Positionen A-Z | Abu Bakr Rieger | Islam, Finanztechnik, Recht & Philosophie

Positionen A-Z

A

Alhambra: Die Alhambra ist nicht nur ein beeindruckendes Gebäude, sondern auch ein Gleichnis über den Islam: „außen schroffe Mauern – innen schöne Gärten“. Von den Terrassen kann man gegenüber im maurischen Viertel die neue Moschee sehen. Einer meiner Lieblingsorte in Europa und offen für jeden BesucherIn.

Ausländerfeindlichkeit: Der rassistische Anschlag auf die Familie Genc in Solingen ist gerade 10 Jahre her. Die damals ausgelöste Debatte über die Ausländerfeindlichkeit in Deutschland ist heute ziemlich verstummt. Unter dem Stichwort „Kampf gegen den Islamismus“ hat sich heute auch manch ausländerfeindliche Position politisch korrekt verstecken können.

Agamben: Die schmalen, im Suhrkamp Verlag erschienenen Agamben-Bändchen rechnet die „FAZ“ zu den Büchern, „die alles umstürzen, desillusionierend, illusionslos und von gnadenloser Konsequenz“. Seine schockierende These: Zwischen Demokratie und Totalitarismus besteht „innerste Solidarität“. Nazismus und Faschismus bleiben „bedrohlich aktuell“. Die Demokratie ist im „Niedergang“ begriffen. Auch in westlichen Demokratien sind die staatlichen Strukturen in einen „Prozess der Auflösung geraten“, so Agamben. Im „Krieg“ gegen den Terror ist Notstand als Grundlage des Ausnahmezustandes „zur Regel geworden“.

Aristoteles: Der griechische Philosoph und Begründer der europäischen Politikwissenschaften in seiner berühmten Politea: „Das Geld ist für den Tausch entstanden, der Zins weist ihm aber die Bestimmung an sich selbst zu vermehren. Daher widerstreitet diese Erwerbsweise unter allen am meisten dem Naturrecht.“

Angst: Angst ist ein mächtiges politisches Instrument, mit dem die Politiker sich und ihre Politik legitimieren können. Angst ist irrational und lässt sich leicht manipulieren. Doch um die Angst zu nähren, muss die moderne Propagandamaschinerie furchterregende Bilder und Mythen schaffen.


B

Banken: Bankraub ist eine Unternehmung von Dilettanten. Wahre Profis gründen eine Bank. Bertolt Brecht (1898-1956).

Biopolitik: In der Theorie der Biopolitik gilt der der Körper als Schauplatz der Historie. Insofern haben wir einen markanten historischen Punkt erreicht: Man darf sich überall ohne Nachteile ausziehen, nicht jedoch verhüllen. Ja, ein wesentliches Element des New Deal ist die absolute sexuelle Freiheit, verbunden mit absolutem ökonomischem Zwang. Dabei wird der Konsum, vor allem das unmotivierte Reisen und Herumfahren, tatsächlich für immer mehr Leute – ganz unabhängig vom Glauben – immer unerschwinglicher. Moderne Sinnkrisen sind da inklusive. Vielen Otto-Normalverbrauchern bleibt insofern wirklich nur noch der „Körper“.


C

China: Der kapitalistische Idealstaat: Freiheit für das Kapital – der Staat übernimmt die wenig erfreuliche Drecksarbeit – so formuliert es Slavoj Zizek – die „Arbeiter“ zu kontrollieren.


D

Dreißigjähriger Krieg: Dass religiöse Gefühle und kriegerische Eintreten Europa nicht fremd war, zeigt auch Schillers lesenswerte Abhandlung „Geschichte des dreißigjährigen Krieges. „Was die entschiedensten Gefahr des Staates nicht über seine Bürger vermocht hätte, bewirkt die religiöse Begeisterung. Für den Staat, für das Interesse des Fürsten würden sich wenig freiwillige Arme bewaffnet haben, für die Religion griff der Kaufmann, der Landbauer freudig zum Gewehr“ schreibt Schiller. Der Argwohn Europas gegen Religion und religiöse Begeisterung ist von diesem Krieg wohl nicht zu trennen.

Denunziation: Stilmittel gegen Muslime. Unter Denunziation (lat. denuntiare „absprechend berichten, Anzeige/Meldung machen“) versteht man die häufig anonyme Beschuldigung einer Person hinter deren Rücken durch jemanden, dessen Dienst- oder Rechtspflicht dies nicht ist. Im ethischen Sinn wird allgemein von Denunziation gesprochen, wenn in einem nicht freiheitlichen System Menschen bei staatlichen Vollzugsbehörden angezeigt werden, obwohl dem Anzeigenden klar sein muss, dass er sie damit der Gefahr der politisch motivierten Verfolgung aussetzt. Eine Denunziation unter Kindern oder Schülern wird umgangssprachlich als Petzen bezeichnet.


E

Eigentum: Der Islam erkennt Eigentum natürlich auch als Privateigentum an. Die feinste Form des Eigentums sind dabei die Stiftungen, also Eigentum dass dauerhaft „Allah“ zugeeignet wird. Oft sind diese Stiftungen für die Armen etabliert. Die Stiftungen Bosniens wurden durch die Kommunisten enteignet und wurden bis heute nicht zurückgegeben.

Erdogan: Zweifellos ist Tayyib Erdogan ein charismatischer und sympathischer Politiker. Im Mai 1998 war ich Teilnehmer einer Menschenrechtsdelegation nach Istanbul, um den Bürgermeister der Stadt Istanbul, der gerade verurteilt wurde, zu unterstützen. Aus der deutschen Politik war nur der damalige Abgeordnete der Grünen Karsli mitgereist, sonst wollte zum damaligen Zeitpunkt kein deutscher Politiker mitkommen.

