präge mit aller Kraft die Zyklen der Welt. Der totgesagte Gott, als Jenseitsfalle der dummen Kreatur behämt, überdauert aber jede Bewegung, jeden Prozess, jede Erneuerung. Vielleicht ist es an der Zeit, im Umkehrschluss einmal die Aufklärung als das Opium der aufstrebenden Bürgerklasse anzusehen: jeder Gegenstand, der nicht Ware war und ist, wird dabei entwertet. Jeder Mensch, der als Musterbeispiel nicht taugt, wird als Restposten des alten Lebens verworfen.
16.04.2005
Machwerk Kultur
"Im bereits fertig gestellten Aufenthaltsraum des Erdgeschosses warten nicht nur türkische Spezialitäten, sondern an der Stirnseite des Raumes auch ein Tisch, besetzt mit Männern, darunter Oberbürgermeister und Bürgermeister von Ingelheim, der türkische Generalkonsul, der Imam und der Vorsitzende der Gemeinde. Die Herren reden, alle Frauen hören zu. Zwischen den Redepausen gibt es erste Annäherungen unter den Frauen: "Haben Sie Kinder?" Viel zu schnell heißt es "Allaha ismarladik", auf Wiedersehen, von den Gehenden, was die noch Verweilenden mit "güle, güle" beantworten.
11.04.2005
Meer des Wissens
Islam ist ein Meer des Wissens. Natürlich muss man immer wieder die Nähe von Gelehrten suchen, um die Substanz des Islam klarer zu erkennen. Dies gilt besonders in einer Zeit, wo es beinahe archäologischer Bemühungen bedarf, um in der Flut von Informationen über den Islam den Islam zu finden. Glücklicherweise sind solche Träger des Wissens immer wieder Gäste in unserem Haus.
08.04.2005
Tasawwuf, ein essenzieller Bestandteil des Islam
Die vorliegende Zusammenfassung eines Vortrages von Hadsch Abdulhaqq Bewley in Granada, Dezember 2004 führt in das Thema von Tasawwuf ein: Allah, gepriesen Sei Er, sagte in Seinem mächtigen Buch: "Ich habe die Menschen und die Dschinn nur geschaffen, damit sie Mich anbeten." Einige der Mufassirun [Qur'ankommentatoren] sagen, dass Anbetung in diesem Kontext zu "wissen" bedeutet.
04.04.2005
Ein muslimischer Aufklärer
"Die Haupttatsache der Neuzeit ist nicht, daß die Erde um die Sonne, sondern daß das Geld um die Erde läuft." (Peter Sloterdijk, Im Weltinnenraum des Kapitals) Aufklärung, Rationalität, Vernunft, Logik sind Begriffe die Muslime nicht fremd sind. Ein Beispiel: Der ehemalige Ministerpräsident Malaysias, Dr. Mahathir Mohammed, dessen wirtschaftliches Krisenmanagement während des Finanzkollaps 1997 - 1998 weltweite Anerkennung gewann, sagte dem US-Dollar den Zusammenbruch voraus. Gleichzeitig rief er die internationale Geschäftswelt dazu auf, ihre Abschlüsse zukünftig in Euro zu tätigen.
01.04.2005
Wie wird man eigentlich Muslim?
Jeder kann Muslim werden. Wir Muslime glauben an Allah und an seine Engel, seine Bücher, seine Propheten, an den Jüngsten Tag, die Vorherbestimmung, das Gute und Böse und an die Wiederauferstehung nach dem Tode. Muhammad, Friede und Segen Allahs seien mit ihm, sagte: Sagt mir, wenn einer von euch einen Fluss vor seiner Tür hätte und darin fünf mal jeden Tag badete, würde irgendwelcher Schmutz an ihm bleiben? Ihm wurde geantwortet: "Nein, kein Schmutz würde bleiben. Er fuhr fort: "Genauso ist es mit den fünf Gebeten. Durch sie wischt Allah alle falschen Taten aus.
27.03.2005
Sultan der Liebenden
Mevlevi Schaikh Sefin Can ist 96 Jahre alt. In einer Türkischen Zeitung wurde er über seine immer junge Liebe zu Rumi interviewt. Sein Respekt vor dem ungeheuren Wissen Rumis ist über die Jahre immer größer geworden: "Es übersteigt unsere Grenzen, ihn zu verstehen und ihn zu beschreiben. Deshalb versteht jeder Maulana und spricht über ihn entsprechend seines Verständnisses und seiner Eingebung. Sie beschreiben, was sie in ihren eigenen Spiegeln sehen. Große Aulija (Freunde Allahs) sind wie große Meere und wir sind wie kleine Tropfen Wasser in ihnen.
23.03.2005
Weltinnenraum des Kapitals
Der Philosoph Peter Sloterdijk hat unter dem Titel "Im Weltinnenraum des Kapitals" einen Entwurf "Für eine philosophische Theorie der Globalisierung" vorgelegt. Die Wohlstandswelt, so Sloterdijk, tendiere dazu, einen ziemlich hermetischen Innenraum zu schaffen, und zwar ohne Rücksicht auf regionale oder nationale Homogenität. Sloterdijk nennt das den "Weltinnenraum des Kapitals".
21.03.2005
Aufklärung über die Aufklärung
"Wir müssen doch selbst ein Interesse daran haben, dass wir nicht soviel Schulden machen. Die jeweils herrschenden Regierungen versuchten immer wieder, sich zu verschulden, damit die Bürger im Moment glücklich seien. Aber das ist doch eine Politik, die zu nichts führt" (Hans Werner Sinn, Chef des Münchner Ifo-Instituts) Der Islam überlebt korrupte Politiker, nicht aber korrupte 'Ulama [Gelehrte]. Immer öfter kann man heute die Politisierung des Islamischen Rechts beobachten. Das banale Schema: Wer nur einmal in der Woche betet, ist "aufgeklärt", "liberal" usw..
18.03.2005
Ein schöner Tag mit der CDU
"Wissen Sie, was unser Beruf ist?" setzte er an. "Theater, weiter nichts." (Politiker in "Globalia" von Rufin) Die von CDU-Veteran Heiner Geißler geäußerte Befürchtung, dass in Deutschland eine bigotte religiöse Rhetorik als Instrument zur Machterlangung Konjunktur gewinnen könnte, zerstreute CDU-Chefin Angela Merkel bei ihrem Auftritt bei der "Atlantikbrücke". Sie exemplifizierte das christliche Menschenbild am Konzept der sozialen Marktwirtschaft (...und das ist die Ordnung, die sich gerade bedauerlicherweise zu großen Teilen auflöst).
15.03.2005
Muslime in Weimar
Liebe Muslime, ich möchte Euch alle recht herzlich – auch im Namen der Islamischen Zeitung – hier in Weimar begrüßen. Ich möchte zunächst ein wenig in die Thematik und die Denkwege einführen, die sich aus unserem Aufenthalt hier ergeben könnten. Warum Weimar? Seit vielen Jahren haben wir die Stadt Weimar als eine Brücke zwischen dem Westen und dem Islam entdeckt. Viele Muslime haben diese Stadt auf Einladung unseres Institutes hier besucht. Hierbei ging es nicht nur um akademische Themen.
13.03.2005
Islam "relativieren" als Integration?
Richard Schröder ist Professor für Theologie an der Humboldt-Universität zu Berlin und schreibt im Tagesspiegel den folgenden Kommentar über einen Religionsunterricht. Schon aus geschichtlichen Erfahrungen heraus - so Schröder - sei es problematisch wenn der Staat beginne zu definieren was der Islam ist und unter Integration "Relativierung der Religion" verstehe. "Staatlich verordnete Religionsrelativierung" nennt dies Schröder und ist so an die alte DDR erinnert.
07.03.2005
Essen für Millionen
Aufenthalt in Istanbul. Auf der asiatischen Seite, in Üsküdar, ist der Blick auf den Bosphorus atemberaubend. Auf der anderen Seite der Meerenge bilden die europäischen Stadtteile Istanbuls die größte islamische Metropole in Europa. Ich treffe mich hier wie immer mit Anwaltskollegen und Absolventen der Bosphorus Universität zum Essen. Die traditionelle Küche ist hier osmanisch geprägt. Das Gespräch dreht sich um die aktuelle Politik Tayyib Erdogans, der zur Zeit auf erstaunliche 60% Zustimmung in der Bevölkerung bauen kann. Ein erstaunlicher Wert.
03.03.2005
Hamburger Erklärung
"vertraglich integriertes Randdasein" Rechtsterminus in Globalia, Jean Christoph Rufin Die Hamburger Erklärung der Muslime ist die folgerichtige Konsequenz des starken öffentlichen Drucks auf den organisierten Islam in Deutschland. Die Zukunft, so zumindest die Absicht, gehört einem Islam, der in Deutschland angekommen ist. Eine gemeinsame Vertretung der Muslime in Berlin ist tatsächlich längst überfällig. Die Crux wird es nun sein, die unterschiedlichen Gruppierungen in eine gemeinsame Form zu gießen. Einheit ja, aber es braucht auch neue Inhalte.
