#türkei

#türkei

#türkei

Eine intensive Woche in der Türkei hat mir einen ganz guten Einblick in die aktuelle Lage des Landes gegeben. Überall war der ungeheure Eindruck, den der „Putschversuch“ weiterhin auf die Intelligenz sowie auf die einfachen Menschen des Landes ausübte, zu spüren. Der Tenor war eindeutig: von der Enttäuschung über die Zurückhaltung der europäischen Regierungen in der Stunde der Not bis hin zur starken Unterstützung für die Politik Erdogans. Ein Alim drückte es in eigener Ausgewogenheit so aus: „Ja, er macht auch Fehler, aber er hat Iman und er ist zweifellos der wichtigste Sprecher der islamischen Welt.“

Während die neue Bosporus-Brücke mit beeindruckender Technik Europa und Asien verbindet, wird es weiterhin darum gehen, auch andere, geistige Brücken zu bauen. Mit Professor Dr. Nevzat Yalcintas ist leider vor einigen Wochen einer der wichtigen Brückenbauer verstorben.

Nach seinem Tod und nur Stunden vor dem „Putsch“ hatte Präsident Erdogan noch der Familie sein Beileid ausgesprochen. In vielen unvergesslichen Begegnungen mit ihm hatte ich immer wieder die Gelegenheit, die vielen Facetten der türkischen Geschichte und der Tagespolitik aufzuarbeiten.

Zweifellos war der Professor ein Mann, der menschliche Größe hatte, auf unterschiedliche Positionen einzugehen. Eine Eigenschaft, die in der spannungsgeladenen türkischen Gesellschaft auch weiterhin nötig sein wird. Auf einer  bewegenden Gedenkfeier am Sonntag (den 28. August) in einer der wunderschönen Moscheen Istanbuls am Bosphorus wurden für ihn Qur’anverse rezitiert. Er wird fehlen.

Die Türkei steht zweifellos vor großen Umbrüchen und Herausforderungen. Während das Herz Istanbuls in unübertroffner Schönheit beeindruckt, entstehen an den Stadträndern große Trabantenstädte. Die Architektur dort ist globalisiert und unterscheidet sich, was Bausünden angeht, nicht von anderen Großstädten in aller Welt.

In Basaksehir hatte ich inmitten von hunderten Hochhäusern einen beruflichen Termin. Ohne den allgegenwärtigen menschlichen Faktor, den man auch hier in Form allgegenwärtiger Freundlichkeit verspürt, könnten diese Viertel der Millionenstadt auch schnell trostlos wirken. Beim Gebet in der dortigen Moschee, die eine Kopie der osmanischen Baukunst darstellt, wird klar, dass auch hier – inmitten gigantischer Stadtentwicklung – die alten Anker geworfen werden; zurück in die ursprüngliche Tradition. Man wird sehen, ob sie halten.

Interessant für mich war auch die Begegnung mit Yusuf Kaplan. Der Journalist ist empört über den Versuch, die alte Rückkoppelung der Türkei anzugreifen und extreme „Parallelreligionen“, zwischen Fundamentalismus und Esoterik, zu etablieren. Darüber hinaus sieht er die heutige Herausforderung, die politische Souveränität im Zeitalter der Technik neu zu denken. Kaplan ist einer der Denker, die Europäer jenseits der Tagespolitik zu einem vertieften Gespräch mit der Türkei inspirieren könnten.

Kommentare sind deaktiviert