Ego: Einer meiner Brüder sagte zu mir: „Ich bin ein Nichts“. Ich sagte ihm „Sag nicht ich bin Nichts, sag nicht ich bin Etwas“. Sag nicht „mich kümmert etwas“, sag nicht „mich kümmert nichts“. Sag „Allah“ und Du wirst Wunder sehen.(Schaikh ad-Darqawi)


F

Fortschritt: „Der Fortschritt ist ein Standpunkt und sieht wie eine Bewegung aus“ (Karl Kraus)

Feinde: Was klagst du über Feinde? Sollten solche je werden Freunde, Denen das Wesen, wie du bist, Im stillen ein ewiger Vorwurf ist? Goethe, West-östlicher Diwan, Hikmet Nameh (Buch der Sprüche)


G

Granada: Granada. Die Stadt mit der neuen Moschee ist ein wichtiger Bezugspunkt für den Islam in Europa. Die Moschee bemüht sich eine unabhängige Lehre zu vermitteln und hat eine Politik der offenen Tür. Jeden Tag besuchen Hunderte die Moschee und erfahren etwas über die europäischen Muslime. Ich bin selbst 1990 in Granada Muslim geworden.

Goethe: Der Dichterfürst aus Weimar lehnte das Christentum ab und überraschte gleichzeitig mit seinen Aussagen zum Islam. Nur ein Beispiel: „Ob der Koran von Ewigkeit sei? Danach frag`ich nicht! Daß er das Buch der Bücher sei glaub ich aus Mosleminen-Pflicht“ (West-Östlicher-Divan, WA I6, 203). Goethe bezeugte die Einheit und das Prophetentum Muhammads – Friede sei mit ihm.

Geld: „Geld ist“ nach Imam Malik „jede Ware, die allgemein als Mittel des Austausches anerkannt wird.“ Dafür wie wichtig „Geld“ heute geworden ist wird erstaunlich wenig darüber reflektiert.

Globalia: George Orwells bitterböse Utopie «1984» war nicht unbedingt Kritik an der schwächelnden Demokratie seiner Zeit. Dies galt schon eher für Aldous Huxleys totalitäre und dabei so «Schöne neue Welt». Um die Zukunftschancen gefährdeter demokratischer Werte, ausgebeult von der Globalisierung, den Folgen des internationalen Terrorismus und einer politisch korrekten Gleichmacherei geht es Jean-Christophe Rufin (52), einem «Enkel» der beiden Visionäre. In dem wichtigen Roman «Globalia» schlägt er ernst und dennoch unterhaltsam Alarm.

Gelehrte: „Allah nimmt nicht dieses Wissen selbst hinweg, sondern die ‘Gelehrten’ (diejenigen, die berufen sind, Wissen zu tragen und zu vermitteln; Al-Hamalat). Auf diese Weise schwindet das Wissen, und es bleiben unter den Menschen die Unwissenden als ihre Führer; diese geben religiöse Schiedssprüche bar jeglichen Verstandes; sie gehen in die Irre und führen andere in die Irre.“ (Sahih Muslim, Buch 34, Nr. 6465).


H

Heidegger, Martin: Heidegger ist zweifellos einer der wichtigsten deutschen Philosophen. Auch wenn Heidegger wegen seiner Rektoratszeit 1933 umstritten ist, gehört sein Hauptwerk „Sein und Zeit“ zu den wichtigsten Büchern der deutschen Philosophie. Das Buch ermöglicht das Denken der Einheit. Seine Ideologie- und Technikkritik gehört zum Wesentlichen was über das letzte Jahrhundert gesagt wurde. Das Interesse an Heidegger wurde mir in die Wiege „gelegt“: Mein Vater war Lehrer an der Schule in Todtnauberg und unsere Familie hat einige Jahre dort gelebt.

Hajj: Die Reise nach Mekkah war natürlich auch für mich ein Höhepunkt. In der Begegnung mit Millionen anderer Menschen entdeckt man das eigentliche Wesen der menschlichen Existenz. Der einfache Ritus erklärt nicht nur die eigene Relativität, als auch die Bedingtheit von Zeit und Raum.

Hunger: Die Mitverantwortung des Kapitalismus am Hunger ist evident. Jede Sekunde stirbt ein Mensch an den Folgen der Unterernährung, fast 100 000 sind es jeden Tag, mehr als 30 Millionen jedes Jahr. In Zeiten von Gen-Pflanzen und High-Tech-Landwirtschaft bleibt der Hunger die Todesursache Nummer eins in der Welt: Noch immer sterben laut Welternährungsprogramm (WFP) mehr Menschen an Unterernährung als an Aids, Malaria und Tuberkulose zusammen, und der Hunger fordert auch mehr Opfer als alle Kriege.

Handel: Handel ist im Islam erwünscht. Vom Handel stammen, so eine Aussage des Propheten Mohammed, Friede sei mit ihm, neun zehntel des Reichtums. Freier Handel allerdings bedeutet den Abschluss von Geschäften mit Risiko für beide Seiten und ohne finanzielle Übermacht und ohne dadurch mögliches Preisdumping. Heute ist Handel meist nur noch „monopolisierte Distribution“.

Herz: „Mancher findet sein Herz nicht eher, als bis er seinen Kopf verliert“ sagt schon Friedrich Nietzsche. Im Werk von Schaikh ‚Uthman Dan Fodio findet sich eine wunderschöne Beschreibung über das Gebet. Nach ihm schult das Gebet „Die Aufmerksamkeit des Herzens“ und deutet darauf hin, dass das Herz das eigentliche Erkenntnisorgan des Muslim ist. Das Gebet stärkt auch die Überzeugung, dass kein Wandel der Welt möglich ist ohne den Wandel des Herzens. Muslime müssen – wie das im Koran dutzende Mal anempfohlen ist – Gebet und Zakat etablieren.