23.02.2005
Islam und Modernismus, Arnold Hottinger in der NZZ: Eine Lehre im falschen Licht?
Zweifellos hat der Islam im 20.Jahrhunderts im Umgang mit Technik und Ideologie auch eine Wesensveränderung erfahren. Im Zusammenspiel mit den Titanen ist es schwerer geworden den eigentlichen Grund und Bedeutungszusammenhang des Islam nachzuvollziehen. Der Modernismus als eine ideologische Gegenbewegung gegen die "Besatzung" bleibt natürlich Kind der Moderne. Politischer Islam ist dabei immer auch eine Reduzierung der ganzheitlichen Offenbarung auf den aktuellen politischen Nutzen.
15.02.2005
Goethe und die Erziehung der Muslime
Scharfsichtig erkennt Goethe den Kern der islamischen Glaubenslehre, das Akzeptieren des Schicksals und die Einheitslehre. Die offene Begegnung mit den Muslimen ist damit für Goethe eine geistig gewinnbringende Tugend: "...[Es] ist höchst merkwürdig, mit welchen Lehren die Mohammedaner ihre Erziehung beginnen.
10.02.2005
Nicht gefährlich?
Peter Scholl-Latour (Lebensmotto von Shaw "Man hüte sich vor alten Männern, denn die haben nichts mehr zu verlieren") ist kein Mann stumpfer Stereotypen. Auf die Frage "Ist die Re-Islamisierung in der Türkei Ihrer Meinung nach eine Gefahr für uns oder nicht?" gibt er in einem Interview die folgende ungewöhnliche Antwort: Scholl-Latour: Ich finde es nicht gefährlich, wenn ein Land zu seinen religiösen Wurzeln zurückkehrt.
08.02.2005
Tsunamis des Geldes
Trotz teils massiver Kritik hält die CSU an ihrem Vorhaben fest, die rot-grüne Bundesregierung für das Erstarken der rechtsextremen NPD verantwortlich zu machen. Der Chef der bayerischen Staatskanzlei, Erwin Huber (CSU), bezeichnete die hohe Arbeitslosigkeit als Ursache für die Erfolge rechtsextremer Parteien wie der NPD. «Ein wesentlicher Grund für den Zulauf bei den Rechtsradikalen ist die Hoffnungslosigkeit vor allem vieler junger Menschen, die keine Aussicht auf Arbeit haben.
04.02.2005
Sicherheit oder ein "Wutanfall" eines anatolischen Hanseaten
"Der Machthaber sagt hier nicht mehr: Du denkst wie ich oder du stirbst, er sagt: Du hast die Freiheit nicht zu denken wie ich, Leben, Vermögen und alles bleibt dir erhalten; aber von dem Tage an bist du ein Fremder unter uns." (Alexis de Tocqueville: Über die Demokratie in Amerika) Immer wieder beklagen sich türkische Muslime über die einseitige Sicherheitspolitik der Behörden, neues Beispiel ist ein Report des Hamburger Verfassungsschutz.
01.02.2005
Sklaven in Europa und anderswo
Leider gibt es auch in Deutschland Fälle der Zwangsheirat muslimischer Frauen oder Fälle körperlicher Gewalt gegen Muslimas. Im Islam und bei der absoluten Mehrheit der Muslime gelten diese Praxis als absolut verboten und verpönt. Dennoch muß man als einfacher Muslim sich immer wieder höchstkritische Fragen zum Verhältnis des Islam zu Frauen anhören. Es ist aber an der Zeit auch einmal kritisch zurückfragen, wie es in der kapitalistischen Gesellschaft mit der Freiheit der Frau steht. Die Welt ist ja bekanntlich ein Spiegel.
25.01.2005
Der Mantel
„Wen Allah in den Dienst des Heiteren nimmt, der wird selbst die Heiterkeit erlangen.“ (Imam Busiri) Islam ist kein kaltes rationales System, sondern eher das organische Zusammenspiel verschiedener Elemente. Ein wichtiges und mäßigendes Element der islamischen Lebensgestalt ist und bleibt natürlich die Liebe zum Propheten. Diese Liebe fand im Islam immer wieder seinen Ausdruck. Scharafuddin al-Busiri (1212 geb. in Alexandria, 1294 begraben in Kairo) ist der Autor des weltberühmten Gedichts der „al-Burda“(der Mantel). Nur wenig ist über sein Leben bekannt.
19.01.2005
100
Heute liegt sie also auf dem Tisch: die Ausgabe 100 der Islamischen Zeitung. Wie bei jeder Redaktion ist eine frischgedruckte Ausgabe ein besonderes Fest. Ein kritischer Blick schweift schnell über die frischen Seiten. Dann doch ein klein wenig Zufriedenheit. Bei einem solchen Projekt sind 100 Ausgaben ein wahrlich "hohes Alter". Schaffen wir nochmals 100? Einfach wird das nicht. Inzwischen sind wir auch in der ökonomischen Dynamik dieser Zeit angekommen, versuchen an Kioske zu vertreiben, überziehen unser Konto, sprechen auch mal freundliche Worte mit einigen Gläubigern.
15.01.2005
Der Absturz des Dollars
In der Wochenzeitung "Freitag" liest man folgenden Artikel "Der Absturz des Dollars". Die These: Die USA flüchten vor dem ökonomischen Kollaps in immer neue militärische Abenteuer. Zur Debatte steht letzlich wie die "Aufklärung" mit dem irrationalen ökonomischen Komplex heutiger Zeit umgeht. Der volle Text liest sich wie folgt: Der Traum eines jeden Konsumenten: Man bezahlt seine Einkäufe mit Schecks, die von den Geschäftsleuten niemals eingelöst werden.
10.01.2005
Andrea Breth: Wir sind nicht mehr das Land der Dichter und Denker oder Kultur ist Austausch
Leitkultur? Kultur? Diese Begrifflichkeiten sind auch in Deutschland umstritten. Gibt es noch ein alltägliches Kulturempfinden? In den 60er Jahren kannte noch beinahe jeder Schüler und jede Schülerin die wichtigsten Werke Schillers. Heute steht die Kultur, sozusagen die Religion des Säkularen, unter großem Verdrängungsdruck. Ich erinnere mich noch gut an die Debatte über die "wirtschaftliche" Zukunft des Nationaltheaters in Weimar. Die Klassiker gab es, wenn überhaupt, auch aus Kostengründen nur in entfremdeter Form.
03.01.2005
Freitag: Die Beseitigung von Feindbildern ist allemal besser als die Beseitigung von Feinden
In der Wochenzeitung "Freitag" kann man den folgenden interessanten Artikel über den Wahnsinn des Terror und über potentielle Kriegsgewinnler lesen. Das passende Motto "Die Beseitigung von Feindbildern ist allemal besser als die Beseitigung von Feinden". Hier der Artikel von Daniela Dahn: Möge das neue Jahr ein friedliches sein, wird nun wieder allenthalben sorgenvoll gewünscht.
28.12.2004
"Wir sind allesamt moralische Feiglinge"
Mehr als 100 000 Iraker sind bisher aufgrund der US-Invasion gestorben – wo ist die Scham, wo die Wut? Eine Reflektion von Scott Ritter, abgedruckt in der "Jungen Welt": Das volle Ausmass der menschlichen Verluste im Krieg gegen den Irak ist jetzt bekannt. Juengste Schaetzungen serioeser Forschungsinstitute zeigen, dass mehr als 100000 irakische Zivilisten infolge der US-gefuehrten Invasion gestorben sind, die meisten von ihnen Frauen und Kinder. Das ist ein vernichtendes moralisches Urteil fuer unsere Laender. Zivile Opfer sind immer eine tragische Realitaet moderner Kriege gewesen.
24.12.2004
Frage von Leben und Tod
In der Süddeutschen Zeitung findet sich ein ungewöhnlicher Brief an den Bundeskanzler. In dem Brief (siehe unten) erinnern einige Prominente den Kanzler an seine Versprechungen etwas gegen die Armut zu tun. Ein ganz einfaches Anliegen. Wer heutzutage diese Seite unserer Moderne anprangert wird aber immer öfters als "Spinner, Moralist oder Träumer" abgefertigt. Das ökonomische System beansprucht offen die absolute Alternativlosigkeit für sich. Im SPIEGEL kommentiert Henryk M.
20.12.2004
Witschaftswoche und Religion
In der WirtschaftsWoche/Standpunkt findet sich folgender Kommentar: Nietzsche ist tot - von Chefredakteur Stefan Baron "Credo, ut intelligam“ schrieb Anselm von Canterbury 1077 in seinem „Proslogion“: Ich glaube, damit ich verstehe. Der große Scholastiker brachte damit nicht nur den (positiven) Zusammenhang zwischen Glauben und Erkenntnis, sondern auch den zwischen Glauben und Erfolg auf den Punkt. Ich glaube, damit ich verstehe – nicht wie ein Hybridmotor oder Hartz IV funktioniert, sondern wer und was ich bin, was der Sinn meiner Existenz ist.
14.12.2004
Man hüte sich vor alten Männern
Jürgen Todenhöfer war Politiker und ist heute Medienmanager. Interessanterweise werden heute vor allem "pensionierte Politiker" in der Debatte um die Globalisierung aktiv. Heiner Geissler, Helmut Schmidt und Jürgen Todenhöfer wollen alle nichts mehr in der Politik werden und sind daher frei für eine schonungslose Abrechnung. Das erinnert an ein Bonmot von Bernhard Shaw: "Man hüte sich vor alten Männern, die haben nichts mehr zu verlieren". Die Kritik am globalen Kapitalismus ist längst eine nüchterne Systemkritik. Es gibt also keine Verschwörung oder gar "Bösewichte", die den Vorgang steuern.
12.12.2004
Die schöne Ungarin: was ist Schicksal, was ist Zufall?
Heute beschäftigen mich zwei Fundstellen über den sogenannten "Zufall" die mich gefunden haben. In dem Buch "Technique de Coup de Banque" von Schaikh-Abdalqadir as-Sufi finde ich über den Zufall folgende muslimische Position. Dort heißt es: "Die gewöhnlichen Massen, ... mussten die Lehre vom Schicksal durch eine andere Erklärung ersetzen. Diese Erklärung hieß Zufall. So geschah es, dass der Erlass der Pariser Kommune vom 15. November 1793 die Einrichtung des institutionalisierten staatlichen Glücksspiels vorsah. Die staatliche Lotterie wurde Teil der Religion des Höchsten Wesens.
04.12.2004
Ein Verbot
Die Trennlinie zwischen islamischem Recht, Politik und Moral verschwimmt auch bei Muslimen immer wieder. Klassisches Beispiel ist der Palästina-Konflikt. Die meisten Muslime können angesichts des brutalen Charakter des Konfliktes kaum mehr kühlen Kopf bewahren. Die Not der palästinensischen Bevölkerung ist zudem Teil des Erfahrungshorizontes vieler hier lebender Muslime. Die Hamas macht sich diese Emotionen zu Nutze, indem sie ihre Strategie aus einem Mix islamischer, politischer und moralischer Elemente zusammenstellt. Ihre Aktivitäten sind daher ebenfalls eine Mixtur.
30.11.2004
Irrationale Züge
Deutschland ist im politischen Feld aufgeklärt und stolz auf seine Rationalität. Nur, wie steht es mit der Aufklärung und unserem ökonomischen Modell? Diese Debatte beginnt nun angesichts des drastischen Zerfalls des Dollars. Der Wirtschafts-Nobelpreisträger Robert A. Mundell hält die jüngsten Kursgewinne des Euro für irrational und willkürlich. Im Interview mit «Spiegel Online» sagte Mundell am Dienstag: "Es glaubt doch niemand daran, dass die europäische Volkswirtschaft stark ist".
27.11.2004
Gezielte Diskriminierung
Frauen und Islam - dieses Thema ist ein weites Feld. Gerade in unserer Gemeinschaft spielen die Frauen eine wesentliche Rolle und ein Mann, der etwa seine Frau schlägt, hätte keine Chance sich bei uns zu sozialisieren. Natürlich wird das Thema auch benutzt. Ulla Jelpke schreibt in der "Jungen Welt" über den Islam als ein neues "bürgerliches" Feindbild. Die radikale Subjektivität mancher Medien hat Methode, denn sie erspart die kritische Eigenreflektion, zum Beispiel die Analyse der Auswirkungen des Kapitalismus auf Frauen, Umwelt und Leben.
22.11.2004
Viel Gerede
Erstaunlich viel Gerede über den Islam in Deutschland. Da verliert das "Man" schnell den Überblick. Es gibt aber auch andere Stimmen. Robin Alexander beispielsweise schreibt in der taz: "... Das ist aber immer und überall auf der Welt so, wenn ganze Gruppen aus ökonomischen und sozialen Zusammenhängen ausgeschlossen werden - ein anderer kultureller Hintergrund kann so eine Situation verschärfen, aber niemals auslösen.
18.11.2004
Ein bisschen viel Politik
Tja, der Sonntag wird wohl die Muslime eher spalten als versöhnen. Hingehen? Wegbleiben? Die Demonstration wird leider inzwischen von verschiedener Seite "politisiert". Die ersten Politiker nehmen den Muslimen, die sich ja eigentlich erklären wollten, die Redezeit weg. Grundidee der deutschen Politik bisher: Der "böse" politische Islam soll durch einen "guten" politischen Islam bekehrt werden. Ist also beides politischer Islam ...
16.11.2004
Entgrenztes Entsetzen
Deutschland ist immer dann eine unheimliche Größe, wenn es "total" wird. Im Moment ist wieder eine Zeit des entfesselten Geistes und absoluter Subjektivität angebrochen. Die Trennlinie zwischen Kriminalität, Kultur, Ideologie, Terrorismus und dem Islam werden von manchen Medien bewußt aufgelöst. Bei 1,3 Milliarden Muslime weltweit finden sich schnell Beispiele für alles. Eigentlich kann man mit der Technik, aus Einzelfällen auf das Ganze zu schließen, gesellschaftlich alles und nichts beweisen.
10.11.2004
Der rechte Weg und die Rechten
Kontrastprogramm in Leverkusen. Während die Innenstadt wegen einer Demo von einigen dumpfen Rechten abgesperrt ist, treffen wir uns zur Nacht der Nächte mit den albanischen Muslimen der Stadt. Unsere geistige Haltung ist dabei genau das Gegenteil: Miteinandersein statt Rassismus. Hier meine kurze Ansprache: As-salamu ´alaikum wa rahmatullah Zunächst möchte ich mich bedanken, dass Ihr als Dschamaat mir erlaubt, ein paar Worte an Euch zu richten.
08.11.2004
IZ Iftar 06.11.2004 in Bonn
Liebe Brüder und Schwestern im Islam, Liebe Freunde der IZ, As-salaamu ´alaikum, Im Namen der Redaktion begrüße ich Sie recht herzlich zu unserem heutigen Iftar in Bonn. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, ein paar Worte zum aktuellen Stand unseres Medienprojektes zu sagen. Es bedarf keiner großen Worte, um die Wichtigkeit dieses Mediums herauszuheben, ist doch die IZ zu einer der wichtigsten Brücken geworden - einer Brücke für die Muslime untereinander, aber auch für den Austausch der Muslime mit dieser Gesellschaft.
07.11.2004
Körper ohne Worte
Süddeutsche Zeitung 10.01.2004 Körper ohne Worte Gegen die biopolitische Tätowierung / Von Giorgio Agamben Ich habe den Zeitungen entnommen, dass ausländische Staatsbürger, welche die Vereinigten Staaten mit einem Visum besuchen möchten, bei der Einreise ins Land datenmäßig erfasst und dass von ihnen Fingerabdrücke genommen werden. Weil ich mich einer solchen Prozedur nicht unterziehen möchte, habe ich sofort die Lehrveranstaltungen abgesagt, die ich im März an der New York University halten sollte.
05.11.2004
NEWS über Muslime und Christen
Unter dem Titel „Ist da noch Platz für einen Gott im säkularen Europa“ sieht NEWSWEEK in Europa eine Koalition von Muslimen und Christen voraus. Denn – so das Blatt in der Novemberausgabe – nach dem Fall des Kommunismus haben die Religionen einen neuen Feind ausgemacht, den militanten und radikalen Säkularismus. Der Kampf der Kulturen bestehe daher weniger aus einer Auseinandersetzung zwischen „Islam“ und dem „Westen“, sondern vielmehr aus dem Wettstreit zwischen Glaubenslehre und säkularer Ideologie.
03.11.2004
Aufenthalt in Dubai
"Der Monat Ramadan ist es, in dem der Qur'an als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt worden ist und als klarer Beweis der Rechtleitung und der Unterscheidung. Wer also von euch in dem Monat zugegen ist, der soll in ihm fasten. Und wer krank ist oder sich auf einer Reise befindet, soll eine Anzahl anderer Tage (fasten) - Allah will es euch leicht, Er will es euch nicht schwer machen - damit ihr die Frist vollendet und Allah rühmt, daß Er euch geleitet hat. Vielleicht werdet ihr dankbar sein.
31.10.2004
Wem hilft Bin Ladin?
Wem hilft bin Ladin? Nun sicher nicht der islamischen Welt oder den Muslimen. In Amerika wird diskutiert wem der Bösewicht und seine intellektuell sehr schlichte Rede zur US-Wahl zur Hilfe kommt. Die Auswirkungen der neuen Drohungen von Osama bin Laden auf die Wahlen in den USA kommentiert beispielsweise die römische Zeitung «La Repubblica» am Sonntag: «Das Gesicht von Osama bin Laden hängt schwer über Bush und Kerry und über der Ehre einer großen Demokratie unter Schock.
24.10.2004
Kommen die neuen Paralellgesellschaften?
In seiner neuesten Ausgabe berichtet der "SPIEGEL" über eine neue Form des Wohnens in Europa. In Südfrankreich enstehen für einige Superreiche Wohnviertel, die als Hochsicherheitszonen ausgebaut sind. "Gated Communities" waren ursprünglich eine Spezialität der USA. Großzügige Schätzungen, so heißt es im "SPIEGEL", sprechen von mittlerweile 30 Millionen Amerikanern, andere von mindestens 8 Millionen, die hinter solchen Schranken leben. Aber nun werden diese oder ähnliche Anlagen auch in Europa immer populärer.