Hartmann, Nikolai: „Jeder Wert hat – wenn er einmal Macht gewonnen hat über eine Person – die Tendenz, sich zum alleinigen Tyrannen des ganzen menschlichen Ethos aufzuwerfen, und zwar auf Kosten anderer Werte, auch solcher die ihm nicht einmal entgegengesetzt sind.“


I

Itzetbegovic, Alija: Die Begegnung mit dem ehemaligen bosnischen Präsidenten im Frühjahr 2003 und der gemeinsame Rückblick auf den Bosnienkrieg war mir sehr wichtig. „Zur Politik“ sagte mir Itzetbegovic „sei er nur zufällig gekommen. Eigentlich habe ihn der Islam – auch in ökonomischer Hinsicht – als Gegenbewegung zum Kommunismus fasziniert“. Itzetbegovic war tief gezeichnet von der Last eines Krieges und seiner Tragödien.

Identität: Nach Ibn al Arabi ist die Identität eines Menschen durch das Sprachvermögen bestimmt. Wer also deutsch spricht ist auch ein Deutscher. Diese Definition ist der dunklen „rassischen“ Definition, die Europa so lange geprägt hat, eindeutig vorzuziehen. Im Umkehrschluß ist die offizielle Forderung nach „Deutschkenntnissen“ gegenüber MitbürgerInnen aus aller Welt zu unterstützen.

Informationsüberfluß: Die beste Zensur ist eigentlich der Informationsüberfluß. Die Industrie der Informationsverbreitung ist mit der Folgenlosigkeit beschäftigt. Je mehr Massen der Information über den Islam auftauchen, desto schwerer Ganzheitlichkeit, Sinn und Gestalt des Islam zu entdecken. Wer also authentische Information will kommt um die Begegnung nicht herum.

Imam Al-Asch’ari: Auf Imam Al-Asch’ari geht eine der beiden großen Schulen im Bereich der ‘Aqida (der Glaubensgrundlagen) beziehungsweise des Kalam, der Wissenschaft von den Glaubensgrundlagen, zurück. Die andere große ist die von Imam Al-Maturidi, möge Allah beiden barmherzig sein. Beide Schulen bilden seit ihrer Entstehung vor gut tausend Jahren die Position des sunnitischen Islam in der ‘Aqida. Der Schule von Imam Al-Maturidi folgen die meisten Angehörigen der hanafitischen Rechtsschule, während die Malikiten, die meisten Schafi’iten und ein großer Teil der Hanbaliten Imam Al-Asch’ari folgen.

Identität: Sprache ist das Haus des Seins”, sagte der deutsche Philosoph Martin Heidegger (1889 bis 1976) beziehungsweise steht in Band 12 des Dudens “Zitate und Aussprüche”. Weniger metaphorisch gesprochen heißt das: Sprache stiftet Identität.

Islamisches Finanzwesen: „Wir glauben, dass das islamische Finanzwesen zur Etablierung neuer Regeln für das westliche Finanzwesen beitragen kann … Scharia-gemäße Investitionsformen verhinderten eine künstliche Erzeugung von Geld.“ (Loretta Napoleoni und Claudia Segre, Osservatore Romano)

Internet: «Tatsächlich eignet sich das Internet wie kein anderes Medium für schnelle Geschichten um Dichtung und Wahrheit. Glaubenskrieger aller Parteiungen bezichtigen im Schnellfeuermodus den jeweils anderen als „Nazi“, „Islamist“ und „Kommunist“ – gerne auch mit den üblichen Assoziationsketten, die sekundenschnell zu „Hitler, Stalin und Bin Ladin“ führen. Der Preis ist hoch, führt doch die Inflation der Begriffe zur Verwässerung der ursprünglichen Feindbilder.

Islamkritik: „Es ist eine religionssoziologische Feststellung, noch keine Wertung, wenn man darauf hinweist, dass die Islamkritik in einem sektiererischen Umfeld entstanden ist.“ (Patrick Bahners, „Die Panikmacher“)


J

Jünger, Ernst: Dem Autor des „abenteuerlichen Herzens“ bin ich 1989 in Bilbao begegnet. Ein befreundeter europäischer Muslim – Prof. Abdulbaseer Ojembarrena – hatte ihn federführend zur Verleihung der Ehrendoktorwürde nach Spanien geladen. Jünger war mit über 90 Jahren sehr unterhaltsam, beinahe jugendlich-frisch und hatte auch einiges zu sagen, wie beispielsweise sein Statement zur Gegenwart: „Die alten Werte sind nicht mehr gültig, die neuen noch nicht da“. Zum Islam hatte er als „alter Reisender“ ein respektvolles Verhältnis.


K

Kultur: Der Islam ist keine Kultur, sondern bringt die unterschiedlichsten Kulturen hervor. Es gehört zur Faszination des Islam, dass sich in ihm die unterschiedlichsten kulturellen Identitäten treffen und austauschen. Auf meine Reisen nach Asien, Afrika und Amerika wurden mir dies immer wieder deutlich.

Kristallpalast: Ein Begriff den bereits Dostojewski für die Beschreibung des westlichen Wohlfühlraumes benutzte und an den sich Sloterdijk für seine Beschreibung „Weltinnenraum des Kapitals“ wieder erinnert. Der Londoner Kristallpalast, Ort der ersten Weltausstellung 1851, dient Peter Sloterdijk als ausdrucksstarke Metapher. Ausgeschlossen aus dem Palast, dessen bestimmendes Lebensgefühl die Langeweile ist, sind die Völker des Südens, jenseits des Limes. Sie bilden die Parallelgesellschaft der Armen.