21.10.2004
Ist Folter patriotisch?
Der offensichtliche Wandel der ehrwürdigen Diplomatie zeigt der folgende Fall des englischen Botschafters in Usbekistan. Eigentlich würde der Botschafter einen Orden verdienen - er wurde aber nur entlassen: Der britische Botschafter in Usbekistan, Craig Murray, ist am vergangenen Donnerstag entlassen worden. Ein Bericht des britischen Independent vom Samstag läßt keinen Zweifel daran, daß der Grund hierfür ist, daß Murray sich wiederholt gegen die Menschenrechtsverletzungen der usbekischen Regierung ausgesprochen hat.
17.10.2004
Terrorismus und die historische Angemessenheit
Zu erstaunlichen Resozialisierungsmaßnahmen ist Europa immer dann bereit, wenn es ums Geld geht. Erstaunlich, wie in diesen Tagen beispielsweise der lybische Diktator vom Terrorismus freigesprochen wurde. Die Theorie die zum Freispruch führt ist so einfach wie unbefragbar: "Der Mann führt für uns die Martktwirtschaft ein, also wird auch sicher die Demokratie folgen". Der Vorteil der aktuellen Politik der Trennung von Humanität und Geschäft macht sich dabei praktischerweise schon heute bezahlt.
13.10.2004
Was erlauben Strunz?
Vor einigen Jahren noch undenkbar: In der N24 Sendung "Strunz" diskutiert der NPD-Vorsitzende Voigt ganz sachlich mit dem SPD-Politiker Glotz über Ausländer und die rassische Philosophie des neuen "Reiches". Ein Warnsignal. Die Möglichkeit, dass ein rechtes Bündnis in den nächsten Bundestag zieht, ist zweifellos da. Die Folge wäre natürlich auch eine herbe Rhetorik gegen die Muslime im Land. Vielleicht agitiert die Rechte sogar bald zu besseren Sendezeiten und nicht nur in einem Nischenkanal.
11.10.2004
"Wenn die Dollar-Symbiose endet"
Die Financial Times ist eine nüchterne, aufgeklärte Zeitung. Dies zeigt auch die nachfolgende Kolumne "Wenn die Dollar-Symbiose endet" von Lucas Zeise. Lucas Zeise ist Finanzkolumnist der FTD. Zeise beschreibt in seiner neuen Kolumne neue Gipfel der Irrationalität: Die Stabilität des Weltfinanzsystems hängt von Entscheidungen der Kommunistischen Partei Chinas ab. Das Dilemma des Westens und des Kapitalismus lässt sich kaum noch verbergen: Ja, es gab die Aufklärung, allerdings nur im politischen Feld, nicht in der Ökonomie.
06.10.2004
Trostlos Karriere ohne Bildung
Werden mitten in Deutschland - in islamistischen Koranschulen und Sozialeinrichtungen - bereits die Dschihad-Terroristen von morgen sozialisiert? Diesen Verdacht untersuchte jetzt die Tagung "Radikalisierungstendenzen und extremistische Milieus", veranstaltet vom Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV). Und kam zu einem erstaunlichem Ergebnis. "Wir haben bisher keine Hinweise, dass terroristische Gewalttäter zuvor islamistische Bildungseinrichtungen in Deutschland besucht haben", so die Verfassungsschutzexpertin Rita Breuer.
01.10.2004
Verhandeln statt aufklären?
Im Welt-Interview spricht Umberto Eco über gesellschaftliche Strategien jenseits des simplen Entweder-Oder. Eco über das Kopftuch und seine Wirkungen an der Schule: "Es geht nicht darum, ob jemand schwarz oder weiß ist. Ich habe einen Artikel über eine Angelegenheit hier in Mailand geschrieben. Eine Gruppe ägyptischer Eltern wollte ihre Kinder nur auf das italienische Gymnasium schicken, wenn separate Klassen für sie eingerichtet werden.
28.09.2004
Attacken und Angriffe....
Es ist interessant, bei genauerem Nachdenken vielleicht auch einfach logisch, dass die Islamische Zeitung eigentlich kaum einmal positive Erwähnung in den Medien findet. Die Zeitung bricht eben immer wieder die einschlägigen Bilder und zeigt die Faszination des Islam in Europa. Darüberhinaus ist es eine der wenigen Foren und Plattformen, in denen unterschiedlichste Charaktere frei zu Wort kommen und ein offenes Gespräch zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen modereriert wird. Hier geht es also um die Freiheit des Denkens. Das gefällt nicht jedem.
25.09.2004
Glucksmann und der Weg in das menschliche Chaos
Le Monde: Der Philosoph Andre Glucksmann beschreibt dort den Weg ins Chaos oder die Situation in einem "Konzentrationslager unter freiem Himmel". Ein engagiertes Manifest gegen die geschichtslose und gesichtslose Politik Europas. Was bedeutet diese de facto Toleranz angesichts der russsischen Politik? Andre Glucksmann: Wer das Ende der Welt lebt, sieht es nicht, wer es sieht, lebt es zwar nicht, aber er ist dazu verdammt, gegen seinen Willen am Rande des Abgrunds zu meditieren.
23.09.2004
Ohne Anstand und Respekt
Bemerkenswertert Kommentar im schweizer Tages-Anzeiger vom 23.09.2004 : Von Peter Hartmeier Der wirtschaftliche Aufstieg der Schweiz in den vergangenen 200 Jahren wäre ohne eingebürgerte Ausländer nicht denkbar gewesen. Unsere Wirtschaftsgeschichte ist geprägt durch Firmengründungen von Ausländern erster, zweiter oder dritter Generation: Handwerksbetriebe, Pizzakuriere, Uhrenfabriken wie IWC oder Lebensmittelkonzerne wie Nestlé. Universitäten und ETH haben nicht zuletzt dank kreativer Menschen aus der ganzen Welt ihre Positionen erkämpft.
20.09.2004
Gefährdungen
Die Wahlergebnisse im Osten der Republik und der erschreckende Erfolg der NPD bei jungen Ostdeutschen verweisen auf ein interessantes Paradox. Bei jungen Muslimen - gerade auch aus dem Feld des organisierten Islam - findet sich mehr Zuspruch und Engagement für die Demokratie als bei jungen Ostdeutschen. Die Mär von der akuten Gefährdung der Demokratie durch den "Islamismus" in Deutschland könnte nicht besser ad absurdum geführt werden.
15.09.2004
Potsdam: Erlaubt der Islam Selbstmordattentate?
In Potsdam gab es in den letzten Tagen - nach einer Nachfrage des CDU-Landtagsabgeordneten Petke an den Imam der "Studentenmoschee" - eine interne Diskussion der Potsdamer Muslime über die Legitimität von Selbstmordattentaten und wie man sich dazu öffentlich stellen soll. In diesem Punkt kann es mit uns keine Diskussion geben. In unserem Zentrum werden andere Positionen zu diesem Thema auch nicht geduldet.
13.09.2004
Schaikh Moulay Al-'Arabi Ad-Darqawi
Schaikh Moulay Al-'Arabi Ad-Darqawi lebte von ca. 1150 n.d.H. bis 1235 n.d.H. in der Nähe von Fez (Marokko) und ist der Namensgeber der bekannten Qadiri-Schadhili-Darqawi-Tariqat, die heute weltweit Zentren unterhält. Berühmt ist er durch seine Briefe an seine Schüler, die voller alltäglich-praktischer Anweisungen sind, für diejenigen, die unter Führung eines Schaikhs Wissen von Allah wa ta'ala und Seiner Schöpfung suchen.
09.09.2004
Eine nachvollziebare Debatte
"Grenzen sich die Muslime Deutschland ausreichend vom Terrorismus ab?" Über diese Frage ist zu Recht eine Debatte entbrannt. Der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Bundestagsfraktion Schäuble beispielsweise hat die Muslime Deutschlands in einem Interview mit dem Deutschlandradio aufgefordert, sich "klar vom Terrorismus" abzugrenzen. Schäuble gilt als besonnener Politiker und man sollte nicht von vornherein seinen gut gemeinten Rat in den Wind schreiben. Muslime sollten auch nicht allzu sorglos sein.
08.09.2004
Bis wo will der Westen Putin folgen?
Die unabhängige Pariser «Monde» stellt am Mittwoch die Russlandpolitik des Westens in Frage: «Die Realpolitik, die dem Westen diktiert, sich jeder Kritik am Herren im Kreml zu enthalten, ruht auf der Überzeugung, dass Russland immer noch ein Großer ist. Das ausgedehnteste Land der Erde hat zwar demographisch wie ökonomisch Kraft verloren: Seine Wirtschaft ist heute gerade mal so groß wie die niederländische. Doch es verfügt noch über zahlreiche Atomwaffen und hält einen der fünf ständigen Sitze im UN-Sicherheitsrat. Im weltpolitischen Spiel zählt Moskau noch.
06.09.2004
Fragen der Wortwahl
Auch Muslime fragen sich, ob der moderne Terrorismus den Islam diskreditiert. Die Antwort ist Nein. Der Terrorismus diskreditiert bestimmte Muslime, nicht aber den Islam. Der Islam erlaubt weder Terrorismus noch Selbstmordattentate. Daher kann man - wenn man den Islam nicht in seinem Ruf schädigen will - von muslimischem Terrorismus sprechen, nicht aber von "islamischem" Terrorismus. Es gibt zum Beispiel muslimische Kriminelle, nicht aber eine "islamische" Kriminalität. Leider sieht man insofern in der Wortwahl bereits die Intention, Positivität und Negativität.
04.09.2004
Orte des Schweigens
"Und tötet Euch nicht selbst.." (Sura an-Nisa,32) Die gemeinsame Empörung geht über religiöse oder kulturelle Grenzen hinaus: Das brutale Morden und Töten in Beslan findet zu Recht keine Sympathie, auch bei denen nicht, die das tragische Schicksal der tschetschenischen Bevölkerung über die letzten Jahre verfolgt haben. Dies schließt nüchterne Kritik an der jahrelang duldsamen Russlandpolitik der Bundesregierung nicht aus. Eine Kritik die doppelt schwer wiegt, da Deutschland in Moskau wirklich Einfluß hätte.
31.08.2004
Die trostlose "Tagesschau"
Die "Tagesschau" ist heute abend einigermaßen trostlos. Der Wahnsinn der Selbstmordattentate zeigt sich in den nihilistischen Bilder der Zerstörung und willkürlichen Auslöschung. Man ahnt, dass John Gray Recht hat, der das geheimnisvoll gleichförmige(Un-)Wesen moderner Ideologien darin sieht, dass sie glauben durch die Auslöschung ihrer Feinde würde die Welt besser oder gerechter. Dann Bilder vom Kanzler, der ganz herzig mit dem Hund von Herrn Putin am Meer spielt. Dann aber wieder ganz der ernste Staatsmann mit Wirtschaftskompetenz.
27.08.2004
Über die Wichtigkeit des sich Versammelns
Aus dem Buch über die Grundlagen des Sufismus von Schaikh Ibn Adschiba
Islam kann man nicht wirklich alleine praktizieren. Im "sich absondern" oder im "Einzelgängertum" liegt wenig Gutes. Schaikh Ibn Adschiba rät in seinem berühmten Buch und Klassiker über die Grundlagen des Islam und Sufismus, "Al-Futuhat Al-Ilahiyya fi Scharh Al-Mabaahith Al-Asliyya": Wisse, dass die Versammlung eine der größten und wichtigsten Säulen für die Leute (des Sufismus) ist. Einer der Sufis hat gesagt: "Sufismus ist auf drei Dinge aufgebaut: Versammlung, Zuhören und Folgen". Wer von den Brüdern abgesondert und mit sich selbst beschäftigt, von ihm kommt nichts.
23.08.2004
Deutsche werden zu einem Volk der Unzufriedenen
Nicht einmal die Hälfte der Deutschen ist zufrieden mit der Gesellschaft. Besonders hoch ist der Anteil der Unzufriedenen in Ostdeutschland. Die geht aus dem am Montag in Berlin von Statistischem Bundesamt und Sozialwissenschaftlern vorgestellten «Datenreport 2004» hervor. Besonders krasse Ost-West-Unterschiede zeigen sich bei der Einstellung zur Demokratie. Jeder zweite Ostdeutsche hält die deutsche Staatsform nicht für die beste. Ein Viertel meint sogar, es gebe eine bessere. 76 Prozent der Ostdeutschen halten den Sozialismus für eine gute Idee, die nur schlecht ausgeführt wurde.
21.08.2004
Die Frauen und der Islam
Aischa, die Frau des Propheten, sagte: „Wie großartig sind die Frauen der Ansar. Ihre Bescheidenheit hielt sie nicht davon ab, zu Gelehrten im Din zu werden.“ Es gibt keinen Zweifel, dass der Islam die Wichtigkeit des Wissens betont. Jeder kennt den berühmten Ausspruch des Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden schenken: „Suche Wissen, selbst wenn es in China ist.“ Der Qur’an befiehlt uns ebenfalls, Wissen zu suchen. Allah sagt: „Sprich: Herr, mehre mein Wissen.
09.08.2004
Das Märchen vom Wachstum
Geld, Komplementärwährungen, Zins- in allen großen Tageszeitungen werden neuerdings Texte veröffentlicht, die den blinden Glauben an den Kapitalismus unterwandern. Die Grundfrage: hat die Aufklärung im Ökonomischen nicht stattgefunden? Sind die Grundparameter des Kapitalismus irrational? Zudem wachsen die Befürchtungen, dass die Hartz IV Konzepte nicht zufällig numeriert sind, also weitere Stufen bald folgen müssen.
05.08.2004
Bewegung gegen den Zins
"Allah hat den Handel erlaubt, aber das Zinsnehmen verboten" (Sura al-Baqara, 275) Was hat der Islam und seine Offenbarung zur Ökonomie zu sagen? Diese Frage wird relativ wenig diskutiert - sie ist aber in dieser Zeit des "digitalen Kapitalismus" natürlich eine menschliche Schlüsselfrage. Der Islam beschäftigt sich traditionell mit den alten Fragen des gerechten Handels und der natürlichen Begrenzung ökonomischer Macht.
02.08.2004
"Der arabische Westen"
Manchmal ist es auch interessant "wer" eine Nachricht verbreitet. Diese Nachricht liest man bei evangelischen, katholischen Multiplikatoren und in der "Welt": "Europa wird in Zukunft Teil des arabischen Westens werden. Das sagt einer der führenden Islamforscher, der Amerikaner Bernard Lewis, voraus. Für diese Entwicklung sprächen die Wanderungsbewegungen und die Bevölkerungsentwicklung, erklärte der an der Universität Princeton lehrende Nestor angloamerikanischer Nahost-Geschichtsforschung in einem Interview mit der Tageszeitung „Die Welt“.
26.07.2004
«Nationaler Entschuldungsplan»
Deutschland ist aufgeklärt, rational und logisch - das gilt vielleicht im politischen, nicht aber im wirtschaftlichen Bereich. Das aufgeklärte Deutschland weiß längst: Deutschlands Schulden sind auf Generationen nicht bezahlbar. Nur wie erklärt man das Irrationale, und wie handelt man logisch in dieser Situation? Diese "rationale" Frage wird auch für die Politik immer unbequemer zu beantworten. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hat nun einen «nationalen Entschuldungsplan» für Deutschland gefordert.
24.07.2004
Studie: Türken in Deutschland religiöser
Muslim zu sein hat nicht wirklich mit dem Gegensatz modern - mittelalterlich zu tun. Die in Deutschland lebenden Türken werden heute laut einer Untersuchung des Essener Zentrums für Türkeistudien immer religiöser. Im vergangenen Jahr hätten sich 71 Prozent von ihnen als religiös bezeichnet - 14 Prozent mehr als im Jahr 2000, berichtete das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel». Mit einem Anstieg von 8 auf 20 Prozent noch stärker gewachsen sei die Zahl derer, die sich als «sehr religiös» bezeichneten. Nicht Muslim zu sein ist also bei vielen "modernen" Türken irgendwie "altmodisch".
21.07.2004
Offener Brief der GfbV an die Uni Hamburg
"Mit der Ehrendoktorwürde an Putin „würdigen“ Sie die Zerstörung der russischen Demokratie und den Völkermord an den Tschetschenen!" so argumentiert die GfbV in ihrem offenen Brief: Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Professorinnen und Professoren, die Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Hamburg an den russischen Präsidenten Wladimir Putin ist eine hohe Auszeichnung durch eine traditionsreiche und weltbekannte Hochschule, aber eigentlich auch eine Auszeichnung durch die Hansestadt Hamburg.
18.07.2004
China und die Politik der Folgenlosigkeit
In den letzten Jahren habe ich mich immer wieder einmal mit dem Schicksal der Uiguren beschäftigt. Vielleicht auch, weil die Situation dieser Muslime im chinesischen Staat so aussichtslos erscheint. Ironischerweise werden die Uiguren noch am stärksten in den USA unterstützt, für die ein unabhängiges Ostturkestan eines Tages einen gewissen geopolitischen Charme haben könnte. Das Beispiel China zeigt aber auch die schizophrene Politik Deutschlands, wenn es um die Menschenrechtslage und geschäftliche Interessen geht.
15.07.2004
Das besondere deutsch-saudische Verhältnis
Nach der Festnahme des früheren Rüstungs- Staatssekretärs und Verfassungschutzpräsident Ludwig-Holger Pfahls in Paris bemüht sich die deutsche Justiz mit Hochdruck um die Auslieferung des ehemaligen CSU- Politikers. Der Skandal gibt ein wenig Einblick in das besondere politische Verhältnis zwischen Saudi-Arabien und Deutschland. Es ist, im Gegensatz zum Verhältnis zu anderen Ländern, beinahe traditionell kritiklos und geprägt von Lobbyisten mit gutem Verhältnis zur Politik.