Kopftuch: „Benennen heißt bekanntlich sichtbar machen, schaffen, ins Leben rufen. Und Benennungen können unheilvolle Verwirrung stiften: Islam, islamisch, islamistisch – ist der Schleier nun islamisch oder islamistisch? Und wenn es sich einfach um ein Tuch handelte, mehr nicht? Manchmal habe ich Lust, jedes Wort der Sprecher in Frage zu stellen, so oft reden sie leichtfertig daher, ohne sich im mindesten über Problematik und Bedeutung ihrer Formulierungen im Klaren zu sein und über die Verantwortung, die sie übernehmen, wenn sie sich vor Tausenden von Zuschauern äußern, ohne zu verstehen, daß sie es nicht verstehen. Denn solche Wörter bringen etwas hervor, schaffen Phantasmen, Ängste, Phobien oder schlicht falsche Vorstellungen“.(Pierre Bourdieu)

Klein, Naomi: Die politische Bewegung sucht die politische Freiheit, entdeckt aber, dass die globale Macht unzugänglich geworden ist. Naomi Klein analysiert in ihrem Buch die „Schock-Therapie“ die Rolle der Politik im Zeitalter globaler Ökonomie. Klein argumentiert, dass Anhänger der reinen, neoliberalen Lehre Kriege, Terroranschläge und Naturkatastrophen gezielt ausnutzen, um in ihren Ländern eine brutale Variante der Marktwirtschaft zu installieren.


M

Marktwirtschaft: «Die soziale Marktwirtschaft existiert nicht mehr», erläuterte SPD-Vizevorsitzende Müller in einer Presseerklärung. Der massive Beschäftigungsabbau bei großen deutschen Firmen ist eine Konsequenz aus der Globalisierung, die nach ganz anderen Regeln funktioniert als das lange Zeit so erfolgreiche Modell des Rheinischen Kapitalismus», fügte er in Anspielung auf die lange Bonner Regierungsphase hinzu. «Europa würde zerbrechen, wenn die Gesellschaften allein Markt und Kapital überlassen werden.» Müller hat recht und: De facto wurde der freie Markt längst durch monopolisierte Distribution ersetzt.

Prof. Dr. Katharina Mommsen: Die bekannte Autorin des Buches „Goethe und der Islam“ – Prof. Dr. Katharina Mommsen – hat auf unsere Einladung in Potsdam über „Goethe als Wegbereiter von Dialogen mit der islamischen Welt“ referiert. Das Publikum könnte dabei nicht bunter sein: junge Muslime, Goethe-GesellschafterInnen, Mann von der Börse. Dennoch alle begeistert. In ihrem faszinierenden Vortrag zeigte die in Amerika lebende Gelehrte die erstaunliche Aktualität und Brisanz des Verhältnisses Goethes zum Islam auf.

Machen: „Kein menschliches Rechnen und Machen kann von sich aus und durch sich allein eine Wende des gegenwärtigen Weltzustandes bringen; schon deshalb nicht, weil die menschliche Machenschaft von diesem Weltzustand geprägt und ihm verfallen ist. Wie soll sie dann je noch seiner Herr werden?“ Martin Heidegger, Briefwechsel mit Kästner

Menschenrechte: Es ist eine treffende Provokation, wenn Sloterdijk sagt, dass die Menschenrechte erfunden wurden, damit der Einzelne ohne Verantwortung für alle leben dürfe: „Diese ganzen Leute gibt es zwar, aber jeder soll für sich selber sorgen.“ Fakt ist, dass einige muslimische Völker weder Rechte haben, noch ein Gerichtshof „zuständig“ ist für entsprechende Klagen.

Markt: „Es gibt keinen Markt. Das ist die größte Lüge, daß es einen Markt gibt. Was die großen Konzerne wollen, ist doch nicht der Markt. Sie wollen den Markt beherrschen, das ja. Aber was soll das denn für ein Markt sein, wenn die Amerikaner, die immer vom Markt reden, ihre Farmer so hoch subventionieren, daß ihr Produkt billiger wird, als das eines Afrikaners, der am Tag nicht einmal einen Dollar verdient? Was soll denn das für ein Markt sein, wenn beispielsweise Bill Gates, der reichste Mann der Welt, 90 Prozent der Computerwelt beherrscht? Das ist ein Monopol, aber kein Markt.“ ( Erwin Wagenhofer, Regisseur von We Feed the World, in der “ Junge Welt“)

Militärisch-industrieller Komplex: Präsident Dwight D. Eisenhower in seiner Abschiedsrede an die Nation 1961: „Die Kombination aus einem immensen militärischen Establishment und einer großen Waffenindustrie ist eine neue Erfahrung für Amerika. Ihr wirtschaftlicher, politischer, selbst geistiger Einfluss ist in jeder Stadt, in jedem Parlament eines Bundesstaates und in jedem Bundesministerium zu spüren. Nie dürfen wir es zulassen, dass das Gewicht des militärisch-industriellen Komplexes unsere Grundrechte oder unsere demokratischen Abläufe in Gefahr bringt. Wir sollten nichts als gesichert ansehen. Nur wachsame und gebildete Staatsbürger können den riesigen industriellen und militärischen Verteidigungsapparat dazu zwingen, sich in unsere friedlichen Methoden und Ziele einzufügen, damit Sicherheit und Freiheit gemeinsam gedeihen können.“