10.07.2004
Al-Qaradawi in England
„Heroisches Märtyrertum“ so bezeichnet Yusuf al-Qaradawi im Interview der Londoner BBC Newsnight wieder einmal die Aktionen palästinensischer Selbstmordattentäter. Diese – so Qaradawi - hätten mangels besserer Waffen keine andere „Wahl“ und müssten daher gegen den übermächtigen israelischen Feind einen „verzweifelten“ Krieg führen. De facto ist Al-Qaradawi, sonst in sicherer Entfernung auf dem quasi US-Flugzeugträger Qatar beheimatet, einer der geistigen Befürwörter der so explosiven, wie auch destruktiven und erfolglosen Strategie.
07.07.2004
Akademie - Wozu?
In Berlin wurde unter Federführung der Bundeszentrale für politische Bildung und der langjährigen Ausländerbeauftragten für Berlin, Barbara John, eine Muslimische Akademie gegründet. Dies geschah nach 14-monatigen quasi-geheimen Vorbereitungen und nach einem wenig transparenten Auswahlverfahren. Vorsitzender der Akademie ist Abdulhadi Christian Hoffmann. Für die Akademie gilt wohl hoffentlich nicht das alte süddeutsche Sprichwort: "Wessen Brot ich ess', dessen Lied ich sing'".
30.06.2004
Straßburg und das Kopftuch
"Das strenge Eingreifen der türkischen Regierung an den Universitäten, gekoppelt mit einem strikten Kopftuchverbot für Studenten und Dozenten, unterdrückt die akademische Freiheit" (Report der Human Rights Watch) "Das Kopftuchverbot an türkischen Hochschulen verstößt nicht gegen das Grundrecht auf Religionsfreiheit" - so jedenfalls urteilt der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg und wies am Dienstag die entsprechende Klage einer muslimischen Medizinstudentin zurück.
26.06.2004
Potsdam: "Der ganze Weg besteht aus Adab"
"Um zu verstehen muß man lieben". J.W. Goethe Freitagabend in Potsdam: In einem faszinierenden Dia-Vortrag schildert Abdurrahman Reidegeld die Glanzzeit des islamischen Indien, den Höhepunkt des Reiches der Moghuln im 17. Jahrhundert, in der das bedeutendste Grabmal der Weltgeschichte entstand. Das Tadsch Mahal ist weltbekannt und Höhepunkt jeder Indienreise. Weitgehend unbekannt aber ist der historische Hintergrund: Eine Liebesgeschichte, deren ewiges Denkmal das Bauwerk ist.
24.06.2004
Paradoxes Verhältnis: Saudi-Arabien und der Wahabismus
In der Frankfurter Allgemeinen findet man heute einen Artikel über die König-Fahd-Akademie in Bonn. Dort liest man: "Seit im Herbst 2003 bekannt wurde, dass in der Moschee der Fahd-Akademie "während des Freitagsgebetes zum „Heiligen Krieg“ gegen Nichtmuslime aufgerufen wurde und sich in deren Umfeld muslimische Extremisten aufhalten, sind die Behörden alarmiert". Zunächst wollte der Kölner Regierungspräsident Jürgen Roters die Schule schließen. Doch das Auswärtige Amt intervenierte. Die diplomatischen Beziehungen zu Saudi-Arabien würden leiden.
22.06.2004
Herr Zimmermann und seine Vision
Der Ludwigsfelder Werner Zimmermann sieht einen Weg aus der Wirtschaftsmisere
"Allah hat den Handel erlaubt, aber das Zinsnehmen verboten" (Sura al-Baqara, 275) Beim Frühstück entdecke ich einen faszinierenden Beitrag in der Märkischen Allgemeine über einen wackeren Brandenburger Christen, Herrn Zimmermann. Herr Zimmermann hat nüchtern erkannt, dass unser heutiges Finanzsystem leicht irrationale Züge hat. "Für Werner Zimmermann ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Nach seiner Ansicht wird es in Deutschland wirtschaftlich noch viel schlimmer kommen.
20.06.2004
Potsdamer Kaffeegespräche
"Alle Religionen seindt gleich und guht, wan nuhr die Leute, so sie profesieren*), erliche Leute seindt, und wen Türken und Heiden kähmen und wolten das Land pöbplieren**), so wollen wier sie Mosqueen und Kirchen bauen." (Friedrich der Große, 1740 in Potsdam) *)ausüben **)bevölkern "Wenn ihr versucht, die Segnungen Allahs aufzuzählen, so könntet ihr sie niemals alle zählen" (Sura Ibrahim 34, An-Nahl 18) Sonntag in Potsdam. Wie üblich trifft sich die Potsdamer Gemeinschaft zum Koran und zum anschließenden Kaffee im Garten. Wie immer gibt es einige Überraschungsgäste.
18.06.2004
Die Rückkehr der Lager: Mindestens 13 "mutmaßliche" Geheim-Haftanstalten
"Die Politisierung des nackten Lebens als solches bildet auf jeden Fall das entscheidende Ereignis der Moderne." (Giorgio Agamben: "Homo Sacer". Die souveräne Macht und das nackte Leben) Als ich vor einem halben Jahr auf das Buch Agambens ("Homo sacer") stieß und damit auf die düstere Analyse des Philosophen, dass im Weltstaat das Lager integrierter Bestandteil sei, hätte ich nicht gedacht, wie schockierend real diese Prognose eigentlich ist (siehe auch den Vortrag "Nihilismus und Menschenrechte"). Heute wissen wir längst von den Folterlagern im Irak.
17.06.2004
Gemeinsamkeiten und das Wunder der Geldvermehrung
"Die Grünen im Bundestag entdecken immer mehr Gemeinsamkeiten mit Positionen der katholischen Kirche", liest man heute in den Zeitungen. Na, das überrascht ein wenig, war doch die grüne Bewegung bisher eher ein selten gesehener Gast in katholischen Kirchen. Was könnte gemeint sein? Hm, vielleicht, dass man in der katholischen Kirche nichts wird ohne den Papst und bei den Grünen nichts ohne Joschka Fischer? De facto - und das ist eine Gemeinsamkeit - hat der gesellschaftliche Einfluß von Grünen und Kirche rapide abgenommen. Realpolitik verdrängt Idealismus.
13.06.2004
Sarajevo - Köln
Blickt man von den Bergen um Sarajevo auf die bosnische Metropole, dann erkennt man schnell den Ablauf der jüngeren Geschichte der Stadt. Die osmanische Altstadt, die österreichisch-ungarische Kaiserzeit, der Kommunismus sind als geschichtliche Manifestationen mit ihren jeweiligen Baudenkmälern wie auf einer Schnur in dem Tal aufgereiht. Das Olympiastadion und davor die Mahnung der frischen Gräberfelder machen ebenfalls einen starken und nachhaltigen Eindruck auf jeden Besucher.
09.06.2004
Guter Terrorist? Legaler Terrorismus?
Auf Spiegel.de liest man heute folgende erstaunliche Nachricht über den Hintergrund des neuen irakischen Präsidenten: "Über den Nordirak hat die Gruppe um Alawi Autobomben und andere Sprengsätze nach Bagdad geschmuggelt", schreibt die Zeitung (New York Times). Mit den Bomben sollten Regierungseinrichtungen sabotiert werden. Einen ganzen Ring von Agenten habe Alawi angeführt. Die Wirksamkeit der Anschläge sei umstritten, die Herrschaft Saddams nie gefährdet worden.
07.06.2004
Sonnenanbetung
"Mit den Ergebnissen von Bonn ist die Welt auf einem guten Weg. Das Zeitalter der Erneuerbaren hat begonnen...." (Aus der Presseerklärung der Bonner Konferenz) Krieg ums Öl. Eine offene, weltumspannende Geopolitik, deren möglicher Vollzug noch vor Jahren als Verschwörungstheorie abgetan worden wäre. Erfundene Kriegsgründe. Lügen. Permanenter Ausnahmezustand. Irak. Folter. Der aufgeklärte Westen staunt noch ein wenig. In solchen Lagen braucht es ein positives Signal, etwas woran auch die "Stützen der Gesellschaft" wieder langfristig glauben können. Auch unsere Führung spürt das.
06.06.2004
"Moderner Verdunstungsprozess des christlichen Glaubens"
Hohe Kirchenvertreter haben am Wochenende den Niedergang des Christentums in Deutschland mit verheerenden Folgen für den bisherigen Wertekonsens in der Gesellschaft beklagt. «Deutschland und Europa sind neu Missionsland geworden», sagte der römische Kurienkardinal Walter Kasper am Sonntag in Fulda bei einem Pontifikalamt auf dem Domplatz vor rund 25 000 Gläubigen. Am Vortag hatte bereits der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann betont, die Folgen eines «modernen Verdunstungsprozesses des christlichen Glaubens» seien mehr und mehr zu spüren sein.
03.06.2004
Halbzeit in Basel
Spiele der deutschen Nationalmannschaft sind Festtage, vor allem wenn es gegen so übermächtige Gegner wie Malta oder die Schweiz geht. Natürlich sitzt da auch ein deutscher Staatsbürger muslimischen Glaubens vorm Fernseher und fiebert mit. Und zwar nicht mit den türkisch-muslimisch-schweizerischen Yakin Brüdern sondern natürlich mit Rudis Deutschland. Fußballfeste sind - zum Glück - die letzten nationalen Großereignisse. Zur Pause kommt wie immer für die Millionen Fußballbegeisterte das heute-journal. Die lockere Stimmung kippt diesmal schnell.
31.05.2004
Das Freitagsgebet und die Einheimischen
Gespräch in Potsdam. Wir unterhalten uns über das Freitagsgebet und die Voraussetzungen für seine Gültigkeit. Nach der malikitischen Rechtsschule gibt es hier unter anderem einen interessanten Grundsatz: das Prinzip des Einheimischseins. So müssen für ein korrektes Freitagsgebet mindestens 12 Muslime "einheimisch" sein, also mit der klaren "Absicht", vor Ort zu leben und hier langfristig zuhause zu sein. Natürlich müssen sie nicht an dem betreffenden Ort geboren sein.
29.05.2004
"Gegen das Vergessen" - Erinnern an Solingen
Das muslimische Totengebet blieb lange unvergessen. Gerade einmal elf Jahre ist es her, dass der rechtsradikale Solinger Brandanschlag am 29. Mai 1993 fünf türkische Frauen und Mädchen verbrannt hatte. Vier junge Solinger hatten damals das Haus der türkischen Familie Genç angezündet und die Existenz der türkischen Familie auf einen Schlag zerstört. Der Anschlag löste nicht nur weltweit Entsetzen, sondern auch eine intensive innenpolitische Diskussion aus. Die Tat zeigt aber auch die ganze Unversöhnlichkeit rechter oder rassistischer Thesen mit dem Islam und dem Leben der Muslime auf.
28.05.2004
Eine Nacht der Armen in Soweto
Soweto ist ein Mythos. Soweto stand für den Freiheitswillen der schwarzen Bevölkerung gegen das südafrikanische Apartheidsregime. Heute ist Soweto ein nach wie vor in sich geschlossener sozialer Brennpunkt in der Nähe Johannisburgs. Die neuen Gegner sind: Armut, Aids, Massenarbeitslosigkeit, Kriminalität. Soweto ist noch immer eine „schwarze“ Hochburg und ein „Weißer“ eine bestaunte Ausnahme. Nicht überall in Soweto sollte und kann man als Fremder aus dem Wagen aussteigen. Die Armut ist überall spürbar.
27.05.2004
Schwache Vernunft gegen globale Gier
In der Stuttgarter Zeitung liest man am 27. Mai 2004 unter dem Titel "Schwache Vernunft gegen globale Gier - Wie der Hunger uns alle bedroht" einen interessanten Artikel von Jean Ziegler. Dem Artikel ist eigentlich nichts hinzufügen. Der Artikel im Wortlaut: Von allen Produktionsprozessen, welche die Menschheit im Laufe ihrer Geschichte hervorgebracht hat, ist der kapitalistische Produktionsmodus ohne Zweifel der kreativste, effizienteste, aber auch der brutalste. Lange Zeit war der Kapitalismus territorial beschränkt.
25.05.2004
Nadja Auermann: Nicht reduziert werden
Im Stern Interview gibt das Modell Nadja Auermann eine interessante Antwort auf ihr Selbstverständnis als Frau zwischen "Männerwelt und Konsum". Zwar gelten die "Schönen auf dem Laufsteg nicht gerade als Intellektuelle", immerhin zeigt sich aber das Modell imstande der Kopftuchdiskussion auch interessante Seiten abzugewinnen. Auermann folgt nicht der gebetsmühlenartigen Leier das Tuch sei "Ausdruck einer politischen Haltung", es sei denn, es ist schon Politik in der Konsumgesellschaft Männer auf Distanz zu halten. Dem Stern sagt sie: "Ich habe neulich was ganz Interessantes gelesen.
19.05.2004
Privat - öffentlich? Entweder - oder?
Es gibt heute ein kein Ende nehmendes öffentliches Gerede über den Zusammenhang der Gegensätze von öffentlich-privat und politisch-unpolitisch in Bezug auf den Islam. Die Tendenz der Öffentlichkeit ist es dabei, den Islam in das völlig Unpolitische oder Private zu drängen. Nur, macht dieses „Schwarz-Weiß-Bild“ wirklich Sinn? Viele theoretisierende Beiträge über die gemutmaßte öffentliche oder politische Wirkung des Islam definieren nicht was die islamische Lebenspraxis eigentlich überhaupt ist.
14.05.2004
Verteidigung des Sufismus
Al-Junayd, der Imam der Sufis, sagt: "Tasawwuf ist, dass du mit Allah bist ohne Verbindung, und dass seine Wahrheit dein Ich verschwinden lässt und dann dich mit ihm zurück zum Leben bringt". Hin und wieder wird der Sufismus auch von Muslimen angegriffen, die ihm Ab- und Irrwege unterstellen wollen. Die Abkehr von der allgemeinen, verpflichtenden Lebenspraxis mag es auch gegeben haben. Schaikh Al-Kamil hat dies einmal so kommentiert: "Wenn ein Schaikh auf einem Teppich geflogen kommt und Dir sagt: verlass' die Shariat, dann verlasse ihn".
12.05.2004
Des Führers Mufti - Der Begriff des Islamo-Faschismus ist historisch nicht korrekt
Wohin gehört der islamische Terrorismus? Ist er wie John Gray meint der Zwilling der Globalisierung oder aber das Erbe und in der Nachfolge der europäischen Ideologien? Diese Debatte ist voll entbrannt, die Bezeichung Islam-Faschismus aber ein Konstrukt. So meinen zumindest Sonja Hegasy (Islamwissenschaftlerin) und René Wildangel (Historiker am Zentrum Moderner Orient in Berlin) in ihrem Beitrag in der Süddeutschen Zeitung vom letzten Samstag, dem 8.Mai 2004. Der Begriff - so die Autoren - sollte das Unwort das Jahres werden.
11.05.2004
Der Mann und der Hund
Warum uns ein Bild aus dem Irak besonders anrührt
Wir sehen abends im Fernsehen einen unbekannten, namenlosen Mann. Das Bild scheint aus dem Irak zu sein. Wir wissen nicht, ob wir einen Verbrecher sehen, einen Drahtzieher der Madrider Anschläge, einen Zigarettenhändler oder einen Unschuldigen. Er ist nackt, hat blutende Wunden und wird von einem Hund angebellt. Der Hund ist uns ins Auge gesprungen, der Hund, so kommt es uns vor, ist nicht zufällig Teil des Bildes. Der Mann, so müssen wir denken, hat große Angst. Wir wundern uns derweilen über uns selbst.
08.05.2004
Die Privatisierung des Krieges
Nicht wenige argwöhnten in den USA nach der Amtsübernahme des US-Präsidenten sie sei eine Art versteckter "Coup d´Etat" gewesen. Auf jeden Fall war sie die Stärkung des militärischen Apparates innerhalb der US-Administration. Die unabhängige Pariser «Monde» kommentierte heute die offene Privatisierung des Krieges wie folgt: «In den vergangenen Jahren hat sich in den USA daraus eine ganze Wirtschaftsbranche entwickelt. Hunderte "private military firms" erreichen dort einen Umsatz von 100 Milliarden Dollar.
07.05.2004
Artikel „Radikale Botschaft –sanfter Ton“
Offener Brief an die Zeit
Sehr geehrter Herr Herzinger, in Ihrem Artikel in der Zeit vom 6.05.2004 heißt es über mich bzw. die Islamische Zeitung: „Weit auf diesem Weg vorangekommen ist der Rechtsanwalt Abu Bakr Rieger, der die in Berlin erscheinende Islamische Zeitung herausgibt. In dieser Monatszeitung sind allerdings in letzter Zeit auch bemerkenswerte Zeichen der Mäßigung zu beobachten. So stellte Rieger in einem Kommentar unlängst die Frage, ob sich die Muslime tatsächlich überzeugend genug vom Terror distanzierten, ob sie deswegen nicht doch einmal auf die Straße gehen sollten.
06.05.2004
Demokratie will von Abgründen nichts wissen
Nur wenn man naiv ist, überraschen die Bilder über Folterungen im Irak. Weil die Bilder in Medien erscheinen und die Demütigung uns einmal direkt aus unseren Bildschirmen anspringt muß man nun eine menschliche Reaktion zeigen. "Gegen Systemfehler kann man nichts tun" heißt es bald, eher technisch als politisch korrekt. Schon vorher ist uns natürlich aufgefallen, dass wir nichts erfahren sollen über die Zahl ziviler Opfer, über zerstörte Familien die unser "demokratischer" Feldzug kostet.
04.05.2004
Joschkas Demokratie
Im Licht des aktuellen Spiegel verliert der Feldzug für Demokratie und Menschenrechte im Irak weiter drastisch an Glaubwürdigkeit. Neben die abscheulichen Aktionen der Terroristen gesellen sich nun die halbstaatlichen Reaktionen der privaten Söldnerheere. Beide Aktionsebenen verbindet die Negierung jeden Rechts und den absoluten Vernichtungswillen gegenüber dem Gegner. Aber auch die Geburtswehen der irakischen Demokratie machen Kummer.