Mind Control: „Mind Control“ ist in der Moderne längst ein wichtiger Aspekt der politischen Wissenschaft geworden. Derren Victor Brown hat mit der TV-Serie „Mind Control“ auf dem britischen Sender Channel 4 weltweiten Ruhm erlangt. Brown selbst sagt, er bediene sich sowohl der Magie, Suggestion, Psychologie, der Täuschung als auch der findigen Präsentation. Während seiner Shows verwendet Brown eine Mischung verschiedener Techniken, um die Gedanken seiner Mitmenschen zu erahnen oder zu beeinflussen. Auf YouTube finden sich eine ganze Reihe zeitgemäßer Beispiele der Manipulation. So ist Brown zum Beispiel in der Lage, einen ungültigen Wettschein gegen bares Geld einzulösen, „paying with paper“ – mit bloßem Papier (!) zu bezahlen, in einem Supermarkt alle Konsumenten zu einer unheimlich wirkenden, gleichzeitigen Reaktion zu verführen oder einen wildfremden Mann dazu zu veranlassen, ihm ohne Widerwillen seine Wertgegenstände auszuhändigen. Auch schafft er es, einige Geschäftsleute so zu beeinflussen, dass sie am Ende dazu bereit sind, einen bewaffneten Überfall zu begehen.


P

Privater Verfassungsschutz: Ist ein neuer, aber leider notwendiger Begriff. Im Unterschied zum harten oder kritischen Journalismus (Recherche und Urteil) geht es hier allein um Bekämpfung und Stigmatisierung des Andersdenkenden. Indizien für diesen selbsternannten Verfassungschutz sind aufwendige Filmarbeiten ohne journalistischen Hintergrund und datenschutzrechtlichen Grenzen, einschlägige Berufserfahrung bei totalitären Presseorganen oder „grundsätzlich“ negative, vom Inhalt unabhängige und willkürliche Darstellung.

Philosophie: „Ein Philosoph: das ist ein Mensch, der beständig außerordentliche Dinge erlebt, sieht, hört, argwöhnt, hofft,träumt;….“ (Friedrich Nietzsche)

Machen: „Kein menschliches Rechnen und Machen kann von sich aus und durch sich allein eine Wende des gegenwärtigen Weltzustandes bringen; schon deshalb nicht, weil die menschliche Machenschaft von diesem Weltzustand geprägt und ihm verfallen ist. Wie soll sie dann je noch seiner Herr werden?“ Martin Heidegger, Briefwechsel mit Kästner

Partei(ungen): An islamischen Parteien mit Parteiprogrammen und Parteidisziplin haben ich wenig Interesse. Islam vermittelt sich mehr durch Gemeinschaft, Städte und Märkte als durch Parteitage, Funktionäre oder Organisationen. Um den Islam – eine natürliche Lebenspraxis – und sein organisches Gemeinwesen zu verstehen muß man insoweit Goethe berücksichtigen mit dem Wort: „Die Natur aber ist kein System“.

Pirandello: Luigi Pirandello ist einer meiner Lieblingsautoren. Seine Texte handeln über die „Conditio humana“,die menschliche Situation. Seine Sizilianische Novellen sind Meisterwerke der Erzählkunst. Die Novelle „Ciaula entdeckt den Mond“ ist eine wunderbare Beschreibung der Entdeckung und Erfahrung der Einheit.

Privatsynthese: Dass Menschen heute auf dem Basar der religiösen Möglichkeiten relativ frei navigieren , um sich ihre Privatsynthese zusammenzustellen, ist unbestritten. Auch im Islam gibt es eine Tendenz rechtliche Denkregeln außer Kraft zu setzen um dann in den Extremen, Esoterik oder Extremismus, zu enden.


Q

Qaradawi: Meine Distanz zu Schaikh Qaradawi ergibt sich zwingend aus seiner relativen Haltung zu Selbstmordattentate, die ich absolut und in jedem Falle ablehne. Desweiteren sympathisiere ich auch bei „islamischen Banken“ mit der skeptischen Haltung Brechts (siehe unter B, wie Banken). Die eigentümliche Vermischung beider Phänome, die Qaradawis Werk kennzeichnet, und die tiefen Zweifel am Segen des arabisch geprägten Modernismus bilden einen Graben zu meinem Denken.


R

Rainer Maria Rilke: Der große Dichter des 20. Jahrhunderts. In Ronda las Rilke auch den Koran und bewunderte das Gebet der Muslime die „biegsam seien im Wind“. Die Duineser Elegien gehören zu den wichtigsten Sprachschöpfungen der deutschen Dichtung und sind dem menschlichen Schicksal zwischen Leben und Tod gewidmet.

Ronda: Gehört zum „Muss“ einer Andalusienreise. Der Blick aus dem berühmten Park-Hotel (wenn man danach fragt, kann man Rilkes Kammer sehen) mit dem Rilke-Denkmal gehört zum Schönsten in Südspanien. Rilke liebte diesen Ort wie einige seiner schönsten Briefe an Lou Andrea Salome bezeugen.

Rassismus: Der Islam sieht die Identität des Menschen in seinem Sprachvermögen. Die Zugehörigkeit zum islamischen Gemeinwesen basiert nicht auf Staat und Territorium, Nationalismus und damit Rassismus verbietet sich. Im Islam finden sich völlig gleichrangig die unterschiedlichsten Völker. Auf der Hajj (Reise nach Meka) erfährt man diese existentielle Realität auf sehr beeindruckende Weise.