30.04.2004
"Al-Qaida ist die neue Internationale"
Interview in der taz zum Problem des Antisemitismus in Frankreich
Gestern endete in Berlin eine OSZE-Tagung zum Antisemitismus. Ihre Sorge: In Europa häufen sich Übergriffe auf Juden. In der taz findet sich dazu folgendes Interview mit Alain Gresh, Chefredakteur von "Le Monde diplomatique", der in Frankreich eher das Gegenteil beobachtet. taz: Herr Gresh, Menschenrechtsorganisationen stellen in Frankreich Antisemitismus fest. Israel tut das. Und der US-Botschafter in Brüssel will sogar eine Parallele zu den 30er-Jahren erkennen. Als Haupttäter werden junge Muslime ausgemacht. Alain Gresh: Das hat nichts mit der Realität zu tun.
01.04.2004
"Muß man ein Zeichen setzen?"
Nach Madrid - Die aktuelle Diskussion über den Islam, den Terrorismus
Seit den Anschlägen von Madrid am 11. März vergeht kein Tag ohne die Forderung an die Muslime in Deutschland, sich vom islamistischen Terrorismus zu distanzieren. Natürlich ist diese Forderung berechtigt, obwohl es nicht an verbalen Stellungnahmen fehlt. Fragt man den organisierten Islam in Deutschland allerdings, warum die Muslime eigentlich nicht gegen den Terrorismus auf die Straße gehen und ein unmissverständliches Zeichen setzen, bekommt man zumeist ausweichende Antworten.
31.03.2004
Die Internierungsdebatte
Islamismus, Internierung, Sicherheit - noch verläuft die Debatte "sachlich".
«Man kann niemanden dauerhaft in Haft nehmen, der keine Straftat begangen hat.» ist ein Rechtsgrundsatz alter Tage. Das Recht alter Tage ist in Gefahr. Innenminister Otto Schily (SPD) ist zwar mit seinem Vorschlag der Einführung einer «Sicherungshaft» für terrorverdächtige Ausländer auf deutliche Kritik in der rot-grünen Koalition gestoßen, dennoch ist der Gedanke in der Welt. Der SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz sagte der Berliner «tageszeitung, man müsse sich klar sein, dass dies einen «Paradigmenwechsel» bedeute.
28.03.2004
"Jugendlich geblieben"
Prof. Dr. Katharina Mommsen in Potsdam
Die bekannte Autorin des Buches "Goethe und der Islam" - Prof. Dr. Katharina Mommsen - hat auf unsere Einladung in Potsdam über "Goethe als Wegbereiter von Dialogen mit der islamischen Welt" referiert. Das Publikum könnte dabei nicht bunter sein: junge Muslime, Goethe-GesellschafterInnen, Mann von der Börse. Dennoch alle begeistert. In ihrem faszinierenden Vortrag zeigte die in Amerika lebende Gelehrte die erstaunliche Aktualität und Brisanz des Verhältnisses Goethes zum Islam auf.
12.03.2004
Lage ist nicht unprekär
Die abscheulichen Attentate in Madrid haben in Deutschland und in Europa verständlicherweise eine Diskussion über die Sicherheitslage ausgelöst. Die Bundesregierung muss natürlich erneut sicherstellen, dass Deutschland sich nicht zum Ruheraum für Terroristen eignet. Das ist auch ein Anliegen der Muslime. Auch Muslime haben wie ihre Mitbüger Angst vor neuen Anschlägen, egal ob muslimische Terroristen, die ETA oder der irakische Geheimdienst letztlich hinter den Anschlägen von Madrid stehen. Vor allem im ersten Falle würde aber die Lage der Muslime in Europa nicht unprekärer.
03.03.2004
Freier Markt und Marktwirtschaft
Die Kritik am Kapitalismus ist heute längst in der gesellschaftlichen Mitte verankert. Zur Disposition steht allein noch, ob der Kapitalismus durch Moral oder Reform überhaupt noch wirksam einzuschränken ist. Der Chor der Kapitalismuskritiker ist nun vielstimmig. Zum Beispiel hat Altbundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) offen vor einem "gesellschaftlichen Raubtierkapitalismus" gewarnt.
24.02.2004
Reden und reden lassen? Die Friedrich-Ebert Stiftung auf Abwegen
Was wäre los in Deutschland wenn Muslime sich mit der Hisbollah zum Kaffeeplausch und Diskutieren träfen?
Reden und reden lassen Friedrich-Ebert-Stiftung und Hisbollah tagten in Beirut, trotz scharfer Kritik, weil liberale arabische Stimmen fehlten. Am Schluss fühlte man sich in eine studentische Vollversammlung versetzt. "Wollen Sie mir vorschreiben, was ich hier zu sagen habe?", schimpfte ein libanesischer Redner, nachdem ihm die Moderatorin wegen seiner Abschweifungen das Wort abgeschnitten hatte.
19.12.2003
Goobye Saddam
Große Trauer kommt nicht auf - Saddam am Ende
Die Inkarnation des Bösen wird von heldenhaften Soldaten aus seinem Karnickelbau gezogen. Saddam sieht am Ende nicht nur wie Karl Marx aus, er hat auch in den letzten Tagen zu Hause nicht aufgeräumt. Ein Schurke eben, der gewohnt war, dass Diener sauber machen und Staatsoberhäupter zu Besuch kamen. Über Jahre wurde da freundlich angeklopft. Es ist Weihnachtszeit in Amerika und der Kreis des Diktators schließt sich: er endet in den Händen derjenigen, die ihn einst stark gemacht haben. "Grüße aus Washington" sollen die Soldaten am Ende der Mission bestellt haben.
26.11.2003
Die allzu "deutsche" Terrorismusdebatte
Nach den schockierenden Anschlägen in der Türkei war es eine Frage der Zeit, bis die innenpolitische Debatte um den „Islamismus“ neu entbrennen würde. Der CDU-Politiker Bosbach bemerkte sogleich so schnell wie populistisch, dass eine EU-Mitgliedschaft der Türkei das „Terrorismusproblem“ nach Deutschland importieren würde. Eine Aussage die der deutsche Bundeskanzler mit „charakterlos“ konterte und damit war sie schon da: die innerdeutsche Terrorismusdebatte. Sie wird nun wieder intensiv, parteipolitisch, politisch korrekt - selten aber ehrlich geführt.
26.11.2003
Kopftuch und Sexualität
Die Bedeutung des Kopftuches kann nicht auf das Politische reduziert werden
Was ist die Bedeutung des Kopftuches? Diese Frage wird heute oft vorschnell allein politisch gedeutet. Das gängige Muster ist bekannt: eine kopftuchtragende Frau will politisch sagen: „der Islam gehört in die Öffentlichkeit“, die Muslima ohne Kopftuch: „mein Islam ist privat“. Fügt man nun noch die Adjektive „liberal und fundamentalistisch“ hinzu, dann hat man eine politische Debatte, die andere Motivationen zum Tragen des Kopftuches bewusst ausschließen. Solche Debatten über Äußerlichkeiten können auch langweilen.
17.10.2003
Ist unsere Ökonomie rational?
Über die irrationale Seite unserer Gesellschaften
Der Islam muss sich in der Debatte oft vorwerfen lassen, er sei irrational oder aber die Aufklärung habe die Muslime nicht wirklich erreicht. Im politischen Feld mag diese Dialektik in Zeiten von augenscheinlichem Terrorismus und unter dem Eindruck islamischer Politdinosaurier noch einigermaßen zu begründen sein, dennoch ist es natürlich ein Bild von schlichter dialektischer Einfachheit. Unser europäisch geprägtes Bild nach dem Muster „wir sind rational, weil sie irrational sind“ trügt sogar sehr. Es gibt auch in unserem scheinbar so geordneten Leben in Europa die andere Seite.
03.10.2003
Die offene Moschee
Ob Hinterhofmoschee im Ruhrgebiet oder Vorzeigearchitektur in Bremen: die Moscheen öffnen ihre Türen. Am 3. Oktober läuft zum siebten Mal die bundesweite Aktion “Tag der offenen Moschee” in Deutschland. Diese in der Welt bisweilen einzigartige Aktion geht auf eine im Jahre 1997 gestartete Initiative des Zentralrats der Muslime in Deutschland zurück und entwickelte sich im Laufe der Jahre zum Selbstläufer.
13.12.2002
„Islamisches“ Märtyrer-Verständnis?
Die evangelische Kirche kritisiert Tantawi
Es ist nicht zum ersten Mal, dass die Aussagen arabischer Gelehrter die Situation der Muslime in Europa erschweren und dementsprechend kommentiert werden. Die „islamische“ Rechtfertigung von Selbstmordanschlägen als Märtyrertod ist mit christlichen Vorstellungen unvereinbar. Dies betonte beispielsweise der Leiter der Hauptabteilung «Ökumene und Auslandsarbeit» des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Rolf Koppe, in einem Beitrag für die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (Mittwochausgabe). Die Kritik ist nachvollziehbar – aber in dieser allgemeinen Formulierung überzogen.
|