Rumi: Das Grab von Mewlana Rumi befindet sich in Konya. Seine Anhänger werden Mewlewis genannt, die Stätten, an denen sie sich treffen, Mewlewihane. Das Hauptwerk von Mewlana Rumi ist das Mesnewi. Viele bedeutende Künstler, viele bedeutende Gelehrte und Denker haben es gelehrt und unterrichtet. Heute gibt es in der Türkei wohl nicht eine Person, die den Mesnewi im persischen Original unterrichten könnte. Maulana Rumi hat sich selbst wie folgt in einem seiner Vierzeiler porträtiert: „Ich bin der Sklave des Qur’an so lange ich lebe. Ich bin Staub auf dem Wege Muhammads, des Auserwählten. Wenn jemand meine Worte auf eine andere Art und Weise auslegt, dann bedauere ich ihn und dessen Worte.“ Dieser Vierzeiler ist ein deutliches Dokument über den Weg Maulanas, welches jedem ermöglicht, ihn zu verstehen. Er ist ein Sultan der Liebenden.

Ramuz: Den genialen Schweizer Nationaldichter schätze ich wegen seines visionären Romans „Farinet oder das falsche Geld“. Zitat: Die Regierung sagt euch: „Dieses Stück hat soviel gegolten; nun, von jetzt an gilt es soviel…“. Das ist vorgekommen, das kann wieder vorkommen. Da ist Farinet anständiger als die Regierungen, ihm zahlt man das, was an dem Geld dran ist, ihnen zahlt man, was draufsteht…“ Ramuz hat früh den Zusammenhang von Zentralismus und Geldpolitik entdeckt.

Rassismus: Aus der Abschieds-Khutba: Fürwahr, euer Herr ist ein Einziger, und ihr stammt alle von einem Urvater ab. Ein Araber hat keinen Vorzug vor einem Nichtaraber, und ein Nichtaraber hat keinen Vorzug vor einem Araber, noch ist ein Weißer besser als ein Schwarzer oder ein Schwarzer besser als ein Weißer, außer durch Taqwa/Gottesfürchtigkeit. Aus dem Qur’an: „O ihr Menschen, Wir haben euch von einem männlichen und einem weiblichen Wesen erschaffen, und Wir haben euch zu Verbänden und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennenlernt. Der Angesehenste von euch bei Gott, das ist der Gottesfürchtigste von euch. Gott weiß Bescheid und hat Kenntnis von allem.“ (49:13)

Olivier, Roy: „Der Modus Operandi und die Organisationsform von al-Kaida, das zentrale Feindbild des amerikanischen Imperialismus wie auch die auf junge, im Westen ausgebildete Muslime und auf Konvertiten ausgerichtete Rekrutierungspraxis – all das verweist darauf, dass al-Kaida nicht einfach Ausdruck eines traditionellen, ja nicht einmal eines fundamentalistischen Islam ist; sondern vielmehr eine neue Auffassung des Islam im Kleid westlicher, revolutionärer Ideologien.“ (NZZ Online)


S

Stiftungen: Stiftungen sind im Islam ein ganz wesentlicher Bestandteil der zivilen Gesellschaft. Über Jahrhunderte waren es die Stiftungen, die den Muslimen nicht nur soziale Dienstleistungen erbrachten, sondern auch die Unabhängigkeit der Gemeinde sicherstellten.

Schaikh Dr. Abdalqadir As-Sufi: Mit dem in Schottland gebürtigen Schaikh Dr. Abdalqadir As-Sufi habe ich 1990 in Granada die Schahada gesagt. Die Schadhili-Darqawi Tariqa von Schaikh Abdalqadir stammt aus Marrokko und verfügt als Zweig der Qadiriyya über eine jahrhundertelange, sufisch geprägte und lebendige Überlieferungskette. Im Kern der Lehre steht die Erinnerung an Allah und die Praxis des Dhikr, der Anrufung. Das Werk „Der Weg Muhammads“ von Schaikh Abdalqadir ist ein Muss, wenn man sich für den Sufismus interessiert.

Sarajevo: Eine der wichtigsten Verortungen des Islam in Europa. Die Stadt ist selbst ein Gleichnis der islamisch-europäischen Geschichte, ihrer Menschen und ihrer faszinierenden Architektur. Im alten osmanischen Stadtkern erlebt man noch heute das Maß der osmanischen Lebensweise. Die Gespräche mit bosnischen Zeitzeugen und Gelehrten gehört zur Erfahrung des europäischen Islam.

Selbstmordattentate: Diese nihilistischen Akte sind im Islam verboten. Unabhängig vom Ort. Eine Position, die ich und vor allem auch die Islamische Zeitung seit Gründung 1995 immer wieder offensiv vertreten hat. Nach den schrecklichen Ereignissen der letzten Jahren ist diese Position, ebenso wie die totale Ablehnung des Terrorismus, natürlich ein absolutes Muss, ohne wenn und aber.

Schicksal: Die Frage nach dem Schicksal ist die eigentliche Trennlinie zwischen Glauben und Unglauben. Schicksal ist für den Muslim etwas Geschriebenes, dass sich stets erfüllt. Dies begrenzt nicht nur den Glauben an die Machenschaft, sondern ist auch Ausdruck einer gelassenen Geisteshaltung. „Du willst etwas, Allah will etwas, was Allah will wird eintreten“.

Sprache: Ein ganz wesentlicher Betandteil der islamischen Lebenserfahrung: die Feier der Sprache. So wie Rilke die Duineser Elegien zugesprochen wurde so steht der Muslim alltäglich in der Erfahrung der ihm zufließenden, offenbarten Sprache: dem Koran. In der Erinnerung an Allah verstummt dabei jede Rede.

Schulden: Kann man mit Schulden frei sein? Die Überschuldung der Verbraucher verharrt auf hohem Niveau: Allein durch Konsumentenkredite waren im Jahr 2002 rund 2,5 Millionen der etwa 40 Millionen Privathaushalte in Deutschland so überlastet, dass ihr verbleibendes Einkommen unter die Pfändungsgrenze sank. Hypothekendarlehen mitgerechnet, steigt die Zahl sogar auf 3,9 Millionen. Weitere 1,4 Millionen Haushalte waren der Grenze zur Überschuldung gefährlich nahe, wie der Karlsruher Soziologe Gunter Zimmermann für den nächsten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung errechnet hat.

Schaikh Moulay Al-‚Arabi Ad-Darqawi: Schaikh Moulay Al-‚Arabi Ad-Darqawi lebte von ca. 1150 n.d.H. bis 1235 n.d.H. in der Nähe von Fez (Marokko) und ist der Namensgeber der bekannten Qadiri-Schadhili-Darqawi-Tariqat, die heute weltweit Zentren unterhält. Berühmt ist er durch seine Briefe an seine Schüler, die voller alltäglich-praktischer Anweisungen sind, für diejenigen, die unter Führung eines Schaikhs Wissen von Allah wa ta’ala und Seiner Schöpfung suchen. Das Lesen der Briefe ist ein alltäglicher Schatz

Schaikh Ibn Adschiba: Islam kann man nicht wirklich alleine praktizieren. Im „sich absondern“ oder im „Einzelgängertum“ liegt wenig Gutes. Schaikh Ibn Adschiba rät in seinem berühmten Buch und Klassiker über die Grundlagen des Islam und Sufismus, „Al-Futuhat Al-Ilahiyya fi Scharh Al-Mabaahith Al-Asliyya“: Wisse, dass die Versammlung eine der größten und wichtigsten Säulen für die Leute (des Sufismus) ist. Einer der Sufis hat gesagt: „Sufismus ist auf drei Dinge aufgebaut: Versammlung, Zuhören und Nachahmung“. Wer von den Brüdern abgesondert und mit sich selbst beschäftigt, von ihm kommt nichts.

Summit: Mitte der 90er Jahre habe ich unter dem Eindruck des Bosnienkrieges Muslime aus dem Balkan nach Weimar geladen. Europa war zu diesem Zeitpunkt an dem Schicksal Bosniens leider kaum interessiert. Die Spannung zwischen der „Weimarer Kultur“ und dem Schicksal dieser Männer und Frauen aus dem Balkan war eine sehr bewegende Erfahrung. Ich erinnere mich an einem Spaziergang mit Prof. Gorani, einem 70jährigen Gewerkschaftsführer des Kosovo, durch die Stadt, der mir unter Tränen von seinen Erfahrungen erzählt hat.

SC Freiburg: Trotz Hoyzer und anderer offensichtlicher Wesensveränderungen des guten alten Fußballsports sehe ich immer noch ab und zu gerne ein Spiel. Natürlich stehe ich seit jeher zum SC Freiburg, der seit 2. Ligazeiten zwar auch ein wenig an Lokalkolorit verloren hat, aber auf der anderen Seite bald zum Abendgebet in der Kabine rufen kann. Ein sympathischer Verein eben.

Spektakel: Heuet liest sich die Theorie des Spektakels wieder interessant und durchaus zeitgemäß. „Das ganze Leben der Gesellschaften, in welchen die modernen Produktionsbedingungen herrschen, erscheint als eine ungeheure Ansammlung von Spektakeln. Alles, was unmittelbar erlebt wurde, ist in eine Vorstellung entwichen“ schreibt Debord in seinem berühmten Buch über das „Spektakel“.


T

Terrorismus: Der Terrorismus hat im Islam keine Grundlage. Deswegen ist auch die Wortschöpfung „islamischer“ Terrorismus ein Paradox. Es gibt muslimische Terroristen, aber keinen islamischen Terrorismus. Die Islamische Zeitung hat schon weit vor dem 11.9. gegen Selbstmordattenate und Terrorismus angedacht und publiziert.

Tasawwuf: Al-Junayd, der Imam der Sufis, sagt: „Tasawwuf ist, dass du mit Allah bist ohne Verbindung, und dass seine Wahrheit dein Ich verschwinden lässt und dann dich mit ihm zurück zum Leben bringt“. Hin und wieder wird der Sufismus auch von Muslimen angegriffen, die ihm Ab- und Irrwege unterstellen wollen. Die Abkehr von der allgemeinen, verpflichtenden Lebenspraxis mag es auch gegeben haben. Schaikh Al-Kamil hat dies einmal so kommentiert: „Wenn ein Schaikh auf einem Teppich geflogen kommt und Dir sagt: verlass‘ die Shariat, dann verlasse ihn“.

Tocqueville: „Der Machthaber sagt hier nicht mehr: Du denkst wie ich oder du stirbst, er sagt: Du hast die Freiheit nicht zu denken wie ich, Leben, Vermögen und alles bleibt dir erhalten; aber von dem Tage an bist du ein Fremder unter uns.“ Schönes Zitat von Tocqueville aus „Über die Demokratie in Amerika“ und der neuen Technik der Verbannung gegenüber Andersdenkenden.

TV-Regime: Begriff den Umberto Eco geprägt hat, der glaubt, dass Berlusconi Italien ein neue Regierungsform beschert hat: die Telekratie. Politische Entscheidungen werden nicht im Parlament diskutiert, sondern in der Talkshow präsentiert. Alle Macht geht in Rom vom Fernsehen aus.

Taliban: In der Islamische Zeitung hatte schon 1999 („Die Hintermänner von Dhagestan“) Salih Brandt gegen den Wahabi-Fundamentalismus gewettert und ihn geistig als Export-Artikel der saudischen Madinah Universität zugeordnet. Das deutsche Außenminsterium war da nicht so schnell, die Taliban gingen zu diesem Zeitpunkt noch ein und aus. In großen Teilen der islamischen Welt galt die Truppe längst als dubiose Söldner-Armee einer neuen Geopolitik von Erdölfirmen.

Tolstoi: „Some- liberals and aesthetes- consider me to be mad or weak- minded like Gogol; others- revolutionaries and radicals- consider me to be a mystic and a man who talks too much; the officials consider me to be a malicious revolutionary; the Orthodox consider me to be a devil. I confess that it is hard for me… And therefore, please, regard me as a kind Mohammedan, and all will be fine”. (Tolstoi)


U

Ulm: Die Ulmer Szene und der dort lehrende V-Mann des Verfassungsschutzes BW, haben die deutsche Terroristenszene – in bis heute ungeklärter Weise – entscheidend geprägt.


W

Wahabismus: Der moderne Wahabismus gehört aus meiner Sicht zu den entscheidenden Pervertierungen der islamischen Lebensweise. Auf Reisen in Bosnien, Albanien und Kazakhstan sind mir die globalen Umtriebe der Schüler der Madinah-Universität negativ aufgestoßen. Die rigide Haltung gegenüber Frauen, aber auch die distanzlose Akzeptanz des Kapitalismus sind mir persönlich ein Greuel. Das Verhältnis zum Terrorismus wird neuerdings zu Recht angeprangert.

Weimar: In Weimar, der Stadt Goethes und Schillers, haben wir fünf schöne Jahre verlebt und die Stadt tausenden Muslimen aus aller Welt vorgestellt. Ich kann mich an keinen muslimischen Gast erinnern der die Stadt nicht faszinierend fand. Die Annäherungen Goethes an den Islam gehört zur Sonnenseite der europäischen Geistesgeschichte. Der Ilmpark und das Gartenhaus gehören nach wie vor zu meinen Lieblingsplätzen in Europa.

Werte: Die Europäische Union will „ihre Werte und Interessen“ nicht nur fördern, und zwar auch in ihren Beziehungen zur übrigen Welt, sondern hat diese auch absolut gesetzt. Es sollte die Warnung des Rechtswissenschaftlers Carl Schmitt vor der „Tyrannei der Werte“ nicht in Vergessenheit geraten. Seiner Tendenz nach ist nämlich jedes Wertdenken latent aggressiv. Nicht das Sein der postulierten Werte, wohl aber ihre Verwirklichung führt leicht zum Rigorismus, ja Fanatismus im Blick auf einen bestimmten Wert. Alle Werte, so Schmitt, sind interessensgeleitet. Sie basieren auf den Wertungen der an ihnen interessierten Subjekte. Das bedeutet aber auch: „Niemand kann werten ohne abzuwerten, aufzuwerten und zu verwerten.“

Weg: „Die Person die einen Fuß auf diesen Weg setzt ist wie ein Stern. Derjenige der auf dem Weg fortgeschritten ist, ist wie ein Mond. Derjenige der Wissen von Allah erlangt hat ist wie eine Sonne. Aber derjenige, der keinen einzigen Fuß auf diesen Weg gesetzt hat ist wie ein Stein.“ (Imam al-Ghazali)

Wirklichkeit: „Ach, Sie glauben, Konstruktion hätte nur mit Gebäuden zu tun? Ich konstruiere mich andauernd, und ich konstruiere Sie, und Sie tun dasselbe. Und die Konstruktion hält so lange, bis das Material unserer Gefühle zerbröckelt und der Zement unseres Willens zerfällt. […] Es genügt, daß der Wille ein wenig schwankt und sich die Gefühle in einem Punkt wandeln, ja auch nur geringfügig verändern, und dahin ist unsere Wirklichkeit!“ ( Luigi Pirandello: Einer, keiner, hunderttausend, 1925)


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Zakat: Der Zakat ist eine der Säulen des Islam und wird im Koran immer wieder gleichrangig mit dem Gebet erwähnt. Der Zakat bzw. die Zakatpflicht (nicht zu verwechseln mit Almosen) konstituiert Gemeinschaft und kann nach der Malikitischen Rechtsschule normalerweise nicht mit „Papier“ bezahlt werden. Zakat wird in Deutschland, wenn überhaupt, dann in den meisten Fällen nicht korrekt erhoben.

Zinsen: Von Otmar Issing, dem Chefökonomen der Europäischen Zentralbank, schlicht als »Mietpreis des Geldes« bezeichnet, wird er von Kritikern als Einkommen ohne Arbeit, als »leistungslos erworbenes Geld« geschmäht, als Übel, das Wirtschaft und Gesellschaft ruiniere. Die Zinskritik ist eine der Wurzeln für die Bewegung der Regionalwährungen, und sie hat eine lange Tradition. Die Zinsnahme ist im Islam kategorisch verboten. Schon Aristoteles soll gewettert haben: »So ist der Wucher hassenswert, weil er aus dem Geld selbst den Erwerb zieht und nicht aus dem, wofür das Geld da ist. Denn das Geld ist um des Tausches willen erfunden worden, durch den Zins vermehrt es sich dagegen durch sich selbst. (…) Diese Art des Gelderwerbs ist also am meisten gegen die Natur.«

Zeitgenossenschaft: „Diejenigen, die restlos in ihrer Epoche aufgehen, die in jedem Punkt völlig mit ihr übereinstimmen, sind nicht zeitgenössisch, weil sie gerade deshalb nicht sehen, nicht beobachten können“. (Giorgio Agamben)